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Serie Radfahren in Düsseldorf
Mehr Respekt, bitte!

Serie Radfahren in Düsseldorf: Mehr Respekt, bitte!
Unerfreulich: Der Radweg an der Kruppstraße endet in Höhe der Oberbilker Allee stadteinwärts an einer Baustelle. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Radfahrer werden im Alltag immer noch zu häufig wie lästiges Beiwerk behandelt. Um das zu ändern, braucht es eine andere Mentalität. Sonst wird das mit der Verkehrswende nichts. Von Arne Lieb

Wer kennt das nicht: Plötzlich steht man mit dem Auto vor einer Baustelle – und kommt nicht weiter. "Straße endet hier", steht auf einem Schild. Daneben steht noch ein Schild: "Bitte zu Fuß weitergehen."

Das kennt niemand. Denn das gibt es nicht. Wer aber mit dem Rad durch Düsseldorf unterwegs ist, stößt regelmäßig auf solche Stellen – und kann sich überlegen, wie es trotzdem weitergeht. Zum Beispiel derzeit auf der Kruppstraße, also auf der auch für den Radverkehr wichtigen Achse über den Lastring. Da steht plötzlich ein Gerüst, und das bedeutet in diesem Fall einfach das jähe Ende des Radwegs. Die zu erwartende Folge ist, dass Radfahrer eben nicht absteigen, wie es das Schild verlangt, sondern sich unter dem Gerüst entlangschlängeln, was zu Konflikten mit Fußgängern führt. Oder, dass sie zwischen parkenden Autos versuchen, auf die Fahrbahn zu kommen und dabei riskieren, von einem Autofahrer übersehen zu werden.

Diese Verkehrszeichen sind für Radfahrer wichtig FOTO: RP

Das könnte man eigentlich verhindern – wenn man die Radfahrer nicht ständig wie lästiges Beiwerk behandeln würde. In diesem Beispiel würde das bedeuten, den Radweg schon frühzeitig an einer geeigneten Stelle vom Bürgersteig auf die Fahrbahn zu führen – und dort vielleicht sogar übergangsweise einen Radstreifen zu markieren. Indem man also einfach so mitdenkt, wie es für den Autoverkehr selbstverständlich ist.

Wohlgemerkt: Die nötigen Auflagen und Empfehlungen gibt es, die Stadtverwaltung hat sogar eine Broschüre dazu im Angebot. "Negative Beispiele wie auf der Kruppstraße entstehen dann, wenn Baufirmen sich nicht an die Auflagen halten", sagt Andrea Blome, die Leiterin des Amts für Verkehrsmanagement. Man arbeite "bereits seit einigen Jahren daran, ein Umdenken herbeizuführen". Spürbar ist das Umdenken noch zu wenig. Die Kruppstraße ist kein besonders schwerer, sondern ein besonders gewöhnlicher Fall. Jeder, der mit dem Rad in der Stadt unterwegs ist, kann andere Beispiele herunterbeten. Da verwandeln sich Radwege ohne Vorwarnung in einen Gehweg, da steht ein Altpapiercontainer mitten auf der Route. Ständig blockieren Falschparker die Radwege. Unter dem Motto: Da stört es nicht. An der Birkenstraße in Flingern wurde vor einigen Jahren ein neuer Radweg gebaut. Seit es ihn gibt, blockiert ein Gerüst die Auffahrt.

Dabei wäre es nicht nur ein schickes Extra, die Bedürfnisse der Radfahrer endlich ernst zu nehmen. Völlig zurecht versucht die Politik, mehr Menschen in Düsseldorf zum Radfahren zu bewegen. Die Straßen sind übervoll, und die Statistik zeigt, dass ein Großteil der Autofahrten auf Strecken mit einer Länge von weniger als drei Kilometer entfällt. Das sind ideale Radstrecken.

Die Bereitschaft der Menschen, auch das zeigen Untersuchungen, ist ebenfalls vorhanden. Die Zeit der ideologischen Konflikte im Straßenverkehr ist (großteils) vorbei. Viele Menschen entscheiden nüchtern, welches Verkehrsmittel gerade das praktischste ist. Das gilt auch für immer mehr Menschen außerhalb der klassischen Fahrrad-Zielgruppen. Zum Beispiel Senioren. Es ist es aber keine gute Werbung für einen Umstieg, wenn man ständig und überall mit Hindernissen und Gefahren rechnen muss, die sich leicht verhindern ließen.

Um das zu ändern, braucht es nicht nur sinnvolle, aber langwierige Großprojekte wie beispielsweise Fernradwege oder ein enges Netz an Radwegen in der Innenstadt. Es braucht eine andere Mentalität im Umgang mit dem Radverkehr – sonst wird das mit der Verkehrswende nichts.

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