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Düsseldorf-Süd
Mehr Klassen, mehr Arbeit für den Chef

Düsseldorf-Süd. Die Stadt muss die Vorgaben der Landesregierung zur Inklusion erfüllen. Die Zukunft der Düsseldorfer Förderschulen steht zur Diskussion. Einige Schulen sollen aufgelöst werden, Dependancen entstehen. Von Birgit Wanninger

Daniel war ein sehr schwieriger Junge - vor allem in seinem Sozialverhalten. "Und er war arbeitsverweigernd", sagt Peter Zerfaß, Rektor der Alfred-Herrhausen-Schule in Garath. Heute ist Daniel ein erfolgreicher Bäcker und Konditor und hat mit Bravur seine Ausbildung abgeschlossen. "Dank der sonderpädagogischen Förderung, der hervorragenden Berufsvorbereitung und der kleinen Klassen", sagt Zerfaß.

Daniel sei ein Beispiel von vielen, die die Förderschule erfolgreich abgeschlossen haben, sagt der Rektor. Die Alfred-Herrhausen-Schule unterrichtet Schüler, die Probleme mit dem Lernen haben oder mit der sozialen Entwicklung. Die Existenz der Düsseldorfer Förderschulen steht momentan zur Diskussion. Sie war diese Woche Thema in mehreren Bezirksausschüssen, beschließen kann allerdings nur der Rat. "Schulorganisatorische Maßnahmen" nennt es die Verwaltung.

Dabei geht es darum, die Vorgaben der Landesregierung zur Inklusion umzusetzen. Konkret heißt das auch: Schließung einiger Förderschulen (der Janusz-Korczak-Schule in Mörsenbroich), oder sie müssen ihre Selbstständigkeit aufgeben. Wie beispielsweise die Peter-Härtling-Schule in Vennhausen oder die Astrid-Lindgren-Schule in Holthausen. Sie sollen vorerst erhalten bleiben, gehören dann aber ab dem kommenden Schuljahr offiziell zur Alfred-Herrhausen-Schule. Für die beiden Schulen bedeutet dies, dass die Lehrer bleiben, es aber keine eigenen Rektoren mehr geben wird.Gleiches gilt für die Erich-Kästner-Schule (Flingern-Nord) und die Jan-Daniel-Georgens-Schule (Oberbilk), die der Jan-Wellem-Schule an der Franklinstraße in Pempelfort zugeordnet werden.

"Fest steht", sagt Zerfaß, "dass die Teilstandorte auslaufen." Es sei nur eine Frage der Zeit. So schließen - das steht fest - die Astrid-Lindgren-Schule und Erich-Kästner-Schule zum Schuljahresende 2017. Der Sonderpädagoge betont, dass es für die Schüler wichtig sei, ihren Abschluss in gewohnter Atmosphäre zu machen.

Die übrigen Dependancen sollen so lange erhalten bleiben, "wie dies organisatorisch und pädagogisch sinnvoll ist", heißt es relativ schwammig in der Vorlage. In der Bezirksvertretung (BV) 3, zuständig für Oberbilk, baten die Bezirksvertreter darum, dass ihre Förderschule, die Jan-Daniel-Georgens-Schule, künftig weitgehend eigenständig pädagogisch handeln solle.

In der BV 9, wo die Schließung der Astrid-Lindgren-Schule ansteht, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Gabi Wegner: "Unser Bestreben ist es, die Standorte solange wie möglich zu erhalten, weil die Inklusion in den Regelschulen nicht so gut läuft." Nicht, dass es in zwei Jahren wieder eine Rolle rückwärts gebe und der Ruf nach neuen Förderschulen laut werde, fügte sie hinzu.

In Garath wollte die CDU-Fraktion der Vorlage zuerst gar nicht zustimmen, weil sie weiterhin für ein gegliedertes Schulsystem mit freier Schulwahl ist. Sie ließ sich aber umstimmen, als deutlich wurde, dass sonst alle Förderschulen bis auf die Alfred-Herrhausen-Schule geschlossen würden.

Sollte der Rat der Vorlage nicht zustimmen, bestünde nach Auffassung von Peter Zerfaß die Gefahr, dass dann die Mindestgröße greife. Davon wären sechs der sieben Förderschulen betroffen. Denn mit Ausnahme der Alfred-Herrhausen-Schule, die momentan mehr als 200 Schüler besuchen, kommt keine an die Mindestgröße von 144 heran.

Peter Zerfaß hofft, dass der Rat der Vorlage zustimmt. Für ihn bedeutet das zwar mehr Verantwortung, mehr Schüler, mehr Klassen und mehr Arbeit. "Aber das mache ich gern", sagt er.

Quelle: RP
 
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