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Markus Becker/Thomas Koblenzer
Mehr Erste Liga für Düsseldorf

Markus Becker/Thomas Koblenzer: Mehr Erste Liga für Düsseldorf
Thomas Koblenzer (links) und Markus Becker im Gespräch: "Tradition ist gut, weil sie zeigt, dass in einem Verein nachhaltig gut gearbeitet wird. Man muss aber auch neue Wege gehen und sich von Fesseln befreien." FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Der Vorsitzende der Düsseldorf Panther (American Football) und der Finanzchef der HC Rhein Vikings (Handball) diskutieren über modernes Marketing, den Wert von einer Million Euro und das, was der Sportstadt noch fehlt.

Alle Sportarten, die nicht Fußball sind, haben es deutlich schwerer, Aufmerksamkeit und Sponsoren zu gewinnen. Wie könnten sie kooperieren und inwiefern würde das helfen?

Becker Das haben wir gerade beim Saisoneröffnungsspiel der Rhein Vikings gegen Kiel erlebt: Da waren Spieler aus vielen Sportarten in der Halle. Die Vereine könnten eine Plattform schaffen und mit dieser gemeinsam Aufmerksamkeit erlangen. Ein Stück gemeinsames Marketing sorgt für eine größere Öffentlichkeit, mehr Zuschauer, mehr Anreize für Sponsoren. Koblenzer Die Idee, dass die Sportarten in Düsseldorf zusammenrücken, finde ich sehr gut. Das lässt sich unter der Marke der Sportstadt machen. Dann könnten Fan-Bases entstehen, die Spiele wechselseitig besuchen, und es könnten Aktionen geplant werden, bei denen die ganze Palette des Düsseldorfer Spitzensports sichtbar wird, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Das ist dann auch modernes Marketing.

Inwiefern?

Koblenzer Trikot- oder Bandenwerbung sind heute nur noch ein kleiner Teil. Umdenken heißt: Die Qualitäten des Teamsports herausstellen. Das ist zum Beispiel für potenzielle Arbeitgeber interessant. Von den 16 Spielern in unserem Kader sind aktuell sechs bei Firmen untergebracht und diese loben sie als leistungsbereite Mitarbeiter. Wir haben eine Reihe von Spielern, die sich bewusst für uns entschieden haben, weil es ihnen nicht nur ums Geld ging, sondern weil bei uns das Gesamtpaket stimmt. Becker Wir haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Wir hatten Interesse an einem jungen Spielmacher, der sich schließlich für Paderborn entschieden hat. Nicht weil das Team dort bessere Perspektiven bietet, sondern weil es dort ein interessanteres Sport-Internat gibt.

Fehlt das in der Sportstadt?

Koblenzer Im Handball kann man sich anschauen, was die Füchse Berlin machen, deren Internat ist absolut vorbildlich. Es gibt aber auch im Kleinen Möglichkeiten: Kooperationen mit Schulen, so dass die jungen Sportler auch vormittags trainieren können - das ist in der Leistungsspitze unerlässlich. Becker Eine erstklassige und nachhaltige Jugendarbeit ist auch für Sponsoren wichtig, das ist Teil des Gesamtpakets mit sozialen und gesellschaftlichen Aspekten. Deshalb brauchen wir ein Leistungszentrum für Football. Das wäre auch wieder einmalig in Deutschland und sichert die Zukunft auf Dauer. Koblenzer Man könnte sich auch ein sportarten-übergreifendes Leistungszentrum vorstellen. Kraft und Ausdauer brauchen alle Sportler, ein Zentrum dafür könnte man auch gemeinschaftlich betreiben.

Was macht Ihre Marke aus?

Becker Unsere Marke ist die Geschichte aus Tradition, Erfolg und exzellenter Jugendarbeit, die in Europa ihresgleichen sucht. Der älteste American-Football-Verein in Europa steht für Teamgeist, Stolz und Enthusiasmus seit 1978. Unser Logo ist weit bekannt, Football in Deutschland wird auch immer mit den Panthern verbunden. Selbst in den USA. Sebastian Vollmer zum Beispiel kommt aus unserer Jugendarbeit und wurde mit den New England Patriots zwei Mal Super-Bowl-Sieger. Koblenzer Tradition ist gut, weil sie zeigt, dass in einem Verein nachhaltig gut gearbeitet wird. Man muss aber auch neue Wege gehen und sich von Fesseln befreien.

Wie bringen Sie das mit Ihrem Namen zum Ausdruck?

Koblenzer Sie können sich vorstellen, dass wir auch viel Spott geerntet haben. Wir wollen mit dem Namen ein Signal setzen, dass wir etwas anders machen. Die Wikinger passen gut zu einer Mannschaft, für die Teams von beiden Seiten des Rheins fusioniert sind.

Sie haben sich fürs Marketing das US-Football-Team der Minnesota Vikings zum Vorbild genommen. Was haben Sie gelernt?

Koblenzer Da passt alles zum Namen: der Schlachtruf, das Wikinger- Catering... So entsteht eine Marke, ein Wiedererkennungswert, eine Identifikation. Und so wird daraus ein Erlebnis in der Halle, das auch im Internet als Bewegtbild oder in den sozialen Netzwerken funktioniert. Der Stream vom Spiel gegen Kiel hatte 8000 Zuschauer: Da sieht man das Potenzial, das auch für Sponsoren interessant ist. Die machen heute ihre Zahlungen zum Teil davon abhängig, ob man eine bestimmte Reichweite erzielt. Becker Fans, die nicht im Stadion dabei sein können, fehlen uns. Die können wir über einen Livestream wieder erreichen. Und die Spieler kommen so ins "Fernsehen", das ist auch ein Teil des Effekts und einer sich ändernden Medienlandschaft, der das Ganze immer größer und attraktiver werden lässt.

Wenn Ihnen jemand eine Million Euro gibt, was würde das in Ihrer Mannschaft verändern?

Koblenzer Wir würden nicht den Fehler machen, ein paar Spieler zu verpflichten, mit denen wir schnell in der Ersten Liga wären. Solches Geld würde uns die Ruhe geben, unser Projekt nach unseren Vorstellungen weiterzuentwickeln. Wir brauchen ein Fundament für einen nachhaltigen Aufbau. Becker Ich würde es ähnlich machen und vor allem in die Strukturen investieren. Grundstein für alles ist eine adäquate Trainingsstätte, ein Spielort, bei dem wir die Schlüsselgewalt haben. Ein solches Zuhause fehlt uns im Moment und ist für unsere Zukunft enorm wichtig.

Wo ist Ihr Team in fünf Jahren?

Koblenzer Wenn wir die Region wieder für Handball begeistern und sich eine Fankultur entwickelt, und wenn sich diese Begeisterung auf Sponsoren überträgt, dann könnten wir in fünf Jahren in der Ersten Liga sein und eine führende Rolle in der Weststaffel der A-Jugend-Bundesliga spielen. Becker Wir streben natürlich wieder die Erste Liga an und wollen weiter hervorragende Jugendarbeit machen. Außerdem wollen wir die Jugendspieler - zur Zeit haben wir übrigens acht Jugendnationalspieler, die gerade EM-Dritter wurden, und drei Herrennationalspieler, die bei den World Games den zweiten Platz belegten und sich dabei auch gegen die USA durchgesetzt haben, in unseren Reihen - auch bei uns halten und dann in Europa wieder eine größere Rolle spielen.

CHRISTIAN HERRENDORF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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