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Düsseldorf
Mehr Licht gegen das Dunkelfeld

Düsseldorf: Mehr Licht gegen das Dunkelfeld
Die Freitreppe in der Altweiber-Nacht: zugemüllt zwar, aber übersichtlich. Die Polizei hatte den nächtlichen Angstraum im Karneval ausgeleuchtet. FOTO: Reichwein
Düsseldorf. Nie hat die Sicherheit des Straßenkarnevals so im Fokus gestanden wie in diesem Jahr. Das führte zu neuen Maßnahmen - und zu Erkenntnissen, die nicht nur die Polizei betreffen. Von Stefani Geilhausen

Nach den Übergriffen in der Silvesternacht war skeptisch auf die Tage geschaut worden, in denen das Rheinland im Ausnahmezustand ist. Nicht einmal die latente Terrorgefahr nach dem Attentat auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo, der im vorigen Jahr in Braunschweig ein ganzer Karnevalsumzug zum Opfer gefallen war, hatte derart viele Diskussionen und Sicherheitsmaßnahmen nach sich gezogen. Mit Folgen.

2400 Polizisten waren über die tollen Tage im Dienst. Deutlich mehr als sonst, was auch dazu führte, dass wesentlich mehr Taten entdeckt wurden. Das führt übrigens auch zu Ermittlungsverfahren, in denen die Polizei Tatverdächtige und Zeugen bereits kennt, das Opfer sich aber nicht gemeldet hat. Es gab wenig Kritik, dafür viel Lob sogar per Email an den Einsatzleiter: Selten habe sie sich so sicher in der Altstadt gefühlt, schrieb eine junge Frau. Und erst am Wochenende schalteten in dieser Zeitung Frauen eine Dankeschön-Annonce an die Polizei. Die wenig überraschende Erkenntnis: Mehr Beamte auf der Straße schaffen mehr Sicherheitsgefühl, vor allem dann, wenn sie nicht nur Präsenz zeigen, sondern auch durchgreifen.

Das hat gut funktioniert, vor allem zu vorgerückter Stunde, als insbesondere in den Wochenend-Nächten hunderte junge Männer sich auf dem Burgplatz versammelte. Der ist bei Straftätern aus zweierlei Gründen beliebt: Erstens lieben es viele Altstadtgäste, mehr oder minder betrunken auf der Freitreppe auszuruhen - dann sind sie sehr leicht zu bestehlen. Und zweitens ist der dunkle Platz mit seiner in den Boden eingelassenen Beleuchtung für den Schlossturm ein guter Ort, um sich unsichtbar zu machen. Dagegen hat die Polizei im Karneval ein simples Mittel eingesetzt: einen Lichtmast. Die Freitreppe war selbst von Oberkassel aus gut einzusehen, Rückzugsorte für Täter hat es zumindest dort nicht gegeben.

Weitere Erkenntnis: Helligkeit bringt Sicherheit. Damit der Lichtmast samt lautem Generator nicht jedes Wochenende angekarrt werden muss, könnte die Stadt hier schnell Abhilfe schaffen und eine leistungsstarke Lichtanlage installieren, die die Polizei bei Bedarf einschalten kann - gewissermaßen das Putzlicht für die dunklen Ecken.

Auffallend hoch war in diesem Jahr die Zahl der Menschen, die für ihren Alkoholkonsum deutlich zu jung waren. So viele Kinder und Jugendliche wie noch nie spürten die Folgen sehr drastisch: 189 Minderjährige mussten wegen übermäßigen Alkoholgenusses vom Rettungsdienst behandelt werden. Hätte der Rosenmontagszug stattgefunden, wäre die Zahl mutmaßlich deutlich höher ausgefallen.

Allein an Altweiber waren es mit 74 fast doppelt so viele jugendliche Schnapsleichen wie im Vorjahr. Den Jugendschutzkontrollen waren an diesem Tag nur zwölf Minderjährige mit Alkohol und Zigaretten aufgefallen. Weil die städtischen Kontrolleure nicht auch in den Nächten unterwegs sind, muss sich dann auch um die Minderjährigen die Polizei kümmern. Das ist zeitintensiv, bindet Personal, das für die Strafverfolgung dann nicht zur Verfügung steht. Auch hier ist die Stadt gefragt, die die Jugendschutz-Kontrollen besser organisieren muss.

Die zusätzliche Polizeiwache am Burgplatz war dazu gedacht, Anzeigen von Kriminalitätsopfern aufzunehmen. Das ist wenig genutzt worden, die meisten Anzeigen wurden in der Altstadtwache erstattet. Besser wäre gewesen, in der Burgplatzwache auch die Möglichkeit von Personenüberprüfungen, etwa durch Fingerabdruckscanner, zu schaffen. Das spart Wege und damit Zeit und Ressourcen. Mit dieser Ergänzung sollte die Zusatzwache bei künftigen Großveranstaltungen unbedingt zum Konzept der sicheren Altstadt gehören.

Ob die zusätzlichen Videokameras sich als sinnvoll erwiesen haben, muss die abschließende Auswertung ergeben. Fakt ist, dass die Bilder jeder Live-Kamera auch beobachtet werden müssen, um schnell reagieren zu können. Dafür ist in den jetzigen Räumen der Altstadtwache der Platz begrenzt - eine Entscheidung in der seit geraumer Zeit schwebenden Immobilienfrage ist auch deshalb dringend nötig.

Bliebe noch der Frauen-Security-Point, der - glücklicherweise - nicht aktiv werden musste. Sicher lässt sich darüber diskutieren, ihn auch künftig bei Großveranstaltungen wieder bereitzuhalten. Vielleicht ist es aber auch an der Zeit, zur Normalität zurückzufinden.

Quelle: RP
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