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Gastbeitrag von Rheinbahn-Vorstand Michael Clausecker
"2030 gibt's selbstfahrende Busse"

Michael Clausecker (Rheinbahn): "2030 gibt's selbstfahrende Busse"
Ein Hybridbus der Rheinbahn, der heute schon teilweise elektrisch unterwegs ist. "2030 wird der elektrische Antrieb auch für unsere anderen Busse ganz normal sein", glaubt Rheinbahn-Chef Michael Clausecker. FOTO: Rheinbahn
Düsseldorf. Der Vorstandsvorsitzende der Rheinbahn nennt zahlreiche Maßnahmen, die zum Gelingen der Verkehrswende beitragen können. Die Digitalisierung spielt eine wichtige Rolle.

Düsseldorf ist eine der sich ganz besonders dynamisch entwickelnden Großstädte Deutschlands. Hier entstehen jeden Tag neue Jobs, es werden kräftig Büros und Wohnungen gebaut, die Hochschulen wachsen, Familien bekommen Kinder und können sich auf ein sehr gutes Bildungsangebot verlassen. Hier kann man erstklassig ausgehen. Essen, Trinken, Kunst, Kultur, Sport und Events jeder Art findet man in Düsseldorf in hoher Dichte auf engstem Raum.

Michael Clausecker ist seit Januar 2016 Vorstandssprecher der Rheinbahn. Er ist für die Bereiche Fahrzeuge, Infrastruktur, Controlling, Finanzen und Einkauf, Marketing und Vertrieb sowie Recht und Versicherungen zuständig. Von 2011 bis 2014 war er Vorsitzender der Geschäftsführung beim Fahrzeughersteller Bombardier Deutschland. FOTO: Andreas Endermann

Ein Schlüssel, um dieses tolle städtische Angebot für immer mehr Menschen weiter zu entwickeln und dabei die Lebens-, Luft- und Aufenthaltsqualität in der Stadt weiter zu verbessern, ist ein leistungsfähiges Mobilitätsangebot. Nur zehn Prozent mehr Jobs und Einwohner ergeben zusammen mit der ohnehin wachsenden Mobilität jedes Einzelnen bis 2030 mindestens 20 Prozent mehr Verkehr. Diese werden beim heutigen Modal Split überwiegend mit dem Auto gefahren werden. Wozu das führt, kann sich jeder ausmalen: Ständig verstopfte Straßen, mehr Verkehrsunfälle und insgesamt eine deutlich geringere Attraktivität des städtischen Lebens.

Eine Verkehrswende für Düsseldorf, also stärkeres Wachstum von ÖPNV, Fahrrad und zu Fuß gegenüber dem Autoverkehr, ist also mehr als eine politische Option. Es ist ein "Muss" für zielgerichtete Stadtentwicklung. Nur - was kann die Rheinbahn dafür leisten?

Wir Rheinbahner haben ein ganzes Bündel konkreter Maßnahmen gestartet, um mehr Menschen für den ÖPNV zu gewinnen. So sprechen wir vor allem drei Zielgruppen verstärkt an: Erstens die rund 300.000 täglichen Ein- und Auspendler, die heute zu 79 Prozent mit dem Auto fahren. Zweitens die Radfahrer, die heute unter lückenhaften Radwegen und dem Mangel an sicheren Abstellanlagen leiden. Und Drittens wollen wir für alle Menschen, die gerne mit uns fahren, das Angebot dichter, direkter und zuverlässiger machen.

Wie das geht? Für Pendler digitalisieren und bewirtschaften wir unsere P+R-Parkplätze - so bieten wir zukünftig in unserer App den Fahrzeitvergleich zwischen ÖPNV und Auto mit P+R sowie das Routing für ihre Fahrt zum P+R-Platz, Infos zur Verfügbarkeit von freien Parkplätzen in Echtzeit sowie zum Anschluss mit der Rheinbahn.

Für Radfahrer bauen wir noch in diesem Jahr zehn sichere Abstellanlagen. Offene Anlagen, beleuchtet und mit einer Videokamera gesichert und geschlossene Anlagen, in denen auch hochwertige Räder und Pedelecs sicher geparkt werden können.

Unser Verkehrsangebot bauen wir nach den Sommerferien mit unseren neuen Metrobussen und einem deutlich dichteren Abendtakt auf allen Stadtbahnlinien kräftig aus. Zusammen mit dem komfortableren und moderneren Interieur unserer neuen Busse und erneuerten Bahnen werden wir damit für deutlich mehr Menschen attraktiver.

Als Nächstes erneuern wir unser Nachtverkehrsangebot: Ich gehe davon aus, dass Mobilität zukünftig für immer mehr Menschen rund um die Uhr zur Verfügung stehen muss - sichergestellt durch die Rheinbahn. Im ständigen Dialog mit der Stadt arbeiten wir kontinuierlich an weiteren Verbesserungen unseres Angebots, die wir Jahr für Jahr auf sich verändernde Bedürfnisse überprüfen und an die wachsende Nachfrage dynamisch anpassen. Dabei helfen uns ganz besonders neue, digitale Werkzeuge, mit denen wir immer besser und schneller verstehen, wo, wann und mit welchen Verkehrsmitteln die Menschen in der Stadt unterwegs sind.

Gleichzeitig wird der Dialog mit unseren Kunden jeden Tag intensiver - vor allem über die Rheinbahn App. Sie ist schon heute eine der erfolgreichsten ÖPNV-Apps in Deutschland mit mehr als 100.000 aktiven Kunden, die aktuell jedes zehnte Ticket dort Wege kaufen. Ich bin zuversichtlich, dass 2030 unser gesamtes Ticketing, also Abos, Monatskarten, Einzelfahrten ebenso wie ganz neue Angebotsformen, auf dem Handy stattfinden.

Schon heute fahren alle unsere Bahnen rein elektrisch angetrieben - 2030 wird der elektrische Antrieb auch für unsere Busse ganz normal sein. Wohn- oder Gewerbegebiete können wir bis dahin mit kleinen, selbstfahrenden Shuttlebussen sicher, effizient und leistungsfähig erschließen. Schon heute sind eine ganze Reihe von "neuen" Mobilitätsangeboten, wie Carsharing, Leihräder und -roller Teil des Stadtbildes. Morgen wird das Angebot noch Vielfältiger sein. Die Rheinbahn wird diese Angebote im Interesse ihrer Kunden miteinander verbinden, gemeinsame Buchungs- und Bezahlsysteme schaffen und ihnen somit vielfältige, wirklich individuelle Mobilität auf einfache Weise zugänglich machen.

Mit unseren eigenen Maßnahmen für mehr ÖPNV und kontinuierlich steigenden Investitionen der Stadt in Radwege kann Düsseldorf die Verkehrswende schaffen. Damit steigern wir Jahr für Jahr die Lebens-, Luft- und Aufenthaltsqualität in der Stadt.

Kann die Stadt diese Entwicklung beschleunigen? Singapur, London, Stockholm und Göteborg haben sich dafür entschieden, mit einer Citymaut Autofahrer an den tatsächlichen Kosten ihres Verkehrsmittels zu beteiligen. In der Folge sank alleine in London die Zahl der Autos um ein Viertel - zugunsten von ÖPNV und Fahrrad. Wien hat es anders herum versucht und ÖPNV auf einen Euro pro Tag im Abonnement verbilligt. Dort stieg die Zahl der Abonnenten vor allem zu Lasten von teuren Einzel- und Zeitkarten, die Fahrgastzahlen nahmen geringfügig zu und die städtischen Zuschüsse mussten dauerhaft kräftig angehoben werden. Kopenhagen, Europas Top-Fahrradstadt, hat vor allem drei Dinge für mehr ÖPNV und Fahrrad getan: Die Zahl der Parkplätze in der Innenstadt jedes Jahr verkleinert und ÖPNV sowie Fahrradwege massiv ausgebaut. Mit weltweit anerkanntem Erfolg für die Qualität des städtischen Lebens.

2030 ist also keine Vision, sondern eine gar nicht so weit entfernte Wirklichkeit, die wir schon heute aktiv gestalten. Über das Tempo der Entwicklung entscheidet die Politik - die Rheinbahn leistet ihren Beitrag um Mobilität für die Menschen in und um Düsseldorf jeden Tag attraktiver und individueller zu machen.

Quelle: RP
 
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