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Düsseldorf
Literaturfans standen Schlange für Autorin Judith Hermann

Düsseldorf. Düsseldorf und Judith Hermann - das passt: Alle ihre Bücher hat sie hier vorgestellt, und als sie jetzt mit "Lettipark" kam, ihrem fünften Band, strömten so viele Zuhörer ins Heine Haus, dass nicht alle eingelassen werden konnten. Und das, obwohl die Berlinerin sich Erzählungen verschrieben hat, einer Literaturform, von der es sonst heißt, dass sie nur wenige Leser findet. Moderator David Eisermann erinnerte mit einer Anekdote daran, dass Hermann mit ihrem ersten Band "Sommerhaus, später" aus dem Jahr 1998 schon damals Furore machte: Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki war an einem Gespräch mit der jungen Autorin interessiert und traf sich mit ihr in einem Café. Er habe bestellt, ohne die damals 28-Jährige zu Wort kommen zu lassen. "Das Kind trinkt heiße Schokolade", habe er in seiner energischen Art gesagt, die keinen Widerspruch duldete. Hermann ergab sich. "Ich habe die Schokolade brav getrunken", erzählte sie bei der Lesung und erklärte sogar, dass die Bevormundung sie nicht gestört habe. Von Sabine Schmidt

Die Ruhe und Gelassenheit, mit der sie sprach, vermittelte ihrem Publikum einen Eindruck davon, wie ihre Erzählungen entstehen: Sie beobachtet Menschen sehr genau, lässt sich nicht von Gefühlen hinreißen, denkt nach und schreibt dann fein gesponnene Kurzgeschichten, in denen kein Wort zu viel ist, die zwischen den Zeilen aber umso mehr sagen.

Zuletzt hat sie ihren bis jetzt einzigen Roman veröffentlicht: "Aller Liebe Anfang". "Aber gleich nach dem letzten Satz habe ich mit einer neuen Erzählung begonnen", sagte sie. So ist das nächste Buch für sie ungewohnt früh erschienen: Zwischen Roman und neuem Erzählband liegen nur zwei Jahre. "Lettipark" erzählt von Begegnungen, Beziehungen, Sehnsüchten und von der Liebe, auf Hermanns leise, aber eindrückliche Art. Sehr gut kam sie damit an: Nachdem das Publikum ihr anderthalb Stunden zugehört hatte, wurde sie mit begeistertem Applaus verabschiedet.

Quelle: RP
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