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Stil-Sünden in Düsseldorf
Männer-Mode auf der Kö

Stil-Sünden in Düsseldorf: Männer-Mode auf der Kö
Noch klischeehafter wären nur weiße Socken in Sandalen. FOTO: Endermann Andreas
Düsseldorf. Vom Mustermix bis zur Funktionsweste: Auch auf Düsseldorfs modischer Prachtmeile sind Stil-Sünden an der Tagesordnung. Von Hans Onkelbach

Sind die Beine des Mannes unbedeckt, gehen sie - da müssen wir ehrlich sein - leider meistens gar nicht. Selbst muskulös und unverweichlicht bieten seine Knie, Ober- und Unterschenkel nur im Ausnahmefall Vertretbares fürs Auge. Der Haarwuchs spielt dabei übrigens keine Rolle - ob Regenwald-üppig oder fahl wie Käsekuchen: schön ist anders. Dennoch geht der Trend offenbar hin zum - sagen wir: ungenierten Zurschaustellen des maskulinen Fahrgestells, was zu unfeinen Optiken führt, wie wir bei einer willkürlich gemachten und nur wenige Minuten langen Stichprobe zwischen Königsallee und Altstadt feststellen mussten.

Düsseldorfs Prachtboulevard, einst ein Synonym für Stil und modische Akkuratesse, verkommt zum Laufsteg dessen, was besser niemals offen präsentiert würde. Kleidete sich der Normal-Düsseldorfer früher für das Flanieren auf seiner Königsallee so elegant wie möglich (was, wir geben es zu, auch nicht immer funktionierte), sind heute der optischen Umweltverschmutzung Tor und Tür geöffnet, völlig hemmungslos entblättert Mann sich, wenn die Temperaturen die 30-Grad-Marke anvisieren, und wegen der sommerlichen Hitze lässt die Ästhetik ihn kalt.

Ton-in-Ton: Zu den Shorts in beige gibt es (schön hochgezogene) Socken in einem ähnlichen Ton und braune Schuhe. FOTO: Andreas Endermann

Also müssen wir sie dann sehen, diese Gebilde aus den unterschiedlichsten Stoffen und in Farben, wie Mutter Natur sie sich garantiert nicht ausgedacht hat, weil sie evolutionstechnisch nicht überlebensfähig wären. Shorts, ihrem Name Ehre machend und knapp unter dem Hintern endend, einige reichen bis zum Knie, andere bis knapp darunter, oder - der maximale GAU! - zwei Handbreit über dem Knöchel, die Waden umspielend. Wer, um Himmelswillen, denkt sich das aus? Noch unfassbarer, wer kauft und trägt es, und warum? Selbst George Clooney würde in diesen Dingern bescheuert aussehen.

Darunter folgt dann meist die weiße oder wild gemusterte Socke, in einer Sandale oder bequemen Tretern steckend - schrecklich. Der Zweck dieses weder kurzen noch langen Beinkleids? Vermutlich soll die ungehindert das Wadenbein berührende Luft dem Träger etwas Kühlung verschaffen. In Abwandlung eines Zitats des Star-Designers Karl Lagerfeld stellen wir fest: "Wer solche Hosen trägt, hat sein Leben nicht im Griff!" Man könnte auch sagen: ist in seiner Selbstwahrnehmung aus dem Tritt und hat stilistisch eben die Hosen runtergelassen.

Das großkarierte Hemd wird sehr lässig über der Hose getragen. FOTO: Endermann Andreas

Leider torkeln solche textilen Zombies uns meistens nicht allein entgegen, sondern werden oftmals kombiniert in einem Mustermix der brutalen Art. Jeden Farbenblinden beneidend, glaubt man nicht an das, was man sieht - und doch ist es Realität, manifestiert in T-Shirts (lang- oder kurzärmelig oder ganz ohne Ärmel), in der Hose steckend oder darüber hängend, dank gewaltiger Plauze manchmal an Zwei-Mann-Zelte bei Windstärke 9 erinnernd, ergo: hin- und her wehend und somit nur unzureichend verdeckend, über was der Mantel des Schweigens gehört.

So genannte Muskelshirts werden gerne von jenen Männern gewählt, deren Muskelmasse längst adipösen Auswüchsen weichen musste. Am Rande: Wer erfindet eigentlich die Muster, Pseudo-Firmenbezeichnungen, Clubnamen, Slogans oder sonstigen Aufdrucke solcher Klamotten? Ist es ein Zufallsgenerator? Oder ein durchgeknallter Ex-Designer? Ihn würde selbst der eines jeden Stils unverdächtige Rooooobeeeeerrrrrt Geiss seiner Carmen zum Fraß vorwerfen.

Die sehr karierten Shorts betonen das schlanke Männerbein. FOTO: Endermann Andreas

Und wenn man dann denkt, es geht nicht schlimmer, taucht sie auf - die Funktionsweste. Vor Jahren wurde sie eigentlich für Fotografen im Kriegseinsatz kreiert: Ein Dutzend Taschen jeder Größe hat sie vorne und hinten, was praktisch war, als es noch keine Digitalkameras gab und unbelichtete oder volle Filme getrennt voneinander deponiert werden mussten, zudem Objektive, Filter und Batterien für die Kameramotoren, zuständig für den schnellen Filmtransport.

Heute trägt mann (meist die 50 hinter sich) sie ohne Not, dafür gern in einer Farbe, von der humorvolle Anstreicher sagen, sie sei mit Hornhaut-Umbra treffend beschrieben. Darunter das kurzärmelige Hemd, ganz unten das nur wadenlange Beinkleid (siehe oben) und fertig ist ein modisches Gesamtkunstwerk, das man weder auf der Königsallee noch sonst wo zu erdulden wünscht.

Ein frommer Wunsch! Daher die dringende Bitte: Herr, lass es Winter werden - oder wirf' Geschmack vom Himmel.

Quelle: RP
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