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Düsseldorf
Vermieter bieten Wohnungen selbst an

Düsseldorf. Die Mietpreisbremse zeigt im Wohnungsmarkt noch keine deutlichen Wirkungen. Da bei der Bestellung des Maklers nun das Bestellerprinzip gilt, verzichten manche Eigentümer auf diese Dienstleistung - und lassen sich schulen. Von Dagmar Haas-Pilwat und Uwe-Jens Ruhnau

Seit dem 1. Juli gilt die Mietpreisbremse. Während sich die Auswirkungen noch in Grenzen halten, fühlen sich vor allem Vermieter verunsichert. "Wer vorhatte, die Miete zu erhöhen, hat dies lieber vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes getan", sagt Ingo Apel, der Geschäftsführer des Vereins Haus und Grund, in dem Immobilieneigentümer organisiert sind.

Das bestätigt auch Hans-Jochem Witzke, der Chef des Mietervereins. Er hat Kenntnis von Ausreißern, die aber hätten korrigiert werden können. "Einige haben über Gebühr erhöht, andere hatten bereits vor weniger als 15 Monaten die Miete hochgesetzt."

Wie funktioniert die Mietpreisbremse? Wenn eine Wohnung frei wird, darf die künftige Miete maximal zehn Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen. Dieses ist im Mietspiegel festgelegt, der in Düsseldorf von Haus und Grund und Mieterverein festgelegt wird.

So steigen die Mieten in den Städten FOTO: dpa, Wolfgang Kumm

Aus der Maklerschaft werden die Mieterhöhungen auf den letzten Drücker bestätigt. "Die Bestandsmieten sind so hoch wie noch nie in Düsseldorf", sagt Makler Christian Deussen (48). Vermieter, die lange nicht oder nur moderat erhöht hätten, seien nun ans Maximum herangegangen. Eine aktuelle Untersuchung von Haus und Grund stützt diese Aussage.

Danach liegt in der Landeshauptstadt die letzte Mieterhöhung im Durchschnitt 2,8 Jahre zurück. Allerdings wurden auch lange Zeit keine Mieten erhöht, die durchschnittliche Dauer beträgt 7,7 Jahre. Und: Im Schnitt liegt die Miethöhe pro Quadratmeter nun 6,5 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete.

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Während der Mieterverein die Mietpreisbremse begrüßt, kommt von den Hausbesitzern viel Kritik. "Das Gesetz ist schlecht gemacht", sagt Apel. Denn der Mieter müsse den Verstoß nachweisen, was vor Gericht aber nur mit einem wissenschaftlich fundierten Mietspiegel gelinge. "Das zeigt sich gerade in Berlin", so Apel, "da ist man mit einem ersten Verfahren gerade vor Gericht gescheitert, jetzt geht es in die zweite Instanz."

Witzke sieht die Beweislast in vielen Fällen ebenfalls auf den Mieterverein zukommen, hält den einfachen Düsseldorfer Mietspiegel aber nach wie vor für ein gutes Instrument. Den gebe es seit 42 Jahren, Fälle von Mietwucher seien mit seiner Hilfe von den Gerichten geahndet worden.

Nun ist die Verunsicherung bei den Vermietern groß, zumal neben der Mietpreisbremse auch noch die Kappungsgrenzenverordnung gilt. Sie legt fest, dass in Düsseldorf bei der Neuvergabe einer Wohnung die Miete nur um 15 Prozent angehoben werden darf. Sie suchen Rat bei Haus und Grund, wo Vermieter Coachings buchen können.

Sie überlegen es sich nun zweimal, ob sie einen Makler einschalten - schließlich gilt das Bestellerprinzip und sie müssen den Vermittler selbst bezahlen. Wie man eine Wohnung richtig anpreist, zeigt jetzt der Verein seinen Mitgliedern.

In den Szenevierteln wie Unterbilk, hier ein Innenhof an der Lorettostraße, erhöhten Vermieter in letzter Zeit die Miete stärker. FOTO: Andreas Endermann

Die Makler gehen davon aus, dass das neue Gesetz nicht nur ihnen schadet. "Bislang lag die Anfrage für frei verfügbare Wohnungen in Düsseldorf bei 2800 im Monat. Inzwischen sind die Anfragen unter 2000 gesunken", sagt Deussen. 40 seiner Kunden wollten sich von ihrem Eigentum trennen oder es selber nutzen, weil sie sich nicht mehr mit dem Thema Vermieten belasten wollten.

Viele Makler würden nun lieber Aufträge von Firmenkunden annehmen, die für ihre Mitarbeiter eine Wohnung suchten, damit sei der Arbeitgeber der Besteller und zahle die Courtage. Zudem würden nun längere Mindestmietzeiten von zwei bis drei Jahren verlangt.

"Die Vermieter wollen nicht innerhalb kurzer Zeit mehrmals Kosten für die Neuvermietung aufwenden müssen." Makler Michael Steudel sieht nicht viele negative Folgen. "Gleichwohl stellen wir aufgrund des niedrigen Zinsniveaus fest, dass unsere Klientel bei einer Mietpreisforderung ab 1000 Euro monatlich eher geneigt ist zu kaufen als zu mieten."

Quelle: RP
 
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