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Düsseldorf
Millionenklage gegen Sozialwerk Arme Brüder

Düsseldorf. Das Sozialwerk verlor bereits 7,2 Millionen Euro durch eine dubiose Anlage. Der Insolvenzverwalter fordert weitere 5,5 Millionen Euro. Von Uwe-Jens Ruhnau

Dem Sozialwerk der Armen Brüder des heiligen Franziskus droht der Verlust weiterer 5,5 Millionen Euro. Das Geld verlangt der Insolvenzverwalter der Future Business KG, die mit der Infinus AG für einen der größten Anlageskandale der letzten Jahre in Deutschland verantwortlich ist. Mehr als 40.000 Kunden verloren bei dem Schneeballsystem rund eine Milliarde Euro. Auch die Armen Brüder, die in Düsseldorf in der Obdachlosenhilfe aktiv sind und Wohnungslosen ein Dach über dem Kopf geben, hatten auf große Gewinne gehofft. Sie legten in Dresden 7,2 Millionen Euro an. Eine Summe, die für Investitionen in die eigenen Immobilien auf dem Sparbuch lag.

Der Verlust des Geldes war für den Orden ein Skandal und produzierte Zerwürfnisse. Als Ende 2013 die Infinus insolvent wurde, kündigte die Hilfsorganisation Fiftyfifty - einst von den Armen Brüdern mitgegründet - die Zusammenarbeit mit der Ordensgemeinschaft auf. Zunächst stand der Vorstand zum Geschäftsführer, Ende vorigen Jahres erfolgte dann doch die Trennung. Im März steht ein Termin vor dem Arbeitsgericht an, zudem könnte es noch um Regressansprüche gehen. Bruder Matthäus, für sein Engagement stadtbekannt, gab den Vorsitz im Vorstand an den Rechtsanwalt Dirk Buttler ab.

Die nun aufgekommene Forderung von Insolvenzverwalter Bruno Kübler bezieht sich auf eine Regelung im Insolvenzrecht. Denn die Armen Brüder hatten nicht gleich 7,2 Millionen Euro angelegt, sondern der Future Business zunächst "nur" 5,5 Millionen Euro im Rahmen eines nachrangigen Kredits zur Verfügung gestellt. Zum Zeitpunkt, als das Geld an die Armen Brüder zurückfloss, war die Anlagefirma jedoch längst pleite - sagt der Insolvenzverwalter. Das Geld hätte deswegen gar nicht an den Orden gezahlt werden dürfen. Da Buttler alle Gläubiger laut Gesetz gleich behandeln muss, sieht er sich verpflichtet, das Geld bei den Armen Brüdern einzutreiben.

Das Landgericht hat den Prozess für den 22. November terminiert. Die Essener Anwälte des Ordens haben eine fast 40-seitige Klageerwiderung eingereicht. Der neue Vorsitzende Dirk Buttler ist zuversichtlich, die Klage zurückweisen zu können oder zumindest ihr nicht gänzlich entsprechen zu müssen. Für ihn geht es auch um die Frage, "welche Kenntnis die Armen Brüder von der Situation bei der Infinus haben konnte oder musste". Wichtig für Buttler: "Die Armen Brüder waren zu keinem Zeitpunkt von Insolvenz bedroht und werden es auch durch das neue Verfahren nicht sein." Allein die Immobilien des Sozialwerks seien 22 Millionen Euro wert.

Parallel hatte der Orden den Berater, der das Anlagegeschäft vermittelt hatte, auf zwölf Millionen Euro verklagt. Am Tag, nachdem die Klage eingereicht wurde, ist der Mann freiwillig aus dem Leben geschieden - er hatte auch im persönlichen Umfeld die Anlage vermittelt.

Der Prozess gegen die fünf Hauptverantwortlichen, die in Saus und Braus lebten, pausiert derzeit. Inzwischen wird auch diskutiert, ob die Infinus-Pleite durch die behördlichen Maßnahmen erst herbeigeführt wurde.

Quelle: RP
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