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Düsseldorf
Mit dem Rad zur Arbeit

Düsseldorf: Mit dem Rad zur Arbeit
Alexander Vriens (38) radelt fast jeden Morgen über die Südbrücke. Er wohnt in Dormagen und arbeitet als Lehrer an der Realschule Florastraße. FOTO: H.-J. Bauer
Düsseldorf. Bewegung statt Stau, frische Luft statt Benzin: Drei Pendler erzählen, warum sie gerne mit dem Rad zu ihrem Arbeitsplatz fahren. Für sie ist die Strecke Training und Entspannung zugleich.

Für Christian Frenssen (39) ist die 13 Kilometer lange Fahrt mit dem Fahrrad von seinem Zuhause in Pempelfort bis zu seiner Arbeit in Erkrath vor allem eins: Entspannung. "Ich sitze den ganzen Tag am Rechner, da ist die Bewegung eine schöne Ablenkung", sagt er. Dass diese Fahrt für ihn nicht besonders fordernd ist, hängt damit zusammen, dass er bereits seit rund 15 Jahren mit dem Rad zur Arbeit pendelt. Erst innerhalb von Düsseldorf, seit vier Jahren dann bis nach Erkrath. Mit seinem Gravel-Bike, einer Kreuzung aus Mountain- und Rennrad, benötigt er dafür in der Regel 35 bis 40 Minuten.

Wenn es sein muss oder es nicht anders geht, nimmt Frenssen das Auto. Ein bis zweimal im Monat ist das der Fall. "Wenn ich mit dem Auto fahre, bin ich deutlich unentspannter", sagt er. Während er mit dem Auto vor allem morgens häufiger auch mal im Stau steht, kommt er mit dem Rad ohne Verzögerung voran. "Ich komme einfach zufriedener im Büro an", sagt er. Regen, Kälte oder sogar Schnee machen ihm dank richtiger Kleidung wie Regenhose und Überziehschuhen wenig aus.

Kriminalkommissar Torsten Moresco nutzt fast täglich das Fahrrad, um aus Solingen zu seinem Arbeitsplatz im Polizeipräsidium am Jürgensplatz zu kommen. FOTO: A. Bretz

Gefährliche Situationen habe es in all den Jahren durchaus mal gegeben, verletzt hat er sich allerdings nie. Man müsse als Radfahrer sehr aufmerksam sein, um gefährliche Situationen vorauszuahnen. Er hofft, dass sowohl Autofahrer als auch Radfahrer mit mehr Rücksicht agieren. 

Alexander Vriens (38) muss erst einmal duschen, wenn er morgens an der Florastraße in Unterbilk ankommt. "So verschwitzt kann ich nicht in den Unterricht gehen", sagt der Realschullehrer, der meist mit dem Rad von Dormagen zu seinem Arbeitsplatz nach Düsseldorf fährt. Rund 18 Kilometer sind das - für eine Strecke. 40 Minuten braucht er dafür. In die Pedale tritt er auch im Winter.

Christian Frenssen (39) pendelt von Pempelfort nach Erkrath. Dafür benötigt er 35 bis 40 Minuten. Das Auto nimmt er nur, wenn es unbedingt sein muss. FOTO: H.-J. Bauer

Seine Liebe zum Rad hat er in einer Gegend entdeckt, die dafür wie kaum eine andere geeignet ist. "Ich bin im Kreis Heinsberg groß geworden, da sind die Niederlande nicht weit", sagt er. Damals fuhr er ein klassisches Hollandrad ("Gazelle"), heute ist es ein Speed-Bike mit einem Rennrad-Corpus, "aber mit geradem Lenker", wie der Vater von zwei Kindern betont. Weil er relativ schnell unterwegs ist, fährt Vriens immer mit Sportmontur. Viele seiner Schüler finden das "cool" und betrachten es inzwischen als normal, wenn er morgens in T-Shirt und Sweat-Jacke aus der Turnhalle kommt.

Ist Düsseldorf eine Radfahrerstadt? "Natürlich nicht", sagt der Lehrer, der Geschichte, Englisch und Sport unterrichtet. Aber immerhin sei Licht am Ende des Tunnels erkennbar. "Ein Gedicht" sei der verbreiterte Radweg an der neu gestalteten Friedrichstraße. Leider sei das noch kein Gesamtkonzept. "Meinen Schülern würde ich nicht raten, über die Corneliusstraße oder die Bilker Allee zu radeln."

Mit diesem Polizisten sollte man kein Wettrennen veranstalten. Ganoven, die dies tun, geben irgendwann einfach auf, weil sie ohne Chance sind. Kriminalhauptkommissar Torsten Moresco fährt fast täglich mit dem Rad von Solingen zum Polizeipräsidium am Jürgensplatz. Je nach Strecke, die mal mehr auf der Straße, mal mehr durch den Wald führt, wählt er eines seiner vier Fahrräder aus. Der 55-Jährige besitzt zwei Mountainbikes, ein Rennrad und ein Triathlonrad. "Ich brauche eigentlich genauso lange wie mit dem Auto, denn der Verkehr ist ja nicht ohne", sagt der Kripo-Mann, der den Vorzug schätzt, den Arbeitsweg zur Trainingseinheit ausbauen zu können. Dann werden aus 30 auch gerne 50 und mehr Kilometer. Der Triathlet hat fünfmal die Alpen überquert (von Oberstdorf bis Gardasee), fuhr in den Französischen und den Berner Alpen, die laut seiner Aussage ein Muss für jeden Radfahrer sind. Vor zwei Jahren nahm er am Inferno-Triathlon teil, sein bisher anspruchsvollster Triathlon (5500 Steigungsmeter). Außerdem absolvierte er den Ötztaler Radmarathon, der 238 Kilometer lang ist und über 5500 Höhenmeter führt.

Moresco ist im Renndress unterwegs und duscht im Präsidium. Einiges an neuer Wäsche hat er im Rucksack dabei, einiges ist im Präsidium deponiert. Auf die Tour de France in Düsseldorf freut er sich: "Da habe ich schon freigenommen.

 

Quelle: RP
 
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