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Schlägerei in Düsseldorf
Partygäste bestreiten Angriffe auf Polizei

Großeinsatz in Düsseldorf: Schläger greifen Polizisten an
Großeinsatz in Düsseldorf: Schläger greifen Polizisten an FOTO: David Young
Düsseldorf. Eine Party in der Kegel-Halle auf der Graf-Recke-Straße eskalierte: Nur mit einem Großaufgebot konnten die aufgebrachten Männer überwältigt werden. Die Organisatoren der privaten Feier bestreiten allerdings die Vorwürfe vehement. Von Stefani Geilhausen

Sechs verletzte Polizisten, 20 Festnahmen und etliche Strafanzeigen wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Gefangenenbefreiung - das ist die Bilanz eines Einsatzes, der am Sonntagabend auf der Graf-Recke-Straße zunächst harmlos begann. Ein Passant hatte gegen 20.30 Uhr die Polizei gerufen, weil zwei Jugendliche mit Radkappen auf ein Auto einschlugen und dessen Fahrer bedrängten.

Der Einsatztrupp Prios übernahm, vier Beamte wollten die Jugendlichen, zu denen unterdessen zwei Erwachsene gestoßen waren, kontrollieren. Doch die reagierten aggressiv, weigerten sich, ihre Personalien anzugeben. Auch der Mann, der die Polizei alarmiert hatte, soll bedroht worden sein. Weitere Streifen kamen zur Unterstützung. Drei Männer wurden in Gewahrsam genommen. "Unmittelbar danach näherte sich eine etwa 30 Personen starke Gruppe und griff die Beamten massiv an", berichtete Polizeisprecher Marcel Fiebig am Montag. Die Männer, die im nahen Kegelzentrum gewesen waren, hätten Steine geworfen und die Polizisten getreten. Weder Reizgas noch der Einsatz von Schlagstöcken nutzte gegen die aggressiven Männer. "Es gelang ihnen sogar, zwei der bereits festgesetzten Personen zu befreien."

Aus umliegenden Städten rief die Leitstelle daraufhin weitere Unterstützung, auch Bereitschaftspolizei und Hundeführer kamen nach Mörsenbroich, wo sich die Gruppe in den Partyraum zurückgezogen hatte. "Die Halle wurde umstellt und die Besucher überprüft", sagte Fiebig, 20 Personen (18 bis 51 Jahre) seien in Zentralgewahrsam gekommen. Drei wurden "zur Verhinderung weiter Straftaten" zunächst festgehalten, 17 durften gehen, nachdem ihre Identität geklärt war.

"Kein Anlass für das Vorgehen der Polizei"

"Alles Lüge", sagt Bernd Wörns, dessen Cousin das Kegelzentrum für eine Familienfeier gemietet hatte. "Wir waren 150 Leute, die Hälfte Frauen und Kinder. Die Polizei hat ohne Grund die Halle umstellt und jeden brutal gestoppt, der nach draußen wollte." Mit den Jugendlichen, die sich "auf der Straße einen Spaß gemacht" hätten, habe die Familienfeier nichts zu tun gehabt. "Wir sind deutsche Schausteller und keine Flüchtlinge. Es gab keinen Anlass für das Vorgehen der Polizei." Es habe keinen Angriff und keine Steinwürfe gegeben.

Im Kegelzentrum habe die große Schaustellerfamilie seit Sonntagmittag ein Kegelturnier veranstaltet, und sei nach der Siegerehrung am Abend gerade zu Musik und Tanz übergegangen, als "plötzlich Polizisten mit Lampen durch die Fenster leuchteten". Dass draußen einer der Gäste gesagt haben soll, in der Halle seien rund 500 Besucher gern bereit, sich mit den Polizisten zu prügeln, bestreitet er. Auch seien keine Steine geflogen.

Der zweite Vorsitzende der Düsseldorfer Sportkegler, Hartmut Westphal, der am Abend bei der Party in der Vereinsanlage nach dem Rechten sehen wollte, sagte am Montag, das plötzliche Eintreffen der Polizei habe ihn überrascht. Obwohl er mehrfach nach dem Einsatzleiter gefragt habe, habe er keinen Grund für den Einsatz erfahren. "Ich bin fassungslos", sagte er. Die Gäste hätten sich tadellos benommen, die Anlage sei dem Vereinsvorstand am Montag "so sauber wie nie" zurückgegeben worden.

Quelle: RP