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Düsseldorf
Mordversuch unter Intensivtätern

Düsseldorf. Der Prozess gegen einen 26-Jährigen eröffnet den Blick in soziale Abgründe.

Der junge Mann auf dem Landgerichtsflur sendet hasserfüllte Blicke in die Welt und besonders gegen eine Frau, die mit ihrem Kinderwagen direkt vor ihm steht. Plötzlich schnellt er auf sie zu und zischt drohend ein paar Obszönitäten.

Bald darauf sitzt der 17-Jährige im Gerichtssaal. Sein Deutsch ist von einem bildungsfernen Fantasieakzent gebrochen, der ihn bisweilen schwer verständlich macht. Er redet von seiner Schwester, die ihm womöglich einen Mörder auf den Hals gehetzt habe, und dass er sich seitdem auf der Straße immer zweimal umdrehe. Mit der Schwester verstehe er sich trotzdem gut. Er gibt zu, dass er gedroht hat, sie samt ihrer drei Kinder aus dem vierten Stock zu werfen. Sein Anwalt warnt vor zu vielen Details, da laufe noch ein Strafverfahren. Dass er die Schwester mit ihrem "Tunsi" lebendig begraben wollte, bestreitet der 17-Jährige so entschieden wie jeden Alkoholkonsum. Der sei ihm, wie auch Drogen, seit der letzten Bewährung verboten.

Angeklagt in diesem Verfahren ist Fouad Z., der "Tunsi", der mit der Schwester des jungen Mannes liiert ist, und die er, wie er sagt, von ihrer "asozialen Familie" loseisen wollte. So sei es zu den Auseinandersetzungen mit dem Bruder gekommen, den der 26-Jährige wortreich als gewalttätigen Trunkenbold beschreibt. Der habe mit seiner Freundin Sex vor deren Kindern, wenn er sie nicht gerade schlage, sagt er, schildert den Tag, als der 17-Jährige an seine Tür hämmernd und tretend gebrüllt habe, er sei "ein toter Hund". Über den Tag danach schweigt Z. An diesem Februar-Abend soll er dem 17-Jährigen in einem dunklen Hausflur aufgelauert und ihm unzählige Male ein Messer in den Oberkörper gerammt haben.

Auch Z. ist kein unbeschriebenes Blatt: mehr als elf Vorstrafen, darunter eine wegen Kindesmissbrauchs, viele wegen Diebstahls, etliche wegen Drogen. Dreimal saß er schon im Knast, diesmal könnte es länger dauern. Den Messerangriff auf den 17-Jährigen wertet die Staatsanwaltschaft als Mordversuch. Im September soll das Urteil fallen,.

(sg)
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