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Erzieher quälten autistische Kinder
Misshandlungs-Prozess muss verschoben werden

Düsseldorf. Der Landgerichtsprozess um massive Misshandlungen von autistischen Kindern in einer Educon-Einrichtung steht auf der Kippe. Gegen fünf Ex-Erzieher der Hildener Einrichtung sollte ab Dienstag (21.Juni) wegen Misshandlungen, besonders schwerer Körperverletzung und Freiheitsberaubung verhandelt werden.

Diesen Termin hat das Landgericht am Freitag jedoch abgesagt, weil einer der Richter krank ist. Nach RP-Informationen hat aber auch eine 43-jährige Gruppenleiterin, die hier als Hauptangeklagte gilt, ein Attest eingereicht, wonach sie derzeit weder verhandlungs- noch reisefähig sei. Das will die Strafkammer nun prüfen. Als nächster möglicher Prozesstermin ist bisher der 7. Juli geplant.

Seit 2008 laufen die Ermittlungen gegen insgesamt elf Ex-Mitarbeiter der Hildener Kinder-Einrichtung. Im April 2013 wurde Anklage erhoben, jetzt sollte zumindest gegen fünf der mutmaßlich an den Quälereien beteiligten Erzieher der Prozess starten. Die Leiterin zweier Wohngruppen und vier ihrer Mitarbeiter (darunter der Ehemann der Gruppenleiterin) waren laut Anklage dafür verantwortlich, dass autistische Kinder in ihrer Obhut vielfach gequält worden sein sollen.

Kinder erlitten schwere psychische Beeinträchtigungen

In den Wohngruppen sollte ein Therapiekonzept umgesetzt werden, das eine positive Zuwendung zum Kind mit Geduld und Anerkennung zum Inhalt hatte. Doch als wenig später erste Vorwürfe gegen die Educon-Einrichtung bekannt wurden, waren etliche Kinder angeblich stark abgemagert, sollen Blutergüsse, Prellungen, Schmerzen und teils schwere psychische Beeinträchtigungen erlitten haben.

So sollen die aufgrund ihrer Erkrankung wehrlosen Kinder auf einen Stuhl gesetzt und mitsamt der Sitzgelegenheit umgekippt worden sein. Das Kind musste den Stuhl angeblich direkt wieder aufstellen, sich setzen und die ganze Prozedur erneut über sich ergehen lassen. Das habe sich laut Anklage über Stunden hinweg bis zu 50 Mal wiederholt - bis zur völligen Erschöpfung des Kindes.

Andere Schützlinge der Einrichtung seien tagelang eingesperrt oder gewaltsam fixiert, mindestens drei weiteren Kindern sei täglich das Essen entzogen worden. Ob gegen die restlichen sechs tatverdächtigen Ex-Educon-Erzieher demnächst ebenfalls verhandelt werden wird, ist noch unklar. Sicher ist aber, dass sich der Prozess gegen die fünf aktuell angeklagten Ex-Mitarbeiter wegen der Krankmeldungen nun um mindestens zweieinhalb Wochen verschiebt.

Sollte sich die Erkrankung der Ex-Gruppenleiterin als dauerhaft herausstellen, könnte sich der Verhandlungsstart sogar um mehrere Monate verzögern.

(wuk)
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