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Düsseldorf
Medizinstudenten beraten und begleiten Flüchtlinge

Düsseldorf. Die Heinrich-Heine-Uni und die Diakonie kooperieren bei einem Pilotprojekt. 80 angehende Ärzte machen mit. Von Ute Rasch

Die Idee entstand aus dem Gefühl helfen zu wollen. Vor gut einem Jahr gingen Medizinstudenten zum ersten Mal in Flüchtlingsunterkünfte in Uni-Nähe. Daraus entwickelte sich ein Pilotprojekt, an dem sich inzwischen 80 künftige Mediziner und 100 Dolmetscher beteiligen. Sie verstehen sich als Vermittler zwischen Ärzten und ihren Patienten aus aller Welt, wenn Sprachbarrieren die Kommunikation erschweren. Beeindruckt von diesem Engagement kooperieren nun Uni und Diakonie und bieten ein neues Studienfach: Medizinische Versorgung von Flüchtlingen.

Eine 19-jährige Kurdin hat in Düsseldorf soeben ihr erstes Kind zur Welt gebracht. Nun geht es darum, sie über Verhütungsmittel zu informieren. Kein leichtes Thema für das man Zeit braucht, bei dem es auf Nuancen ankommt. Ein typischer Fall für das Studenten-Team. "Wir begleiten Flüchtlinge bei Arztbesuchen, erklären detailliert, was der Arzt sagt, haben hinterher Zeit, um in Ruhe Fragen zu beantworten", erläutern die Medizinstudenten Lea Laskowski und Long Tang. Unterstützt werden sie dabei von Kommilitonen, die als Dolmetscher fungieren. Inzwischen können sie in ihrer Datenbank über 20 Sprachen anbieten, auch Arabisch in Varianten und mehrere kurdische Dialekte. Geschult wird das Team für seinen Einsatz von der Diakonie, die seit vielen Jahren in der Flüchtlingshilfe aktiv ist.

"Die Zusammenarbeit zahlt sich doppelt aus. Flüchtlinge, die kaum deutsch sprechen, die das Gesundheitssystem nicht kennen, bekommen Unterstützung beim Arztbesuch", so Oliver Targas von der Diakonie. Gleichzeitig würden künftige Mediziner für ihre spätere Arbeit sensibilisiert. Ein niedergelassener Arzt steht heute oft vor dem Problem, dass ein Patient zwar offenbar dringend behandelt werden müsste, sich aber nicht verständlich machen kann. "Der Arzt hat dann häufig keine Möglichkeit herauszufinden, wo das Problem liegt", erläutert Dr. Thomas Mutz, vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin. An diesem Institut wird das neue Wahlfach - einmalig an deutschen Unis - angeboten. Grundlage der Vorlesungen werden die gebündelten Erfahrungen des Studenten-Teams sein, außerdem werden die Experten der Diakonie als Dozenten eingesetzt.

Die angehenden Mediziner haben soeben für niedergelassene Ärzte, die ihre Hilfe im Praxisalltag in Anspruch nehmen wollen, ein Online-Formular entwickelt. "Wir stellen dann ein Team zusammen." Wer ihre Arbeit (auch organisatorisch) unterstützen will, mailt an: Projekt.fluetlingshilfe@fsmed.de

Quelle: RP
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