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Düsseldorf
Möbelriesen drängen nach Düsseldorf

Düsseldorf: Möbelriesen drängen nach Düsseldorf
Möbel Schaffrath in Bilk. Die Firma würde gerne an der Theodorstraße bauen, das aber will der Konkurrent Höffner auch. Es kann aber nur einen geben. FOTO: Bretz
Düsseldorf. Immer mehr Möbel-Geschäfte wollen in der Landeshauptstadt Fuß fassen. Das Einzelhandelskonzept der Stadt weist vier Zentren aus, die für so genannte Fachmärkte, also auch Baumärkte in Frage kommen. Die Konkurrenz ist groß. Von Thorsten Breitkopf

Vor wenigen Jahren war im deutschen Einzelhandel ein Phänomen zu beobachten: Die kleinen Elektrofachhändler in den Innenstädten mussten reihenweise schließen, ihren Platz nahmen große Filialisten ein, die mit Geiz-ist-Geil-Reklame in ihre Hallen lockten. Heute stehen genau diese Läden selbst massiv unter Druck. Denn das Internet und die Online-Affinität der Kunden lassen die Preise dort weiter purzeln. In einer ähnlichen Phase scheinen heute die Möbelhändler zu stehen. Kleine Möbelhäuser in Düsseldorf überleben wirtschaftlich nur noch, wenn sie sich auf eine besondere, meist recht teure Nische spezialisieren. Den Markt teilen die Großen unter sich auf. Viel umgekrempelt hat der schwedische Marktführer Ikea, der nach seinem regionalen Start in Kaarst um die Jahrtausendwende auch in Düsseldorf, im Gewerbegebiet Reisholz nahe Henkel und Mannesmann eröffnete.

Besonders in den Anfangsjahren pilgerten die Ikea-Fans aus dem gesamten Umland in den Düsseldorfer Süden. Doch der Wind weht steif in der Düsseldorfer Möbellandschaft. Denn dem etablierten rheinischen Familienunternehmen Schaffrath mit seinem Markt im Wohngebiet in Bilk droht große Konkurrenz. Erst baute der Berliner Möbel-Löwe Krieger einen Höffner-Markt ins gar nicht weite Neuss. Jetzt soll ein eigener Markt in Düsseldorf-Rath an der Theodorstraße - mitten im Gewerbegebiet - entstehen. Darüber entscheidet diese Woche der Planungsausschuss. Die Sache ist vertrackt, denn auch Erzrivale Schaffrath will dort ein Möbelhaus haben. Schaffrath plant etwa 40.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, Höffner verteilt auf mehrere Gebäude 58.000. Platz ist nur für einen, denn die Obergrenze liegt bei 40.000 Quadratmetern.

Insgesamt vier Zentren für Möbel- und Fachmärkte sieht der erst 2015 verabschiedete Rahmenplan Einzelhandel vor. Neben dem Zentrum "Nord" an der Theodorstraße seien das Zentrum "Mitte" in Flingern-Süd, das Gebiet Holthausen/Reisholz bei Ikea, das Gelände um den Baumarkt in Gerresheim (Ost) und ein Areal an der Heerdter Landstraße im Linksrheinischen, erklärt Vera Jablonowski, Planungsreferentin bei der IHK.

Einen neuen Möbel-Giganten durchzusetzen, ist gar nicht so einfach, denn es gibt ein scheinbar undurchdringliches Regelwerk. Zum einen muss die Handelslandschaft der Nachbargemeinden bei einer Genehmigung berücksichtigt werden. Das ist für Düsseldorf als Oberzentrum aber kein größeres Problem. Um den Handel in der Innenstadt und den Unterzentren zu schützen, hat sich Düsseldorf im Rahmenplan Einzelhandel Auflagen gegeben. "Und die sehen vor, dass die in den Gewerbegebieten ansiedelnden Möbelhändler nicht zu viel ,zentrenrelevante" Ware verkaufen", sagt die Expertin. Was als solches gilt, ist immer wieder umstritten. Für Düsseldorf gilt laut Jablonowski in den Möbelhäusern in Gewerbegebieten eine Obergrenze von zehn Prozent. Gemeint sind etwa Textilien wie Bettbezüge. Gerade diese, eher niedrigpreisigen Waren, sind aber für die Möbelhäuser eine wichtige Geldquelle im Kampf gegen die Online-Konkurrenz. Denn dort bestellt man gezielt. Die Möbelhäuser aber verdienen vor allem an dem, was man spontan mitnimmt, Vasen, Tassen, Textilien - all das was eben zentrumsrelevant ist.

Derartiges Wohnzubehör gilt in der Branche nicht als zu vernachlässigender Kleinkram, sondern als lukratives Zusatzgeschäft in einem hart umkämpften Markt. Mit dem Vordringen des Onlinehandels wachsen nun die Befürchtungen vor einem Ausbleiben der Spontankäufer. So hat Ikea 2014 nach Schätzung von Experten mehr als die Hälfte des Umsatzes von 4,12 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2014/Stichtag 31.8.) in seinen derzeit 49 Einrichtungshäusern mit Wohnaccessoires erwirtschaftet. Offiziell macht das Unternehmen dazu jedoch keine Angaben.

Quelle: RP
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