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Udo Lindenberg in Düsseldorf
Mit Brille und Hut wird man nicht alt

Udo Lindenberg in Düsseldorf: Mit Brille und Hut wird man nicht alt
"Stärker als die Zeit" heißt die Tour, bei der Udo Lindenberg und sein Panikorchester bis zum 18. Juni 22 Konzerte in 17 Städten spielen. Hier ein Foto vom Konzert in Kiel. FOTO: dpa, chc kno
Düsseldorf. Im ISS Dome hatte Udo Lindenberg vor 11.000 Zuschauern seinen Auftritt. Mit seinem Panikorchester spielte er zweieinhalb Stunden lang ohne Pause. Von Oliver Burwig, Düsseldorf

Der schlaksige Mann in Schwarz tänzelt mit kleinen Schritten und gesenktem Kopf über die Bühne in Richtung Publikum. Knallenge Hosen, eine schwarze Jacke, die nur bis knapp auf den glitzernden Nietengürtel reicht, das Mikro schwingt er am Kabel vor sich hin und her. Dann springen ihm zwei junge Tänzerinnen in hautengen Silberkostümen zur Seite, doch sie schaffen es nicht, Udo Lindenberg so alt aussehen zu lassen, wie er ist. Der 71-Jährige singt, tanzt und gibt zweieinhalb Stunden das laute, glitzernde und verschrobene Rock-Konzert, das die 11.000 Menschen im ISS Dome erwarten.

Mit einem weißen Cello, den er wie eine E-Gitarre hält, hüpft Lindenberg auf dem langen, Catwalk-artigen Bühnenvorsprung herum, während eines der brillanten Gitarrensoli von Hannes Bauer zu hören ist. Statt mit Clueso singt Lindenberg mit Ole Feddersen im Duett das 1973 entstandene Lied "Cello", mit dessen poppiger Coverversion er sich 2011 wieder einem jüngeren Publikum bekannt machte. Das ist in Düsseldorf allerdings offenbar zu Hause geblieben, oder es hat keine der bis zu 250 Euro teuren Karten für das ausgebuchte Konzert bekommen. Die Zuschauer singen selten mit, erst für die letzten paar Lieder raffen sie sich langsam von den Sitzplätzen auf.

Einige engagiertere Fans sind nicht einfach in Zivil oder Lindenberg-Shirts gekommen, sondern haben noch eine Schippe draufgelegt und sich zum Maskottchen gemacht: Mit schwarzem Hut und Sonnenbrille stehen sie in der ersten Reihe, im Vorbeigehen überlässt der echte Lindenberg zum Dank zwei von Ihnen jeweils kurz das Mikro, das er sonst während der Show entweder an seine geschürzten Lippen presst oder sich lässig am Kabel über die Schultern wirft.

Erst nach "Einer muss den Job ja machen", "Ich mach mein Ding" und "Cello" spricht der Mann mit Hut ein wenig mit dem Publikum. Dass er nicht verstehen könne, warum es immer noch Kriege gebe, zum Beispiel. Und dass ihn der "Zockerganove mit dem Finger am Atomknopf" in Washington beunruhige. Vom erst zwei Tage zurückliegenden Terroranschlag in Manchester solle das Publikum sich nicht einschüchtern lassen. Simple Botschaften, schlicht und unprätentiös wie seine Liedtexte.

Wenn nicht der Mensch, sondern der Musiker spricht, beziehungsweise singt, erwachen diese Botschaften allerdings zum Leben. Zehn Kinder singen mit Lindenberg "Wozu sind Kriege da", sie rocken auch bei "Honky Tonky Show" mit, in schwarzen Anzügen und mit Blues-Brothers-Brillen. Lindenberg selbst bleibt seiner Kleidung treu, wechselt die schwarze Jacke nur einmal gegen eine rote, und schließlich gegen einen blauen Frack zu giftgrünen Schuhen. Ebenfalls absurd: Von einem auf einen Wagen montierten Schlauchboot aus verteilen ein halbnackter und ein als Gorilla verkleideter Mann goldenes Glitzerkonfetti mitten im Publikum.

Etwas verloren wirkt Lindenberg in den Augenblicken, in denen er alleine im Rampenlicht mit schlackernden, leicht eingeknickten Beinen herumtänzelt. Das war bestimmt mal cool in den 70ern, denkt man sich dann. Und kurz bevor der verschwitzte Lindenberg von Pagen des Breidenbacher Hotels, in dem er als Jugendlicher einst als Kellner anfing, abgeholt wird, die Erkenntnis: Menschen wie Joe Cocker, Mick Jagger und Udo Lindenberg machen das nicht, weil sie cool wirken müssen, sondern weil sie es sind. Weil es ihre Zeit war, die sich das Publikum damit ganz kurz zurückholt.

 
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