| 13.07 Uhr

Sozialdienst tritt als Nebenkläger auf
Misshandlung: Weitere Anzeige

Düsseldorf. Der Skandal um die Missbrauchsvorwürfe gegen ehemalige Mitarbeiter der Graf-Recke-Tochter Educon weitet sich aus. Gestern kündigte der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SFM) an, ebenfalls Strafanzeige zu erstatten und in dem Prozess als Nebenkläger aufzutreten. Der Grund: Der SKFM ist der gesetzlich bestellte Vormund eines autistischen Jungen, der am Donnerstag von der Educon in die Psychiatrie verwiesen wurde. Zugleich hatte Educon den Betreuungsvertrag mit dessen Vormund SKFM fristlos gekündigt. Von Gökçen Stenzel

In einer Wohngruppe der Educon in Hilden sollen zwischen 2007 und 2009 mehrere autistische Kinder misshandelt worden sein. Der Staatsanwalt ermittelt gegen 17 Erzieher und Therapeuten, die inzwischen entlassen worden sind, 200 Videos zu den Tathergängen werden ausgewertet. "Für uns ist es erwiesen, dass unser Mündel zu den schwer misshandelten Personen der Gruppe gehörte", sagt Werner Schnittker, Geschäftsführer des SKFM. Nach neuen Erkenntnissen könne er nur noch von "ungeheuerlichen Vorgängen in dem Heim" ausgehen. Schnittker: "Ich bin absolut fassungslos." Ein Insider hatte berichtet, dass es sich bei den Misshandlungen nicht um Einzeltaten, sondern um ein "geschlossenes System" gegen die Kinder gehandelt haben soll, bei dem "offenbar ganze Abteilungen mitgemacht haben müssen". Für den Vormund SKFM steht nun fest, dass der autistische Jugendliche nicht länger in dem Hildener Haus bleiben kann. Er müsse zwar für einen Übergang nochmals kurz dort unterkommen, heißt es. Doch es gebe einen freien Platz in einer anderen Einrichtung, den man schnell annehmen wolle. Bis Montag soll der Jugendliche in der Klinik in Grafenberg bleiben.

Dorthin hatte Educon-Geschäftsführer Jürgen Peters den Autisten überstellen lassen, um ihn medizinisch anders einzustellen. Er sei extrem aggressiv, gefährde sich und andere und sei zuletzt im Februar in der Wohngruppe derartig ausfällig geworden, dass man nicht mehr für die Sicherheit garantieren könne. Schnittker: "Die Ärzte in der Klinik haben uns mitgeteilt, dass der Jugendliche sehr ruhig und unauffällig ist und nicht in die Psychiatrie gehört." Nach Worten der Familie des Jungen haben die behandelnden Ärzte eine neue medizinische Einstellung des 17-Jährigen als unnötig abgelehnt.

Quelle: RP
 
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