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Leben in der Paulsmühle (Teil 7)
Schenken und teilen wie einst St. Martin

St. Martin zieht durch die Düsseldorfer Altstadt
St. Martin zieht durch die Düsseldorfer Altstadt FOTO: Joris Hilscher
Düsseldorf. Die Pflege von Tradition und Brauchtum hat sich der Kreis Paulsmühler Martinsfreunde als Ziel gesetzt. Mit dem alljährlichen Fest zum Martinszug durch den östlichen Benrather Ortsteil am 10. November soll - gemäß der Legende vom Heiligen Martin - der Wert des Teilens und Schenkens unterstrichen werden. Von Helmut Senf

Der Heilige Martin nämlich, einst Ritter in der römischen Armee und später Bischof von Tours, hatte Zeit seines Lebens stets ein Herz für Kranke und Bedürftige gezeigt. In einem bitterkalten Winter, so sagt es die Legende, teilte er seinen Mantel mit einem armen Mann, der zu erfrieren drohte. "Es lohnt sich, dass wir unsere Kinder heute daran erinnern", erklärt der Vorsitzende Norbert Deschka.

Stimmungsvoll geht es zu, wenn beim Paulsmühler Martinszug Kinder des Kindergartens Balckestraße und der Katholischen Grundschule Einsiedelstraße im Lichtermeer ihrer bunten, selbst gebastelten Laternen laufen. Sie begleiten den Heiligen Martin und den Bischof zu Pferd sowie den armen Mann durch die die Straßen der Paulsmühle. Der Paulsmühler Jugendspielmannszug, der Posaunenchor Hassels und eine Musikgruppe der Robert-Schumann-Schule stimmen unterwegs das bekannte Martinslied an. Zum Abschluss des Martinszuges wird auf dem Schulhof der KGS Einsiedelstraße die Mantelteilung feierlich zelebriert. Und dann - endlich - gibt es, zur Freude der Kinder, die begehrten Martinstüten, gefüllt mit allerlei Obst und Leckereien.

Damit dieses herzliche Miteinander in jedem Jahr stattfinden kann, sind in den folgenden Wochen Sammlerinnen und Sammler im Auftrag der Martinsfreunde unterwegs. Sie bitten die Paulsmühler Bewohner und Geschäftsleute bei einer Haussammlung um Spenden. "1000 Martinstüten sind zu füllen", erklärt Renate Ombeck, die seit 53 Jahren für Kasse und Einkauf zuständig ist. Nicht allein die Kleinen dürfen sich über eine Martinstüte freuen, rund 250 Tüten werden traditionell auch an ältere Mitbürger in der Paulsmühle verteilt. "Armut gibt bei uns noch immer", sagt Manfred Hillenbrand, der nicht nur den armen Mann im Lumpengewand beim Martinszug verkörpert, sondern selbst beim Tütenverteilen unterwegs ist. Im Gespräch an der Tür erfährt er ganz nebenbei von so manchem persönlichen Leid.

Seit 1896 gibt es den Paulsmühler Martinszug, einst vom Paulsmühler Milchmann Jakob Schimmelpfennig initiiert, der viele Jahre selbst beim Martinszug in die Rolle des Heiligen Martins geschlüpft ist und in den 70er Jahren als engagierter Bürger geehrt wurde, indem eine Straße in der Paulsmühle nach ihm benannt wurde.

Eng verbunden sind die Martinsfreunde mit der Katholischen Grundschule Einsiedelstraße und dem Schulverein. Gemeinsam mit den Schulkindern wird eine Adventsfeier für die Senioren der Paulsmühle gestaltet. Diese Feiern gehören fest zu unserem Schulleben", erklärt die Schulleiterin Michaela Mayer. Der Schulverein unterstützt seit mehr als 40 Jahren Anschaffungen von Schulbüchern, die Durchführung der Feste und die Schulfahrten der Viertklässler. "Ohne diese große Hilfe könnten wir unseren Schulkindern viele Angebote gar nicht machen", betont Mayer.

"Schon mit fünf Euro Jahresbeitrag können die Mitglieder des Schulvereins viel bewegen", weiß die Vorsitzende Maria Dominguez. Die Eltern der Grundschulkinder merken dies zu Schuljahresbeginn daran, dass der Eigenanteil an der Schulbuchanschaffung aufgrund der Mitfinanzierung durch den Verein das Familienbudget nicht übermäßig belastet. Als neuste Anschaffung wurde ein Zelt gekauft, das etwa für Veranstaltungen wie den Adventsbasar genutzt werden kann. Im Dezember erleben die Kinder einen gemeinsamen Theaterbesuch.

Quelle: RP
 
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