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Medici zahlt nicht: Handwerker vor dem Ruin

Düsseldorf: Medici zahlt nicht: Handwerker vor dem Ruin
Diese Wandbemalung im Wellness-Bereich des Hotel Medici wurde von Hermann-Josef Schubert erstellt, der auf sein Geld wartet. FOTO: privat
Düsseldorf. Eineinhalb Jahre hat Kunstmaler Hermann-Josef Schubert im Medici gearbeitet. Auf sein Geld wartet er bis heute. Jetzt ist er in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht. Von Thorsten Breitkopf

Hermann-Josef Schubert blickt sorgenvoll auf seine wirtschaftliche Zukunft. Er ist Kunstmaler aus Würzburg und hat schon diverse Luxushotels gestaltet, in Weimar, in Berlin. "Ich war eineinhalb Jahre auf der Baustelle am Medici in Düsseldorf beschäftigt", sagt der Künstler und Handwerker im Gespräch mit der Rheinischen Post. Dort habe er unter anderem den Wellnessbereich im Stile ägyptischer Grabkammern mit einem Tutenchamun gestaltet. "Erst gab es Vorgaben durch den Auftraggeber, dann sollte ich selbst künstlerisch gestalten. Ich habe auch das Treppenhaus im Neo-Rokkoko-Stil gemalt und Teile mit Blattgold vergoldet. Am Kirchturm habe ich in 25 Metern Höhe die Farbigkeit bestimmt", sagt Schubert. Solche Arbeiten sind seine Leidenschaft, eine Abwechslung zur Arbeit in seinem Würzburger Atelier.

Doch jetzt steht er möglicherweise vor dem Ruin. "Obwohl es bei der Endabnahme keinerlei Beanstandungen gab, wurden trotz mehrfacher Aufforderung die Rechnungen in Höhe von 40.000 Euro nicht beglichen", sagt Schubert. Es seien keine Angaben darüber gemacht worden, warum die Zahlungen nicht erfolgten. Für die Übernachtungen mehrerer Mitarbeiter würden nun außerdem 10.000 Euro in Rechnung gestellt, beziehungsweise soll diese Summe verrechnet werden. "Außerdem werden meine Forderungen von 8000 Euro für einen Zusatzauftrag zur Gestaltung des Kreuzgewölbes nicht anerkannt. Jetzt habe ich einen Anwalt eingeschaltet", sagt Schubert und schiebt nach: "Sollte Medici nicht zahlen, bin ich als Ein-Mann-Handwerksbetrieb in meiner wirtschaftlichen Existenz gefährdet."

Beim Hotelbetreiber Derag, dem das Medici in Düsseldorf gehört, gibt man sich bedeckt und geht nicht konkret auf die Vorwürfe von Hermann-Josef Schubert ein. "Hintergrund der aktuellen Situation sind sehr komplexe Sachverhalte in Zusammenhang mit der umfangreichen jahrelangen Kernsanierung einer historischen Immobilie", sagt Heinz Mayer, Vorstand der Derag Deutsche Realbesitz AG. "An dieser waren Bauunternehmen beteiligt, die aus unserer Sicht mangelhafte Leistungen erbracht haben. Der Grund der rechtlichen Auseinandersetzung sind Mängel und Schäden durch nicht eingehaltene Termine besagter Unternehmen", so Mayer weiter. Bereits vor einem Jahr sei die gesamte Belegschaft eingestellt worden, um das Hotel zu eröffnen. "Aufgrund von baulichen Verzögerungen war dies allerdings nicht möglich.", sagt Meyer.

Am Tag der Eröffnung hatte die RP über eine Vielzahl ähnlicher Vorwürfe von Handwerkern berichtet. In mehreren Klagen fordern verschiedene Handwerksbetriebe den Hotel-Eigner und Betreiber Derag, auf, die offenen Rechnungen zu begleichen. Dass es durchweg Mängel gegeben habe, bestritten die Handwerker erst kürzlich. Dirk Jedamzik, Dachdecker aus Olsberg (Sauerland) hatte gesagt: "Unsere Leistungen sind von einem Gutachter als korrekt beurteilt worden, man hat uns eine Sicherheit für 240.000 Euro eingeräumt - aber dennoch wird nicht gezahlt." Mehrere Betroffene haben erlebt, dass vier Betriebe an der Baustelle sogar in Insolvenz gingen, weil sie kein Geld sahen.

Noch betroffen sind unter anderem ein Möbelschreiner, ein Spezialist für Trockenbau, ein Heizungs- und Sanitär-Betrieb und ein Dachdecker. Allein eine Firma für Haustechnik aus Köln sitzt auf offenen Rechnungen von rund drei Millionen Euro, bei den anderen sind es Beträge von je mehreren Hunderttausend Euro. Es geht insgesamt um fünf Millionen Euro. Das Hotel wurde vor einigen Wochen fertig. Am 20. März war die Eröffnungsparty.

Quelle: RP
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