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Düsseldorf
Mann zu Unrecht als Vergewaltiger beschuldigt

Düsseldorf. Aus Scham über eine Verspätung bei einem Date hat eine 32-jährige Frau eine nächtliche Vergewaltigung erfunden und damit einen Industriekaufmann (28) zu Unrecht vor Gericht gebracht. Am Dienstag (12.15 Uhr, Saal 1.108) soll die Frau deswegen selbst auf die Anklagebank. Von Wulf Kannegiesser

Beim Amtsgericht wird ihr eine falsche Verdächtigung vorgeworfen. Dafür drohen bis zu zwei Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Neun Monate lang stand der 28-Jährige unter dem schlimmen Verdacht, er habe die Frau sexuell beleidigt, sie sogar zum Oral-Sex genötigt. Als die 32-Jährige im April 2014 nämlich auf dem Weg zu einem Date mit einem Internet-Bekannten in Bilk gerade einen Parkplatz gefunden hatte, soll der 28-Jährige an die Scheibe ihrer Fahrertür geklopft und sich als Kriminalbeamter vorgestellt haben. Er habe sie genötigt, sich teils zu entkleiden, auch sei es zum Oral-Sex gekommen.

Dafür wurde der 28-Jährige neun Monate später angeklagt, bestritt aber alle Vorwürfe. Als er damals im Auto den Südring befuhr, habe die Frau mit ihrem Auto an einer roten Ampel neben ihm gestanden, habe ihn angeflirtet. In einer Seitenstraße, wo sie einen Parkplatz fand, sei es nach einem Gespräch dann zu sexuellen Anzüglichkeiten gekommen. Die Frau habe aber freiwillig mitgemacht. Erst im Zeugenstand gab die 32-jährige dann schließlich zu, dass diese Version richtig ist – und dass sie ihre Vorwürfe gegen den 28-Jährigen bloß erfunden habe. Sie schilderte, sie habe sich geschämt und es sei ihr peinlich gewesen, dass sie nachts mit einem völlig Fremden auf der Straße intim geworden war. Sie habe sich nämlich gerade auf dem Weg zum Date mit einem anderen Mann befunden, habe dann mit dem Angeklagten angebändelt, er habe sie aber nicht zum Oral-Sex genötigt.

Das habe sie ihrem Date-Partner kurz danach nur so erzählt, um ihre erhebliche Verspätung zu erklären. Vom Date-Partner dazu gedrängt, habe sie noch in dieser Nacht gegen 2 Uhr sogar die Polizei alarmiert, habe dann auch den Beamten die falsche Geschichte von den angeblichen sexuellen Übergriffen auf der Straße aufgetischt – und dadurch den 28-Jährigen Monate später auf die Anklagebank gebracht. Er wurde nach dieser Aussage im Januar 2015 dann freigesprochen von sämtlichen Vorwürfen – und wegen der falschen Beschuldigung muss jetzt die Frau auf der Anklagebank platznehmen.