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Rauchfreies Düsseldorf
Mehr Prävention, keine Verbots-Keule

Rauchfreies Düsseldorf: Mehr Prävention, keine Verbots-Keule
Der Nichtraucherschutz wurde immer wieder verschärft. Manche Gastronomen nahmen das mit Humor, hier ein Zigarettenautomat in der Hausbrauerei Uerige. FOTO: Andreas Endermann
Meinung | Düsseldorf. Düsseldorf möchte sich als Gesundheitsstadt profilieren und dem Rauchen den Kampf ansagen. Ein Konzept soll her. Gute Idee! Doch Raucher komplett aus der Öffentlichkeit verbannen, das geht zu weit. Von Marcel Romahn

Etwa vier Jahre ist es her, dass Raucher landesweit vor die Tür gesetzt wurden. In Kneipen, Clubs und Bars durfte plötzlich nicht mehr geraucht werden. Ein Gesetz, das Gastronomen mit Sorge um ihre Umsätze und viele Kneipengänger mit verzogener Miene ertragen mussten. Inzwischen haben alle Beteiligten das Verbot einigermaßen verdaut. Man gewöhnt sich an alles. In der Altstadt bevölkern die Raucher nun die Straßen.

Nun denkt Düsseldorfs Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke laut über den nächsten Streich nach. Auf der Gesundheitskonferenz, die im Dezember stattfindet, möchte er das Projekt "Road Map Nichtrauchen" vorantreiben. Denn seine Stadt ist seit April offiziell neben Dresden die einzige deutsche "Healthy City" (Gesundheitsstadt) der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Zweifellos ist dieser Titel ein Aushängeschild für die Landeshauptstadt. Doch die "Road Map" sieht weit mehr vor als Aufklärungskampagnen für junge Menschen und das Verbot von Tabakwerbung auf den Straßen. Raucher sollen nicht nur aus geschlossenen Räumen, sondern auch von öffentlichen Plätzen wie Parks oder Freibäder verbannt werden – ein absolutes Rauchverbot, drinnen und draußen.

Auch wenn die Zahl der Raucher in Düsseldorf stark rückläufig ist – in einer Umfrage gaben 79 Prozent der Bürger an, nicht oder nicht mehr zu rauchen – gibt es in dieser Stadt immer noch viele Menschen, die mit Genuss und in vollem Bewusstsein um die Konsequenzen zur Zigarette greifen.

"Entscheidend ist, dass junge Menschen gar nicht erst anfangen", sagt Meyer-Falcke, der auch an Schulen verstärkt Präventionsprogramme schaffen möchte. Doch mit diesem Vorhaben würde er nicht nur den Nachwuchs vor einer potentiell tödlichen Droge schützen. Er diskriminiert auch Erwachsene, deren gutes Recht es ist, das Rauchen partout nicht aufgeben zu wollen.

Diese Haltung gilt es zu respektieren. Die Stadt sollte zumindest erwachsene Raucher ihrer eigenen Urteilskraft überlassen und ihnen nicht mit der Verbots-Keule das Leben schwermachen. Wie Klaus Göbels, Leiter des Gesundheitsamtes, so treffend formulierte: "Bei einem Kettenraucher anzusetzen, der seit 40 Jahren zwei Packungen am Tag qualmt, bringt wenig bis nichts".

Deshalb sollte die Stadt gemeinsam mit Ärzten, Pädagogen und vor allem den Eltern alles daran setzen, junge Menschen vor den Gefahren des Rauchens zu warnen. Dafür muss man jedoch überzeugte Raucher nicht in die dunkle Ecke verjagen.

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