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Düsseldorf
Meister am Rande

Düsseldorf: Meister am Rande
Michael Kampermann und Falk Nußbaum (v.l.) am Kicker: Als Schüler sind die beiden im Tischfußball gegeneinander angetreten. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Gleich zwei kuriose Wettbewerbe wurden am Wochenende in der Landeshauptstadt ausgetragen: die Düsseldorfer Meisterschaft im Tischfußball und die Tandem-Meisterschaft im Skat. Einblick in die Welten zweier Sportarten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Von Laura Ihme und Paul Nachtwey

Wenn Falk Nußbaum und Michael Kampermann über ihre ersten Erfahrungen mit dem Tischfußball sprechen, dauert es nicht lange, bis sie über den Tisch philosophieren, an dem sie das Kickern lernten: Schon in der fünften Klasse rannte Nußbaum nach dem Gong in den Raum der Schülervertretung, um dort in der Pause gegen die älteren Schüler zu kickern. Der Ball war damals glatt, die 22 Figuren hatten Segelohren, erinnert sich der Düsseldorfer und folgert: "Das muss ein Tisch vom Typ 'Leonhart Turniersieger' gewesen sein." Der Klassiker also.

Heute spielen die beiden Vereinsfreunde bei der 4. Düsseldorfer Stadtmeisterschaft im Tischfußball mit. Falk Nußbaum muss seine Stimme ein wenig anheben, um das Klackern und Rollen der dutzenden Bälle zu übertönen. 200 Menschen sind der Einladung des Tischfußballclubs Düsseldorf (TFC Düsseldorf) ins Zakk gefolgt und spielen um Punkte für die deutsche Rangordnung.

Professionelle Struktur im Tischfußball

Die Teilnehmerplätze sind gänzlich belegt, etliche Teams aus ganz Deutschland sind angereist. Das Spiel um den kleinen Kunststoffball hat sich zu einem echten Sport mit Ligen und Vereinen entwickelt. Statt des Bauchgefühls der Kneipenbesucher entscheidet ein internationales Regelwerk, das Patina alter Kickertische weicht perfekt entwickelten Geräten.

"Die Mitgliederzahlen in den Verbänden steigen stetig. Es gründen sich immer mehr Vereine und Mannschaften", sagt Jens Uhlemann, Präsident des nordrhein-westfälischen Tischfußballverbandes. Die professionelle Vereinsstruktur in Deutschland sei weltweit einzigartig, so dass mittlerweile auch viele Spieler aus dem Ausland zu Turnieren kämen.

An den Tischen stehen Spieler in jedem Alter, viele haben Trikots ihrer Vereine an. Schnell erkennt man: Wer extra für ein solches Turnier anreist, der möchte auch gewinnen. Konzentriert blicken die Spieler auf das Feld und halten die Figuren mit den Stangen immer in Bewegung. Gespielt werden drei Sätze, jeweils bis fünf Tore. Jeder Handgriff, jede Bewegung scheint durchdacht, mit enormem Tempo passen sich die Spieler den Ball durch die Reihen.

"Du darfst nur an den Ball denken"

Der Sport habe einen hohen Wettbewerbsfaktor, sagt Nußbaum. "Du stehst deinem Gegner direkt gegenüber und musst dich schnell auf ihn einrichten. Eine konkrete Taktik kristallisiert sich oft erst während des Spiels raus, wenn man weiß, wie der Gegner tickt." Um die Schwächen des Gegners zu finden und auszunutzen, sei es wichtig, vollkommen konzentriert zu sein, erklärt Michael Kampermann: "Du darfst nur an den Ball denken und musst alles andere im Kopf abschalten!" Der Sport mache ihm so viel Spaß, dass er regelmäßig zu Turnieren außerhalb Düsseldorfs fahre, dort sogar gegen die deutschen Meister spiele.

Alexander Di Bello ist einer von ihnen. Er steht auf Platz 3 der Weltrangliste, in diesem Frühjahr hat er in der Nationalmannschaft bei der WM gespielt. Der 25-Jährige hat wie die meisten in der Kneipe mit dem Kickern angefangen. Schnell habe er den Ehrgeiz entwickelt immer besser zu werden. "In den ersten Jahren habe ich jeden Tag trainiert. Nach einer Zeit dachte ich, ich könnte schon spielen, bei den Turnieren habe ich aber voll auf die Mütze bekommen", erinnert er sich.

Weil er schnell Freunde unter den Spielern gefunden habe, wollte er trotzdem weitermachen und trainierte noch mehr. "Tischfußball ist wie Schach", erklärt di Bello, "ein reines Kopfspiel." Bei der WM seien die Teilnehmer alle gleich gut. "Spielerisch tut sich da nicht mehr viel. Da entscheidet sich alles im Kopf."

Sie schenken sich nichts - scherzen aber trotzdem miteinander: die Skatspieler Helmut Schulte, Hansi Eder, Roland Büten und Oliver Güthe (v.l.). FOTO: Hans-Juergen Bauer

Skat im Team bei der Tandem-Meisterschaft

Es geht Schlag auf Schlag am Tisch von Roland Büten und seinen Gegnern. Karten werden gemischt, verteilt, gespielt. Im Minutentakt. 48 Runden gilt es, innerhalb von zwei Stunden zu spielen. Es ist die sechste Partie dieser Art an dem Wochenende für die Skatspieler. In den letzten Runden wird sich nun entscheiden, wer die Tandem-Meisterschaft gewinnt. "Es ist fast unmöglich, Platz 1 noch aufzuholen, die Spieler dort haben gerade 17.000 Punkte Vorsprung", sagt Büten. Aber Platz 2, der wäre noch drin. "Das sind bloß 500 Punkte. Das können wir schaffen."

Roland Büten ist aus Erkelenz zur Tandem-Meisterschaft des Deutschen Skatverbandes nach Düsseldorf ins Maritim-Hotel gekommen. Wie der Name "Tandem" vermuten lässt, treten die Spieler dabei nicht alleine, sondern im Team an. Sie spielen allerdings nicht zusammen, sondern an verschiedenen Tischen um die Punkte, die dann addiert werden. Büten und seine Gegner am Tisch belegen mit ihren Partnern gerade die Plätze fünf bis acht. Jeder von ihnen will möglichst viele Spiele in der letzten Runde für sich entscheiden - schließlich können sie bis zu 1000 Euro gewinnen.

Rauchen und trinken - Skat und sein Imageproblem

"Aber um das Preisgeld geht es mir nicht, ich bin hier, weil mir das Spaß macht", sagt Helmut Schulte, der ebenfalls mit am Tisch sitzt. "Geht mir auch so, das ist mein Hobby - obwohl ich in der Bundesliga spiele", sagt Oliver Güthe aus Remscheid. Obwohl die Männer (abwechselnd spielen immer drei von ihnen, der Vierte gibt die Karten) sich im Spiel nichts schenken, haben sie immer einen Witz auf den Lippen, ziehen sich gegenseitig auf, sehen den Zug des anderen voraus, fachsimpeln.

Skat auf Vereinsebene, das ist ihnen wichtig zu betonen, hat wenig mit dem Klischee der rauchenden und trinkenden Kartenspieler in der Kneipe zu tun. Im Gegenteil: Rauchen und Trinken auf Wettbewerben ist verpönt. "Es gibt Turniere, wo man gratis trinken kann. Da fahre ich nicht mehr hin", sagt Roland Büten. Dass Tischnachbar und Gegner Oliver Güthe sich trotzdem ein Bier genehmigt, nimmt er hin - ist aber sicher, dass dessen schlechter Lauf mit dem Bier zu tun hat.

Skat hat in der Tat ein Imageproblem. Nur alte Menschen spielen es, so lauten Vorurteile, vornehmlich alte Männer, die dann - wie eben erwähnt - dabei rauchen und trinken. Das hört Peter Tripmaker, Präsident des Deutschen Skatverbandes, gar nicht gern. "Jedes Jahr bilden wir bis zu 1500 Schüler im Skatspielen aus, betreuen AGs in Schulen in ganz Deutschland", erzählt er. Sie lernten dann Konzentration - und Kopfrechnen. "Wenn man Schüler heutzutage fragt, was drei mal neun ergibt, kommen viele ins Schleudern. Ein Skatspieler wird das ohne zu zögern beantworten können."

20.000 Mitglieder im deutschen Verband

Natürlich konkurriere man gerade bei den jungen Leuten mit Sportarten wie Fußball. Aber selbst wer mit dem Skat aufhöre, komme irgendwann zurück, sagt Tripmaker. Allerdings: Die Mehrzahl der Spieler ist schon älter, das zeigt auch der Blick in die Menge der 298 Duos, die im Maritim antreten. Und auch mehr Frauen könnten es sein: 15 Prozent der mehr als 20.000 Mitglieder im Deutschen Skatverband sind weiblich, schätzt der Präsident.

Für ihn, der selbst leidenschaftlich gerne Skat spielt, gibt es keine bessere Sportart. "Man muss konzentriert bleiben bei so einem Turnier, und das über Tage. Trotzdem ist es gesellig, man fachsimpelt zusammen, hat Spaß", sagt er und liegt mit Büten und Kollegen damit voll auf einer Linie. Büten hat derweil sein Ziel knapp verfehlt und es lediglich auf Platz 4 geschafft. Spaß gemacht hat es ihm trotzdem.

Quelle: RP
 
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