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Düsseldorf
Millionensegen für Leber-Forscher

Düsseldorf: Millionensegen für Leber-Forscher
Professor Dieter Häussinger und seinem Team ist es unter anderem gelungen, die Funktion einer bestimmtem Leberstammzelle nachzuweisen. FOTO: A. Endermann
Düsseldorf. Düsseldorfer Wissenschaftler-Team zählt weltweit zu den Top-Spezialisten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt eine Förderung von 13 Millionen Euro. Von Ute Rasch

Die Leber ist ein Multitalent. Das wichtigste Organ für den menschlichen Stoffwechsel besteht aus etwa 300 Milliarden Zellen, in denen chemische Prozesse ablaufen - ein Kraftwerk für den Körper. Wenn sie aber krank wird, hat das gravierende Auswirkungen auf andere Organe, selbst auf das Gehirn. Professor Dieter Häussinger, Leiter des Leber- und Infektionszentrums am Uniklinikum, erforscht dieses Organ seit Jahrzehnten und zählt zu den Top-Spezialisten weltweit. Wohl deshalb hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFB) soeben beschlossen, die Arbeit seines Teams für die nächsten vier Jahre mit weiteren 13 Millionen Euro zu fördern.

Früher galt die Leber als Zentrum der Empfindungen, wenn jemand "frei von der Leber wegredete", hieß das, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Heute weiß man, dass Gehirn, Niere, Lunge und Herz nur dann reibungslos funktionieren, wenn die Leber dafür sorgt, dass Nahrung in notwendige Energie umgewandelt wird. Sie entgiftet das Blut, hilft dem Immunsystem bei Infektionen, stellt Vitamine und Mineralstoffe zur Verfügung und liefert wichtige Stoffe für die Blutgerinnung. Und sie kann etwas, das anderen Organen nicht gelingt: Sie kann sich selbst regenerieren. Dieter Häussinger: "Wenn man ein Stück von der Leber entfernt, wachsen die Zellen in ein bis zwei Wochen nach und bilden genau dasselbe Volumen wie vorher. Weshalb aber dieser Mechanismus bei schweren Lebererkrankungen gestört ist, wissen wir nicht."

Bereits im Jahr 2000 bekamen die Düsseldorfer Wissenschaftler einen Sonderforschungsbereich des DFB bewilligt. Dass der über einen Zeitraum von 20 Jahren verlängert, erneuert und mit Millionen ausgestattet wird, gilt in der Fachwelt als einmalig. "Durch unsere intensive Forschung über Jahrzehnte verstehen wir heute viele Prozesse in der Leber deutlich besser als früher", so Häussinger. 2007 gelang seinem Team, die Funktion einer bestimmten Leberstammzelle nachzuweisen. Bisher hatte die Fachwelt angenommen, sie würde Leberzirrhose auslösen, also eine schwere Organschädigung. Die Düsseldorfer aber fanden heraus, dass diese Zelle vielmehr in der Lage ist, neue Leber- und Gallenzellen zu bilden - sie wiesen also ihren Nutzen statt ihre Schädlichkeit nach, "für diese Funktion muss sie nur wieder auf den richtigen Weg gebracht werden."

Insgesamt arbeiten 21 Arbeitsgruppen in dem Sonderforschungsbereich. Sie konnten bisher mehrere Lebererkrankungen entschlüsseln, außerdem gelang der Nachweis, welche Abwehrmechanismen dieses Organ bei Infektionen entwickelt. Aber vor allem versuchen die Wissenschaftler eine Antwort auf eine zentrale Frage zu finden: Durch welchen Mechanismus schädigen chronische Lebererkrankungen das Gehirn? Ein Diagnose-Gerät wurde bereits in der Klinik entwickelt und international vermarktet, dadurch lasse sich die Intensität der Erkrankung genauer feststellen. Bisher könne aber lediglich der Auslöser der Störung, zum Beispiel eine Infektion, behandelt werden. Dieter Häussinger über seine Strategie: "Wir wollen den Defekt im Gehirn direkt behandeln."

Vor allem aber wollen die Wissenschaftler die starke Fähigkeit der Leber, sich selbst zu regenerieren nutzen, um neue Therapien zu entwickeln. Häussinger: "Jeder Teilbereich liefert ein Puzzlestück mehr, um die komplexe Arbeitsweise dieses Organs zu entschlüsseln."

Quelle: RP
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