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Abdul Adhim Kamouss
"Moslem-Macher" predigt in der Innenstadt

Düsseldorf. Die Anwohner des Viertels rund um die Luisenstraße wunderten sich. Grüppchenweise strömten Männer mit Bärten und Käppis sowie Frauen mit bodenlangen Schleiern Richtung Adersstraße. Dort sind die Gebetsräume des marokkanisch-islamischen Moscheevereins, der am Wochenende Besuch aus Berlin hatte. Der Prediger Abdul Adhim Kamouss hatte sich zu einem Vortrag angekündigt – und rund 300 Muslime kamen. Und zwar aus der gesamten weiteren Region: aus Gelsenkirchen und Dortmund etwa. Von Gökçen Stenzel

Aus Berlin selbst waren ebenfalls einige Männer an den Rhein gereist. Sie gehörten offenbar zum ständigen Tross des Predigers, der Imam in der Al-Nur Moschee in Neukölln ist und weithin als "Popstar" unter den Predigern gilt. Nach seinem Auftritt in Düsseldorf reiste der Marokkaner nach Duisburg weiter.

Deutsche Medien betitelten ihn als "Moslem-Macher", weil Abdul Adhim im Schnitt fünf Konvertiten pro Woche in seiner Moschee zählt – insbesondere junge Menschen. Auch an der Adersstraße hatte der Berliner Erfolg: Ein 19-jähriger Deutscher trat nach der Predigt öffentlich zum Islam über.

Zuvor hatte Abdul Adhim über die Eigenschaften eines Muslims gesprochen, und zwar auf Deutsch. Abdul Adhim wird der extrem konservativen salafitischen Richtung des Islam zugeordnet, deren Vertreter ihre Vorträge konsequent auf Deutsch halten. Damit haben sie sich für viele Jugendliche und junge Erwachsene zu einer Informationsquelle über den Islam herausgebildet. Vor allem erwecken sie den Anschein, die Lebenswirklichkeit ihrer Gläubigen in Deutschland zu kennen. Ihre Lehre boomt, weil Prediger dieser Richtung anbieten, was in deutschen Moscheen noch Mangelware ist – islamische Glaubenskunde in deutscher Sprache, fundiert, verständlich, einfach.

Demokratiefeindliche Tendenzen attestieren Beobachter dem Auftritt in Düsseldorf nicht, integrationsfördernd seien die Ausführungen allerdings ebenso wenig gewesen. Abdul Adhim – charismatisch, redegewandt in mehreren Sprachen, in Gewand und typischer Kopfbedeckung – verurteilte etwa Zinsen auf das schärfste und nutzte dafür drastische Bilder. "Das war keine Veranstaltung, die dazu angetan ist, das Miteinander zu fördern", so der Düsseldorfer Islamwissenschaftler Michael Kiefer, "auch wenn Kamouss nichts Verbotenes sagt, vielleicht, weil er genau weiß, dass er unter Beobachtung steht."

Stattdessen viel Eindimensionales: Abdul Adhim predigte etwa von den ehrbaren Frauen und dass es denjenigen "in die Hölle" bringen werde, der schlecht über diese spreche. Überhaupt seien es nur die "guten Charaktereigenschaften" eines Muslims, die ihm dereinst ins "Paradies" verhelfen. Nur Beten und Fasten reiche da nicht. Hass, Missgunst und üble Nachrede seien unverzeihliche Sünden. Am besten zeige sich der Charakter eines Mannes im Umgang mit seiner Ehefrau: Sie gut zu behandeln, sei Pflicht des Gläubigen. Über die Sicht der Frauen verlor der Prediger kein Wort.

Die saßen in ihren Räumen, zusammen mit ihren Mädchen, die zum Teil schon vierjährig Kopftuch tragen – und verfolgten die Predigt per Video und Lautsprecher. Denn die Frauenräume an der Adersstraße sind vom Gebetsraum der Männer komplett separiert.

Quelle: RP
 
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