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Düsseldorf
Mädchen in Kinderhilfezentrum missbraucht

Düsseldorf: Mädchen in Kinderhilfezentrum missbraucht
Im Kinderhilfezentrum an der Eulerstraße werden die Kinder betreut, die vom Jugendamt in Obhut genommen werden. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Im städtischen Kinderhilfezentrum soll ein Mädchen von zwei Jugendlichen missbraucht worden sein. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat Haftbefehle gegen die mutmaßlichen Täter erwirkt, die als alleinreisende und nach eigenen Angaben minderjährige Flüchtlinge in der Einrichtung untergebracht waren. Mit Rücksicht auf das Alter des Opfers machte die  Staatsanwaltschaft keine weiteren Angaben.   Von Stefani Geilhausen und Arne Lieb

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei junge Männer, die am vergangenen Samstag im Kinderhilfezentrum ein zwölfjähriges Mädchen missbraucht haben sollen. Die "nach eigenen Angaben minderjährigen" Flüchtlinge, so Staatsanwalt Ralf Herrenbrück, hätten das Alter des Kindes gekannt, als sie es jeweils als Alleintäter "mit Gewalt zu sexuellen Handlungen nötigten".

"Höchst entsetzt" zeigt sich Jugendamtsleiter Johannes Horn über den Fall, von dem er selbst erst am Dienstag unterrichtet worden sei. Auch über diese Verzögerung verlange er Erklärungen von Heimleitung und Mitarbeitern, vor allem aber darüber, "wie so etwas überhaupt passieren kann." Das Mädchen habe sich am Montagabend seinen Erziehern anvertraut, teilte das Rathaus Donnerstag mit. Die Polizei war am Dienstag eingeschaltet worden und hatte noch am selben Tag die Beschuldigten festgenommen. Am Mittwoch erging der Haftbefehl gegen die beiden, die nach Informationen unserer Redaktion 15 und 22 Jahre alt sind. Der Ältere hat demnach falsche Angaben gemacht, als er sich als alleinreisender minderjähriger Flüchtling ausgab. Im Kinderhilfezentrum an der Eulerstraße werden minderjährige Flüchtlinge, die ohne Familien nach Deutschland kommen, für einige Wochen aufgenommen und betreut, bis das Jugendamt sie in geeignete andere Einrichtungen überstellt. Weil unbegeleitete Minderjährige nicht abgeschoben werden, kommen falsche Altersangaben nicht selten vor. Das werde aber in der Regel von den erfahrenen Betreuern schnell entdeckt, hatte Horn kürzlich im Gespräch mit unserer Redaktion versichert.

Missbrauchsfall im Kinderhilfezentrum

Da die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge seit dem Herbst dramatisch angestiegen ist, ist das Kinderhilfezentrum seit Monaten überbelegt. Ein Umzug von rund 70 jugendlichen Flüchtlingen unter anderem aus dieser Einrichtung in das ehemalige DRK-Altenheim an der Ludwig-Beck-Straße war für Anfang des Monats geplant gewesen, hatte sich aber wegen Brandschutzmängeln verzögert. Nun ist er für Februar geplant. Derzeit leben in der Einrichtung in Pempelfort 50 Kinder und Jugendliche, darunter auch Kinder, die vom Jugendamt aus teils desaströsen Familienverhältnissen heraus in Obhut genommen worden sind. 130 Mitarbeiter hat die Einrichtung, viel zu wenig, um alle Kinder 24 Stunden am Tag im Auge zu behalten, heißt es aus Kreisen der Betreuer.

Der größte Teil der jungen Bewohner auf dem weitläufigen Gelände ist männlich. Zwar sind Jungen und Mädchen in unterschiedlichen Wohngruppen untergebracht, Kontakte aber nicht ausgeschlossen, zum Beispiel auf dem Hof oder in Gemeinschaftsräumen. Horn sagte unserer Redaktion, man habe in diesem Fall eine "unbeobachtete Situation gehabt", bei der sich Personen "absichtlich einer Kontrolle entzogen haben". Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft sind noch nicht abgeschlossen. Die Haftbefehle stützten sich auf die Aussagen des Opfers und auf ein gynäkologisches Gutachten, so Herrenbrück. Die Zwölfjährige ist inzwischen in eine Jugendeinrichtung außerhalb Düsseldorfs verlegt worden. Zur Glaubwürdigkeit des Mädchens und der sehr jungen Zeugen gebe es noch keine abschließende Einschätzung.

Geprüft wird in diesem Zusammenhang auch, ob die Mitarbeiter ihre Aufsichtspflicht erfüllt haben. Dann, sagte ein Kenner der Einrichtung unserer Redaktion, müsse man aber auch untersuchen, ob sie dazu angesichts der Überbelegung und des dünnen Personalschlüssels überhaupt in der Lage seien.

(arl/sg)