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400 Stellen in Gefahr
Liberalisierung kostet Flughafen-Jobs

400 Stellen in Gefahr: Liberalisierung kostet Flughafen-Jobs
Der Wettbewerb im Bereich Gepäckabwicklung ist hart. Seit 2002 ist der Markt liberalisiert. FOTO: Bußkamp, Thomas
Düsseldorf. Bis zu 400 Jobs beim Bodenpersonal des Düsseldorfer Flughafens sind in Gefahr. Der Grund: Der Markt für die Gepäckabfertigung wurde freigegeben. Die Flughafen-Tochter "Ground-Handling" ist dem Wettbewerb kaum gewachsen. Davon profitiert die Konkurrenz. Von Thorsten Breitkopf

Der Düsseldorfer Flughafen plant Entlassungen bei seiner Bodenabfertigung. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Maßnahmen bei der Flughafen-Tochter "Ground Handling GmbH" (FDGHG).

Wie viele Jobs werden gestrichen?

Flughafensprecher Thomas Kötter betont, dass zum heutigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden kann, wie viele Stellen am Ende wegfallen werden. Die Gewerkschaft Verdi fürchtet einen Kahlschlag: "Bis zu 400 Jobs werden abgebaut", sagte Flughafen-Aufsichtsrat und Verdi-Mitglied Peter Büddicker unserer Zeitung.

Wie sollen Jobs abgebaut werden?

Flughafen-Sprecher Kötter sagte: "Wir gehen von betriebsbedingten Kündigungen aus." Christoph Blume, Sprecher der Konzern-Geschäftsführung, erklärte in seiner Funktion als Arbeitsdirektor: "Wir werden den notwendigen Personalabbau sozialverträglich gestalten." In den kommenden Tagen sollen dazu Gespräche mit Verdi, dem Betriebsrat und mit dem Auftraggeber Air Berlin geführt werden. "Wir sehen aktuell gute Chancen, langfristig zumindest Teile der Abfertigungsleistungen für die Air Berlin bei der FDGHG zu belassen."

Warum ist Jobabbau notwendig?

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat mitgeteilt, ihren Vertrag Ende 2013 zu kündigen und zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Air Berlin ist mit 50 Prozent der mit Abstand wichtigste Auftraggeber der FDGHG.

Ändert sich etwas für Fluggäste?

Neben der "Ground Handling GmbH", die zu 100 Prozent dem Flughafen gehört, hat sich in Düsseldorf seither auch die wesentlich kostengünstigere Brüsseler Firma Aviapartner etabliert. Mit wachsendem Erfolg: Die Lufthansa, neben Air Berlin die zweite große Airline am Düsseldorfer Flughafen, ist bereits komplett zu Aviapartner gewechselt. Fluggäste werden vom Anbieterwechsel nichts merken.

Seit wann gibt es Wettbewerb auf dem Markt der Gepäckabwicklung?

Der Markt für das Be- und Entladen der Flugzeuge und die Verteilung des Gepäcks wurde in Deutschland im Jahre 1999 liberalisiert. Da der Düsseldorfer Airport durch den Flughafenbrand 1996 erhebliche Härten zu verkraften hatte, wurde für die Öffnung des Marktes eine Schonfrist bis zum Jahr 2002 gewährt.

Wie hoch sind die Verluste?

2010 erwirtschaftete die FDGHG bei einem Jahresumsatz von 66 Millionen Euro einen Verlust von 5,3 Millionen Euro. Für 2011 sind rund zehn Millionen Euro Verlust prognostiziert.

Warum ist die FDGHG defizitär?

Aus Sicht des Flughafens sind vor allem hochdotierte Arbeitsverträge aus der Zeit vor der Liberalisierung des Abfertigungsmarktes schuld. "Verschiedene Maßnahmen mit dem Ziel der Kostenreduktion und Flexibilisierung, darunter auch zahlreiche Angebote an den Gemeinschaftsbetriebsrat, haben nicht den notwendigen Erfolg gebracht", sagt Thomas Schnalke, Aufsichtsratsvorsitzender der FDGHG und Geschäftsführer des Flughafens. Verdi hält dagegen: "Wir sind seit 1999 in einer tariflichen Sondersituation. Die Mitarbeiter haben einen deutlichen Beitrag zu Einsparungen geleistet", sagt Peter Büddicker. Die Entgeltsteigerung sei gebremst worden, die Zahl der Wochenarbeitsstunden sei auf 40,5 erhöht worden. Die Personalkosten sind das größte Problem beim Geschäft mit Gepäckabfertigung, da sie 70 Prozent der Kosten ausmachen.

Warum ist die Konkurrenz billiger?

Nach Ansicht von Peter Büddicker setzt die Firma Aviapartner auf niedrige Löhne und Leiharbeit, um den Preis zu drücken.

(RP/jco)
 
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