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Düsseldorf
Monatelang Polizisten am Telefon beschimpft

Düsseldorf. Mit einer rätselhaften Serie von Droh- und Schmäh-Anrufen bei der Polizei hat sich jetzt das Amtsgericht zu beschäftigen. Angeklagt ist ein 31-Jähriger wegen mindestens 16 Fällen der Beleidigung und Bedrohung von Beamten der Altstadtwache, aber auch von der Polizeiwache Mitte. Monatelang soll er im Herbst 2013 die Rufnummern der Wachen angewählt, dann obszöne Beleidigungen in den Hörer gebrüllt oder wüste Drohungen gegen die Beamten ausgestoßen haben. Was die Polizisten besonders "wunderlich" fanden: Der Anrufer schien die Altstadtwache regelrecht zu beobachten und nannte überraschende Details. Zu Prozessbeginn schwieg sich der Angeklagte zu alledem aus.

Mehrere Polizisten hatten damals "das Gefühl, der guckt regelrecht in die Wache rein", so präzise bezog sich der Anrufer mit seinen zotigen Beleidigungen und Drohungen auf aktuelle Vorgänge. So habe er in einem Anruf gezielt einer Polizistin mit Nennung ihres Namens perverse Praktiken angeboten. Bei einem anderen Beamten bezog sich der Anrufer auf eine Narbe an der Schläfe, bevor er auch diesen Polizisten mit Schimpfworten übelster Art überhäufte. "Das hat schon den Wachbetrieb erheblich gestört", sagte einer der Beamten (32) jetzt im Zeugenstand. Wochenlang habe sich der Anrufer zu nahezu jeder Tages- und Nachtzeit an seinen Schmäh- und Schimpfkanonaden ergötzt, die Polizisten damit vom Dienst abgehalten, sie auch bedroht. Als eine Telefonnummer dieses Anrufers dann endlich ermittelt werden konnte, führte die Spur laut Anklage angeblich zu dem 31-Jährigen. Der vermied es nun zu Prozessbeginn allerdings, auch nur ein einziges Wort zu sagen - und dadurch seine Stimme hören zu lassen.

Um sich beim Richter zu identifizieren, nannte er in der Verhandlung weder seinen Vor- oder Zunamen noch seine Geburtsdaten, sondern legte wortlos einfach seinen Ausweis vor. Gab es Fragen an die Zeugen, dann ließ er das über seinen Verteidiger ausrichten. Ob es sich bei dem 31-Jährigen wirklich um den Anrufer handelt, der die Besatzung der Altstadtwache über Wochen hinweg terrorisiert hatte, ist noch ungewiss. In der nächsten Woche geht der Prozess gegen den 31-Jährigen weiter. Dann geht es auch um eine weitere Anruf-Serie, mit der er die Belegschaft einer Zahnarztpraxis im Süden über Wochen hinweg ebenfalls mit bis zu 40 Anrufen pro Tag bombardiert haben soll.

(wuk)
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