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Auf Ein Wort
Mehr Ruhe, bitte!

Düsseldorf. Wer in den letzten Wochen mit Menschen aus der Innenstadt in Düsseldorf geredet hat, der konnte es hören. Allenthalben und in vielerlei Zungen. Die Klage darüber, dass in jedem Monat und an jedem Wochenende der Lärm neue Höchststände erreicht, die Menschenmassen sich durch die Altstadt drängeln und schieben, dass es so gar keine Freude mehr ist.

Eine ziemlich lange Theke zu haben, das ist schon ziemlich lange ein Markenzeichen unserer Stadt. Aber auch die längste Geduld mit der längsten Theke geht einmal zu Ende. Ich bin darauf besonders aufmerksam geworden in einem Gespräch mit einem knapp 50-jährigen Patienten in unserem Krankenhaus. Er empfand sogar die Stille der Nacht und am Wochenende in der Klinik als wohltuend. Und das als "alter Düsseldorfer und leidenschaftlicher Rheinländer", wie er sagte. "Ich gehe gar nicht mehr auf diese immer neuen Events und Veranstaltungen. Aber so langsam gehen mir fast die Ideen aus, was ich stattdessen am Wochenende tun kann", sagte er.

Doch mit diesen Zeiten will ja die neue Landesregierung aufräumen. Die Zahl der möglichen verkaufsoffenen Sonn- und Feiertage pro Stadtteil soll von vier auf acht verdoppelt werden. Die Öffnungszeiten werden an Samstagen nicht mehr begrenzt sein (sechs Mal 24 Stunden). Und: Innerhalb einer Gemeinde dürfen künftig 16 statt bislang elf Sonntage freigegeben werden. Verkauft wird das Ganze als Unterstützung des örtlichen (Einzel)- Handels. Wie das zu dem Wunsch nach mehr Ruhe passt, kann ich mir nicht recht erklären. Und ich erinnere mich an die Auseinandersetzungen vor etwas mehr als zehn Jahren, als es auch um den Sonntag und seine Ruhe ging. Da war eine heftige Unruhe aufseiten der Gewerkschaften und der Kirchen zu hören und zu spüren. Dass Gott am siebten Tage der Schöpfung ruht, hat eben nicht mit der Erschöpfung Gottes zu tun. Sondern es ist nach biblischem Verständnis Teil seines Tuns, sich auszuruhen und der Schöpfung diesen Tag zu schenken. 24/6 statt 24/7.

Der Patient Düsseldorf sollte sich das gesagt seinlassen. Ganz ohne Wellness-Fantasien und Gesundheitsfürsorge. Wir brauchen Zeiten der Ruhe und des Luftholens. Platz für die Seele und Platz, um miteinander zu sprechen. Übrigens auch in der Politik. Schließlich ist manchen noch bewusst, an welchem Tag die Politiker und in aller Welt miteinander die ersten Maßnahmen gegen die Finanzkrise besprechen konnten, weil sie alle etwas Luft hatten. Es war ein Sonntag.

Quelle: RP
 
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