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Düsseldorf
Miese Masche mit Luxuswohnungen

Düsseldorf: Soviel kosten Häuser und Wohnungen
Düsseldorf: Soviel kosten Häuser und Wohnungen FOTO: Werner Gabriel
Düsseldorf. Betrüger stellen verlockende Angebote aus den gehobenen Stadtteilen Düsseldorfs ins Netz und versuchen, potenzielle Mieter abzuzocken: Eine Wohnung in Oberkassel sollte 700 Euro kosten. Eine Maklerin, die sie vermarktet, fiel aus allen Wolken. Die Miete beträgt das Dreifache. Von Jutta Laege

Verheißungsvoll klang die Anzeige im Internet: "Wunderschöne Altbauwohnung in direkter Rheinlage". Fünf Fotos, darauf ansprechend-moderne Wohnungseinrichtung, unterstrichen das Angebot wirkungsvoll. Christina Sailer (Name von der Redaktion geändert) reagierte sofort, schickte dem Anbieter eine E-Mail und konnte ihr Glück kaum fassen, als der prompt reagierte, sein Interesse an ihr als Mieterin bekundete und ihr die genaue Adresse durchgab: Kaiser-Wilhelm-Ring 36, 1. Etage. "Ich habe mich riesig gefreut, sah mich schon jeden Morgen am Rhein joggen", erzählt sie.

Dass die Miete für die Luxus-Wohnung in einer der schönsten Jugendstilvillen am Rhein nur 700 Euro betragen sollte, wunderte sie zwar ein bisschen, aber das Gefühl, ein echtes Schnäppchen machen zu können, war stärker. Stutzig wurde sie erst, als der Vermieter ihr in seiner nächsten E-Mail ausführlich schilderte, wer er sei und wie sie an seine Wohnung komme. Er selbst habe vier Jahre in Düsseldorf-Oberkassel gelebt und für ein deutsches Pharmazie-Unternehmen gearbeitet.

Auf den Boden der Tatsachen

Er lege sehr viel Wert auf "nette, gepflegte" Mieter, weil er sehr viel Geld und Arbeit in die Wohnung investiert habe. Da er inzwischen wieder in seiner Heimatstadt Liverpool lebe, würde er vorschlagen, dass Christina Sailer eine Kaution von einer Monatsmiete auf ein Treuhandkonto überweise, er ihr im Gegenzug den Schlüssel für die Wohnung schicke und sie dann zwei Wochen Zeit habe, sich das Objekt anzuschauen und sich zu entscheiden.

"Das hatte ich noch nie gehört", wunderte sich die Interessentin und holte sich Rat bei ihrer Familie und bei Freunden. Die brachten sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. "Da stimmt was nicht. In Oberkassel in bester Lage gibt es keine Wohnung für 700 Euro", warnten sie und bewahrten die Düsseldorferin vor größerem Schaden.

Tatsächlich wäre die junge Frau einem Betrüger auf den Leim gegangen, wie unsere Recherchen ergaben. Pikant: Die angebotene Wohnung am Kaiser-Wilhelm-Ring gab es wirklich – sie kostet 2100 Euro Miete im Monat. Immobilienmaklerin Susanne Hoffmann hatte sie in ihrem Angebot und fiel aus allen Wolken, als sie von dem versuchten Betrug erfuhr. "Der Betrüger muss sich meine Wohnungsdaten aus dem Internet geladen haben."

Nicht der erste Fall in diesen Wochen in den gehobeneren Vierteln von Düsseldorf. "Vor einigen Wochen gab es so etwas auch an der Oberkasseler-, Wildenbruchstraße", erzählt die Maklerin. "Nachbarn haben mir berichtet, dass die potenziellen Mieter, die Kontakt mit einem angeblichen Vermieter aus London aufgenommen hatten, schon vor der Türe standen."

Der angebliche Liverpooler Vermieter namens Jeremy Johanson reagierte auf Christina Sailers Nachfrage nicht mehr. Und auch ein gewisser David Cunningham, der ebenfalls in der letzten Woche eine Wohnung in "Toplage" in Düsseltal für 725 Euro anbot, hatte wohl dieselbe Masche im Sinn. Er wurde vorsorglich vom Portalbetreiber Immobilienscout24 aus dem Netz genommen, die Interessentin vor einem möglichen Betrug gewarnt.

Anzeige gegen Unbekannt

Immobilienscout-Sprecher Marcus Drost: "Seit vorigem Jahr gibt es diese Betrugsfälle. Sie tauchen immer wieder vor allem in Metropolen auf, in denen Wohnraum knapp ist oder es besondere Luxuslagen gibt, an die man normalerweise nicht rankommt. Die Betrüger haben falsche Identitäten und bedienen sich aus Anzeigen im Internet oder Zeitungen." Immobilienbscout24 hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Auch die Verbraucherzentrale bittet bei der Wohnungssuche um besondere Vorsicht. "Vertrauen Sie niemandem, den Sie noch nie gesehen haben! Tätigen Sie keine Zahlungen, vor allem nicht an ausländische Banken, wenn sie keinen Vertrag in Händen haben", warnt Internet-Experte Thomas Bradler.

Quelle: RP
 
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