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Düsseldorf
Mit gezinkten Karten

Düsseldorf: Mit gezinkten Karten
Werner Eikermann (v.l.), Hermann Kremer und Dieter Koester spielten Skat beim ersten inklusiven Turnier der Stadt - mit besonderen Spielkarten. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Blinde und Sehende spielen zusammen Skat. Wie das funktioniert? Die RP hat den Teilnehmern in die Karten geschaut. Von Katharina Pavlustyk

Der Saal des Lokals "Berta 3" in Gerresheim ist erfüllt von Stimmengewirr. Zahlen und Spielfarben werden genannt. Ein ganz gewöhnliches Skatturnier. Und doch auch nicht. Hier spielen am Samstag Sehende, Sehbehinderte und Blinde um den Sieg. Organisiert haben den Wettkampf - den ersten seiner Art in der Stadt - der Blinden- und Sehbehindertenverein und der Gerresheimer Skatclub "Optimisten SC".

Achim Wagener, Vorsitzender der "Optimisten", sitzt an Tisch zehn - mit Erna Petrick aus Moers und Fredi Schäfer aus Bonn. Letzterer ist 82 Jahre jung, vollblind und gilt als gelassener und erfolgreicher Skatspieler. Kein Wunder: Schäfer "kloppt" Skat, seit er zwölf Jahre alt ist, und führt kurz nach dem Start. Mit seinen Fingern befühlt er die Karten und legt die passende auf den Tisch.

"Wir spielen mit gezinkten Karten", sagt Jürgen Hoop, Beauftragter für Skat des Blinden- und Sehbehindertenvereins. Diese sind zum einen foliert und somit verstärkt; andernfalls wären die Kartensätze schnell nicht mehr zu gebrauchen. Zum anderen tragen die Karten neben dem üblichen Aufdruck für Sehende auch Perforationen. "Es sind vier verschiedene Symbole", erläutert Hoop. Das sind waagerechte und senkrechte Striche, Kreise und X-Zeichen, die aus einzelnen Punkten bestehen. Die Farbe Kreuz ist einem Kreis gleich. Karo hat einen waagerechten Strich, Herz einen senkrechten. Bei Pik befindet sich keine Perforation in der oberen linken Ecke. Dazu gibt es unterschiedliche Punktierungen für Zahlen und Bilder: Unterhalb der Punkte für die Farbe hat die Sieben etwa einen Strich aus sechs waagerechten Punkten, die Acht hat zwei solche Striche. Die Zehn hat ein großes X, die Dame einen großen und der König zwei kleine Kreise.

Die Teilnehmer nennen Spielfarbe und Bild, wenn sie eine Karte ausspielen. Für die sehenden Spieler bedeutet das eine kleine Umstellung: "Für uns ist es ein wenig ungewohnt, dass wir jede Karte ansagen müssen", sagt "Optimisten"-Chef Wagener.

Das Ziel seines Clubs sowie des Blinden- und Sehbehindertenvereins ist es, zu zeigen, dass ein Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung auch in der Freizeit gut funktioniert. Dass dem so ist, beweist ein Trio an Tisch sieben. Dieter Koester von den "Optimisten", Werner Eikermann vom Gelsenkirchener Verein "Herz Dame Resse" und der blinde Hermann Kremer aus Bergisch-Gladbach kloppen nicht nur Skat, sondern auch Sprüche. "Vier? Ist doch Käse", sagt Koester. "Ist nicht Käse, ist Skat", antwortet Eikermann - und alle drei lachen. "Mein Humor geht nicht unter, weil ich nicht alles sehen kann", sagt Kremer später. Der 81-Jährige spielt seit seiner Kindheit und führt nach ein paar Spielen.

Er genießt wie die anderen sehbehinderten, blinden und sehenden Spieler die Gemeinschaft, die Geselligkeit. Diese ist der Grund, wieso 34 Teilnehmer aus Düsseldorf, aber auch aus Münster, Moers, Bonn, Bottrop und anderen Städten zum Turnier gekommen sind. Und die Geselligkeit und der Spaß werden wahrscheinlich auch dazu führen, dass die inklusive Veranstaltung im kommenden Jahr wiederholt wird. So ist zumindest der Wunsch der Organisatoren.

Quelle: RP
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