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Düsseldorf
Mann sticht Ex-Freundin nieder und bleibt auf freiem Fuß

Düsseldorf: Mann sticht Ex-Freundin nieder und bleibt auf freiem Fuß
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Düsseldorf. Bei einem Streit sticht ein 44-Jähriger seine Ex-Freundin in den Bauch. Sie liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf einen Haftbefehl, da der Mann bislang nicht auffällig war. Von Stefani Geilhausen

Dienstagabend in Heerdt: Ein Mann (44) besucht seine ehemalige Lebensgefährtin an der Burgunderstraße. Die 30-Jährige lebt dort seit einiger Zeit in ihrer eigenen Wohnung. Dort gerät das ehemalige Paar schnell in Streit. Die zunächst verbale Auseinandersetzung eskaliert gegen 20.30 Uhr. Dann greift der Mann zu einem Messer und sticht es seiner Ex-Freundin in den Bauch.

Schwer verletzt, aber getrieben von Angst und Adrenalin, flüchtet sie nach draußen. Auf der Straße bricht sie zusammen. Passanten leisten Erste Hilfe und alarmieren die Polizei. Als die Beamten eintreffen, stellt sich der 44-Jährige. Er wird festgenommen, leistet keinen Widerstand.

Die Frau kam ins Krankenhaus, war auch am Mittwoch noch nicht vernehmungsfähig. Sie sei schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt, teilte die Polizei mit, die von einem eskalierten Fall häuslicher Gewalt sprach - auch wenn Täter und Opfer nicht mehr unter einem Dach lebten. Der 44-Jährige machte keine weiteren Angaben zum Tathergang, auch die Herkunft des Messers ist noch nicht geklärt.

Gleichwohl entschied die Staatsanwaltschaft bereits, den Messerangriff nicht als versuchte Tötung, sondern als gefährliche Körperverletzung einzustufen. Das hat mehrere Konsequenzen: Weil der Beschuldigte bislang unbescholten war und einen festen Wohnsitz hat, gibt es keinen Grund, ihn wegen der gefährlichen Körperverletzung in Untersuchungshaft zu nehmen. Und: Die weiteren Ermittlungen haben bei der Polizei längst nicht die gleiche Priorität wie bei einem versuchten Tötungsdelikt.

Gerade das findet Luzia Kleene von der Frauenberatungsstelle an der Entscheidung besonders fatal: "Ohne dass die Frau sich auch nur äußern konnte, wird so die Richtung für das weitere Verfahren festgelegt - das ist für das Opfer ein Schlag ins Gesicht." Die Aussage der verletzten Frau könnte die Einschätzung der Staatsanwaltschaft natürlich auch bestätigen, also für den Beschuldigten entlastend sein. "Aber hier wird vor Abschluss der Ermittlungen eine Bewertung abgegeben, nach der eine tatsächliche Klärung kaum noch zu erwarten ist." Das sei, sagt Kleene, bei weitem kein Einzelfall. "Delikte im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt werden bei der Justiz noch immer sehr häufig bagatellisiert - auch wenn die Polizei bei solchen Fällen in der Regel sehr engagiert ist."

Oberstaatsanwalt Uwe Kessel verteidigt die Entscheidung seiner Kollegen. Auf Anfrage unserer Redaktion sagte er: "Die Rechtslage ließ keine andere Möglichkeit." Der Beschuldigte habe nur einmal zugestochen, das verletzte Opfer habe die Wohnung noch verlassen. "Wir gehen davon aus, dass ein Mann, der in der Regel der Frau körperlich überlegen ist, das Opfer hätte überwältigen können." Dass er das in diesem Fall nicht tat, spreche gegen eine Tötungsabsicht oder auch für einen Rücktritt von einem möglichen Versuch. Die Einleitung von Ermittlungen durch eine Mordkommission sei daher nicht zu begründen, und auch ein Haftbefehlsantrag wegen eines versuchten Tötungsdelikts hätte vorm Untersuchungsrichter kaum Chancen gehabt.

Der 44-Jährige ist am Mittwochabend nach Abschluss seiner Vernehmung nach Hause entlassen worden.

Quelle: RP