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Sportliches Düsseldorf
Mal grazil, mal dynamisch

Sportliches Düsseldorf: Mal grazil, mal dynamisch
Marina Wenzlaff hilft Sohn Alexander (3) beim Balancieren, Evelyn Gabrys mit Tochter Paula (verdeckt) warten dahinter. FOTO: Christoph Reichwein
Düsseldorf. Die Turnabteilung des TuS Derendorf hat 235 Mitglieder, die regelmäßig etwas für Haltung und Fitness tun. Es gibt aber nur noch wenige Übungsleiter für die Sportart. Ab 16 Uhr kann man sich heute im ISS-Dome Profi-Turner ansehen Von Tino Hermanns

"Setz dich mal ganz gerade hin. Als hättest Du einen Stock verschluckt", sagt Gaby Härtlein. Lena, sechs Jahr alt, streckt den Rücken. "Und jetzt recke die Hände so weit nach oben wie du kannst", ordnet Turn-Trainerin Härtlein an. Lena macht sich ganz groß, sackt aber bereits nach einigen Sekunden wieder in sich zusammen. Härtlein lächelt nachsichtig, Lena prustet los vor Lachen. "Körperspannung ist das A und O beim Turnen", erklärt die Trainerin. Deshalb wird in den Übungsstunden der Turnabteilung des TuS Derendorf 1919 regelmäßig etwas für den Muskelaufbau, die Stabilität und Balance, also etwas für die besonders aufrechte Haltung getan.

Doch Turnen ist alles andere als eine steife Angelegenheit. In der Turnhalle an der Essener Straße brummt es wie in einem Bienenstock. Überall wird sich bewegt. Mal elegant mit viel Grazie, mal schnell und dynamisch. Die Halle platzt beinahe aus den Nähten. Um die 32 Mädchen im Alter zwischen sechs und elf Jahren kümmern sich drei Übungsleiterinnen plus zwei freiwillige Helferinnen. Aufgebaut sind für sie zwei Bodenbahnen, drei Schwebebalken und jeweils ein Trampolin und ein niedriges Reck.

Bei einigen Mädchen ist der Lernprozess erstaunlich. Zuerst schaffen sie es gar nicht in den Handstand, etwas später ist die Übung "Handstand - Abrollen" kein Problem mehr. "Es gibt einfach Bewegungstalente, die haben das ganz schnell raus", so Härtlein. Aber auch für nicht so Begabte ist die Sportart ideal. "Turnen ist eine Grundsportart. Wer turnt, hat Koordination, Bewegungsgefühl, Rhythmus, Kraft, Beweglichkeit, Flexibilität und viele Fähigkeiten mehr", erläutert TuS-Übungsleiterin Jutta Berens. Es ist auch eine gute Vorbereitung auf andere Sportarten: So ist Stabhochsprung ohne einen Felgaufschwung undenkbar; auch bei Trendsportarten wie Parcouring sind mit Rollen, Schrauben und Salti turnerische Elemente zu finden.

Klar, Turnen findet nur größere Aufmerksamkeit, wenn Deutschlands Spitzenkräfte Fabian Hambüchen oder Marcel Nguyen um Weltmeisterschaften oder Olympische Medaillen kämpfen. Doch der wohl älteste organisierte Sport in Düsseldorf - im Mai 1815 wurde im Hofgarten der erste Turnplatz des Rheinlands eröffnet - ist eben nicht nur Spitzensport. Vom Kleinkind beim Eltern-Kind-Turnen bis zum betagten Senior kann jeder mitmachen. "Wenn man einmal Blut geleckt hat, kann man nicht mehr aufhören", meint Silke Zimmermann.

Die 37-Jährige turnt in der Damenriege des Kunstturnleistungszentrum (KLZ), allerdings nur zum Vergnügen. "Als Kinder haben meine Schwestern und ich unsere Eltern wahnsinnig gemacht. Überall haben wir Rad geschlagen, Handstand gemacht", erzählt die studierte Sportmanagerin: "Ich kann Turnen nur empfehlen." Auch weil Turner es gewohnt sind, eigene Grenzen zu verschieben, Ängste zu überwinden, diszipliniert, organisiert zu sein und konzentriert zu arbeiten. Das macht sich positiv im Schulischen und Beruflichen bemerkbar.

Die Nachfrage ist erstaunlich groß. In der Turnabteilung des TuS Derendorf wollen sich 235 Mitglieder regelmäßig bewegen. Schade, dass es nur noch wenige Turn-Übungsleiter gibt. So mussten der Gerresheimer TV und der Friedrichstädter TV Gruppen schließen. Einige wollen sich dem TuS Derendorf anschließen. "Wir sind absolut an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen", so Berens. "Wir Übungsleiter dürfen nicht krank werden. Wir können die Kinder doch nicht vor verschlossener Hallentür stehen lassen." Verantwortungsgefühl und Pflichtbewusstsein, auch das lernt man beim Turnen.

Quelle: RP
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