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Düsseldorf
Luder, Loddel und lockere Laune

Düsseldorf. Die Ausstrahlung der großen Fernsehsitzung in der ARD war um einiges besser als im Vorjahr. Allenfalls Kleinigkeiten störten. Von Hans Onkelbach

Glückwunsch, Düsseldorf - die Zeiten, in denen Köln selbst im TV den fröhlicheren Eindruck machte, sind endgültig vorbei. Wer neulich die von hilflosem Gestotter geprägte Präsentation des dortigen Dreigestirns am Bildschirm ansehen und die daneben stehende, peinlich berührte Oberbürgermeisterin Henriette Reker bedauern musste, wird den Auftritt des Düsseldorfer Prinzenpaares Hanno und Sara - locker und sympathisch - wohltuend anders gesehen haben.

Bei der TV-Sitzung (Mittwochabend in der ARD) wirkten die Zwei überhaupt nicht nervös, es gab - anders als in Köln - keine krampfhaft aufgesagten, auswendig gelernten Sätze. Fazit: Düsseldorfer Jecken tragen die Pappnase höher denn je, und das mit Recht. Der Tilly-Effekt setzt sich durch, das Profil des hiesigen Karnevals wird - passend zum diesjährigen Motto - immer schärfer. Wenn die Stadt-Vermarkter das endlich mal begreifen würden. . .

Natürlich muss man ein bisschen meckern, wie immer. Haken wir das also direkt ab: Wenn der ansonsten souveräne Sitzungspräsident Stefan Kleinehr (pfiffig kostümiert wie aus "Alice im Wunderland") endlich seine gestelzte Sprache vergessen und salopper sprechen würde (was er kann und mehrfach bewies!), hätte er damit sämtliche alten Zöpfe abgeschnitten. Dass er nicht oben beim Elferrat hocken blieb - der übrigens schön kostümiert war und keine lächerlichen Uniformen trug! -, sondern lässig über die Bühne schlenderte, tat dem Ganzen gut. Weiter: Muss man dem Rathaus-Chef ("Wir grüßen den Ersten Bürger der Stadt!") eigens einen verbalen roten Teppich ausrollen? Ok, Geisel wird womöglich Wert darauf legen, aber muss auch eine Ergebenheitsadresse an den WDR-Intendanten Tom Buhrow sein? Überflüssig!

Ganz schlimm: Die Frauenwitze einiger Büttenredner! Chauvinistisch, von gestern, geht gar nicht, zurecht Aufreger für die veganen Lila-Latzhosen-Trägerinnen. Dagegen echte Kracher: die Frauenwitze - unverwüstlich, immer für einen Brüller im ganzen Saal gut, ergo unverzichtbar. Ein unlösbarer Konflikt also. Was solI's, political correct sind wir wieder ab Aschermittwoch.

Und sonst? Klasse Kostüme bei den Gästen: Senftuben, aufreizend sparsam gekleidete Schlampen (nun ja - mehr oder weniger erfolgreich), Offiziere, Mönche, Kardinäle, Clowns ohne Ende, Charleston-Damen, bayrische Gebirgsbauern und ein großartiger Loddel: Thomas Geisel wird nun bundesweit als Puff-Daddy Berti-Wollersheim-Double bekannt sein, und bei einem sambamäßigen Motto-Lied zeigte der Sozi, dass er mehr Hüftschwung drauf hat als das schon in die Jahre gekommene Original. Respekt, Herr Oberbürgermeister - so viel Humor und Schwung hätte mancher Ihnen nicht zugetraut. Und Gattin Vera gab das atombusige Loddel-Luder wirklich verblüffend.

Überzeugend auch das WDR-Team, das den Schnitt der viel längeren Sitzung diesmal nicht versäbelte. Wer nicht genau hinschaute, der dürfte kaum gemerkt haben, dass man eine Aufzeichnung sah - mit einer Ausnahme: Die beste Tanzgruppe, die der katholischen Jugend, wurde arg zerschnippelt. Schade, denn die Damen waren ein optisches Highlight des Abends.

Ebenfalls top: Büttenredner Ne Hausmann kam dröge, aber witzig rüber, Jürgen Hilger-Höltgen zeigte als Fimmännchen wieder mal, dass auch 2016 gereimte Büttenreden scharf wie Pfeffer sein können, Bauchredner Klaus war routiniert und pointensicher. Der Vater des Frauen- (oder Herren-)Witzes, Markus Krebs würde wohl auch Alice Schwarzer die Mundwinkel nach oben ziehen, und der miesepetrige Wolfgang Trepper schilderte großartig die Leiden im Club-Urlaub.

Was noch? Ach ja - Kinder-Hoppeditz Jana (Lehne, 10). Die kesse Kleine zeigt, Düsseldorfs Karneval hat die Nachwuchsprobleme im Griff. Dass dem erfrischend selbstbewussten Kind jemand Spitzen gegen die Finanzpolitik des SPD-OB in die Rede geschrieben hatte, liegt sicher an der Familie: Vater und Onkel sind sehr aktive CDU-Politiker.

Quelle: RP
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