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Unfälle in Düsseldorf
Mobile Senioren leben gefährlich

Unfälle in Düsseldorf: Mobile Senioren leben gefährlich
Hans-Werner Meier wünscht sich bessere Radwege. Damit würde sich die Verkehrssicherheit deutlich erhöhen. Er hat mit dem Fahrrad die Stadt für sich "völlig neu entdeckt". FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. In der Unfallstatistik sind über 65-Jährige besonders oft vertreten. Während die einst als Rowdys geltenden jungen Erwachsenen seltener in Unfälle verwickelt sind, entwickeln sich die Rentner zum Sorgenkind der Verkehrspolizei. Von Stefani Geilhausen und Stefanie Thrun

Fünf Senioren sind im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen in Düsseldorf getötet worden, 72 wurden schwer verletzt. Die gravierenden Unfallfolgen bei den Älteren haben "auch mit Gebrechlichkeit" zu tun, sagt Georg Schulz, Leiter der Verkehrsdirektion bei der Polizei: "Jüngere Menschen überstehen Verletzungen schneller und besser."

Die hohe Unfallbeteiligung der Senioren aber ist keine Frage von Gebrechlichkeit, sondern erklärt sich aus dem Wandel der Gesellschaft, die nicht nur älter wird, sondern dabei mobiler bleibt. So waren 80-jährige Radfahrer früher die Ausnahme im Stadtverkehr. Auch das belegt die Statistik: 1997 waren 75 Senioren an Fahrradunfällen beteiligt, 2015 waren es 130. Die jungen Fahrer dagegen, die vor 20 Jahren die Statistik als Unfallverursacher anführten, sind inzwischen eher unauffällig.

Hermann Becker fährt seit 1954 Auto. Seh- und Hörtests macht er regelmäßig. FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Als Radfahrer und Fußgänger werden Senioren vor allem Opfer von Verkehrsunfällen. Sitzen sie am Steuer eines Autos, sieht das schon anders aus: Von 930 Autounfällen, an denen Senioren beteiligt waren, haben sie 705 selbst verursacht. Schulz rät zu gesunder Selbsteinschätzung: "Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Und nutzen Sie Angebote zu Verkehrssicherheitstrainings."

Hermann Becker hat eine Vermutung, was die Unfallursache angeht: "Altersstarrsinn", sagt der 79-Jährige, der für den Stadtbezirk 9 im Seniorenrat sitzt. Und zu viel Routine, die dazu führe, dass man nicht aufmerksam genug sei. Becker selbst fährt seit 1954 Auto, früher waren es um die 30.000 Kilometer im Jahr. Heute sind es deutlich weniger, der Jäger fährt aber zum Beispiel regelmäßig in die Eifel. Regelmäßige Seh- und Hörtests sind für ihn selbstverständlich. "Ich habe kein Verständnis dafür, wenn sich da jemand weigert." Von Reaktions- und Sicherheitstests hat er noch nichts gehört, aber: "Das würde ich auch gerne machen."

Irene Stengel fühlt sich vor allem von rasenden Radfahrern auf dem Bürgersteig gefährdet. FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Dass die Nachfrage nach Verkehrssicherheitstrainings bei Senioren nur langsam wächst, erklärt sich die Polizei vor allem mit der Befürchtung, den Führerschein zu verlieren. Dabei seien die Trainings ja doch gerade dazu gedacht, die Verkehrstüchtigkeit zu stärken, und nicht, um Rentnern die Fahrerlaubnis zu entziehen.

Heinz-Werner Meier hat so einen Kurs schon absolviert. Das Autofahren hat der 69-jährige Sprecher des Arbeitskreises Sicherheit und Verkehr im Seniorenrat aber nicht deshalb aufgegeben, sondern als "der TÜV-Bericht länger als das Auto" wurde. Weil ihm sein Arzt zu mehr Bewegung riet, entdeckt er seitdem die Stadt "mit dem Rad völlig neu". Auch Problemstellen. "Überall, wo neben Rechtsabbiegespuren Radwege entlangführen, werden Radler häufig übersehen." Außerdem fehle es an Licht in der Stadt. Auf der Brehmstraße ist er selbst deshalb schon mal gestürzt. Und dann sind da noch die Blumenkübel oder Auslagen von Geschäften, die von Radfahrern hohe Aufmerksamkeit erforderten. "Wir brauchen bessere Radwege", sagt Meier.

Für Irene Stengel ist das nichts. "Radfahren ist mir in der Stadt viel zu gefährlich", sagt sie, und weil sie nie einen Führerschein gemacht hat, ist die 72-Jährige, die in Flingern Vorsitzende des VdK-Ortsverbands ist, vor allem zu Fuß und mit der Rheinbahn unterwegs. "Die neue Wehrhahn-Linie finde ich toll." Für Irene Stengel sind vor allem die rasenden Radfahrer auf dem Bürgersteig ein Problem. "Fünf Euro Strafe sind dafür viel zu wenig, da müsste die Polizei deutlich härter durchgreifen." Senioren die "starrsinnig auf ihr Recht als Fußgänger pochen, ohne auf andere zu achten", hält sie aber auch für einen Grund dafür, dass Senioren oft in Unfälle verwickelt sind. Und sie glaubt, dass vor allem viele Ältere bei Rot über die Straße gehen.

Einig sind sich die Senioren, dass auch Busfahren nicht ungefährlich ist. Zu schnelles Anfahren oder scharfes Bremsen brächten Senioren oft zum Stolpern. "Erstaunlich, dass dabei nicht mehr passiert." Und noch eine Idee für mehr Sicherheit haben die Seniorenbeirats-Mitglieder: Wenn die Stadt jedem Senioren, der seinen Führerschein freiwillig abgibt, ein Jahresabo der Rheinbahn schenke, könnte das viel zum Umsteigen bewegen.

Quelle: RP
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