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Medica in Düsseldorf
Apps verändern die Medizin

Medica 2015 in Düsseldorf: Apps verändern die Medizin
Ein Mann demonstriert ein mobiles 22-Kanal-EKG-System für Tablet und Smartphone. Die Beobachtung der Funktionen des Herzens und eine Interpretation der Ergebnisse sind damit möglich. FOTO: dpa, mjh wst
Düsseldorf. Heute startet die Medica, die weltgrößte Messe für Medizintechnik. Erwartet werden in Stockum mehr als 130.000 Fachbesucher aus der ganzen Welt. Ein Schwerpunkt ist die digitale Erfassung von Körperdaten. Von Julia Brabeck

Bis Donnerstag wird Düsseldorf zum weltweit größten Treffpunkt der Gesundheitswirtschaft. Dann findet auf dem Stockumer Messegelände die Medica statt. An der Messe beteiligen sich 4952 Aussteller aus 70 Nationen, das sind über 100 mehr als im Vorjahr. Parallel zur Medica wird die Compamed in der Landeshauptstadt abgehalten, die Zulieferfachmesse für die Medizintechnik-Industrie. Dort zeigen 779 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen. Bisher wurde die Medica immer von Mittwoch bis Samstag ausgerichtet. "Die Konzentration auf die normalen Wochenarbeitstage ermöglicht künftig aber eine noch bessere Verteilung des Fachpublikums über die komplette Laufzeit", erklärt Messe Düsseldorf-Geschäftsführer Joachim Schäfer die Änderung.

Auch die Medica steht unter dem Eindruck der Terrorattacken von Paris. Die Messe stehe in "überaus engem Kontakt" mit der Polizei und den Sicherheitsbehörden, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Die Sicherheitsmaßnahmen seien auf einer Großveranstaltung wie der Medica aber immer entsprechend hoch. An einem Messetag halten sich Schätzungen zufolge rund 40 000 Menschen auf dem Messegelände auf.

Medizin-Apps für das Smartphone FOTO: dpa, zeh

Die Aussteller werden die ganze Bandbreite an neuen Produkten, Dienstleistungen und Verfahren für die ambulante und stationäre Patientenversorgung vorstellen. Ein großer Schwerpunkt ist die Elektromedizin und die Medizintechnik mit 2500 Ausstellern. Dort wird gezeigt, wie Patienten in Zukunft vernetzt werden können. Was mit wenigen Mini-Programmen für Mobiltelefone und Fitness-Armbändern begann, verstärkt sich zu einem großen Trend und wird künftig die Behandlung, zum Beispiel auch nach einem stationären Aufenthalt zuhause, wesentlich prägen. Immer mehr medizinisch relevante Körperdaten können sprichwörtlich im Handumdrehen erfasst, verarbeitet und übermittelt werden. Die Zahl medizinischer Apps nimmt quasi täglich zu, Experten gehen aktuell von gut 55.000 solcher Mini-Programme aus.

Zu den Produktneuheiten in diesem Bereich gehören etwa einfach zu bedienende Systeme zur hochpräzisen Blutdruck- sowie EKG-Messung mit Bluetooth-Anbindung an Smartphones oder auch Sensoren zur Auswertung der Schlafaktivitäten. Details, die bislang nur im Schlaflabor aufwendig analysiert werden konnten, lassen sich damit kontaktlos und unkompliziert im heimischen Bett aufzeichnen. Präsentiert wird auf der Messe aber auch die neueste Gerätegeneration für die medizinische Bildgebung, etwa Ultraschallsysteme zur präziseren Diagnostik von Brustmetastasen.

Wo wir von Telemedizin profitieren

Ein Highlight im Ausstellungsbereich dürfte auch das "Avatar-Kids"-Projekt sein. Es beschäftigt sich damit, wie junge Langzeit-Patienten den Kontakt zu den Schulfreunden auch während des Klinik-Aufenthaltes nicht verlieren und "live" am Unterricht teilnehmen können. Möglich machen dies Avatar-Roboter "Nao" als "Stellvertreter" des Kindes im Klassenzimmer, eine Internetverbindung sowie je ein Tablet-PC in Schule und Klinikum zur Steuerung der Kommunikation.

Auch andere besondere Einsatzgebiete werden bei der Medica berücksichtigt. Für Vertreter aus den Reihen der Militärs bieten die Aussteller beispielsweise eine Fülle von Lösungen für sehr spezielle Fragestellungen an. Dazu gehört das Equipment für die Erstversorgung, die Anwendung von Telemedizin für die sichere Datenübertragung zwischen Fahrzeugen und Lazarett, komplette OP-Ausstattungen und individuell zusammenstellbare Fertig-Gebäude-Module.

Parallel zu beiden Messen werden wieder zahlreiche Kongresse in Düsseldorf stattfinden. Es muss also mit viel Zusatzverkehr in der Innenstadt gerechnet werden. Zudem sind viele Hotels ausgebucht oder haben die Zimmerpreise deutlich angehoben.

Quelle: RP
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