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Düsseldorf
Bundesregierung verteidigt Tillys Polen-Satire

Mottowagen Düsseldorf: Bundesregierung verteidigt Jacques Tillys Polen-Satire
Jacques Tilly zeigte am Rosenmontag Polen als unterdrückte Frau unter dem Stiefel des nationalkonservativen Parteichefs Jaroslaw Kaczynski. FOTO: RP-Foto; Andreas Bretz
Düsseldorf. Wagenbauer Jacques Tilly hat erstmals am Aschermittwoch noch mehr Resonanz auf seine Arbeit erfahren als am Veilchendienstag. Sein Mottowagen zur aktuellen politischen Lage in Polen war sowohl Thema in Berlin als auch in den internationalen Medien.

Der Presseattaché der polnischen Botschaft, Jacek Bigala, sagte unserer Redaktion, für die Botschaft bestehe "kein Handlungsbedarf". Der polnische Außenminister habe zwar, in einem Interview auf das Wagenmotiv angesprochen, die Meinung vertreten, dass diese Darstellung niemandem nutze. Die Botschaft und die Konsulate in Deutschland beschäftigten sich aber mit ernsthaften Dingen. Satire gehöre erkennbar nicht dazu. Polen werde in Sachen Karnevalswagen deshalb auch nicht tätig werden.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, hatte zuvor deutlich gemacht, dass die Kritik aus Polen in Berlin gelassen aufgenommen wurde. Seibert sagte, dass die Bundesregierung nicht bei den Veranstaltern des Düsseldorfer Rosenmontagszuges intervenieren werde. In Deutschland gelte die Freiheit der Meinungsäußerung und der Kunst, auch wenn dies für dargestellte Personen manchmal "weniger angenehm" sein könne.

Fotos: Abgesagter Rosenmontagszug: Die Mottowagen FOTO: Ines Räpple

Laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hatte der polnische Außenminister Witold Waszczykowski am Dienstag in einem Rundfunk-Interview erklärt, er wolle in Berlin vorstellig werden. "Wir werden auf diplomatische Art darauf aufmerksam machen und unsere Partner in Deutschland fragen, wem das dient", sagte Waszczykowski. Der Politiker, der wie der dargestellte Kaczynski zur nationalkonservativen PiS-Partei gehört, sah in dem Mottowagen "Verachtung der Polen und der polnischen Politiker".

Berichte über den Konflikt haben es bis in die USA geschafft. Die New York Times zeigte ebenso wie ABC News oder der Bristol Herald Courier nicht nur Bilder von Tilly-Wagen wie in den vergangenen Jahren, sondern teilte ihren Leser auch mit, wie der polnische Außenminister darauf reagiert hatte. Dort wird Waszczykowski auch noch mit dem Satz zitiert "Vielleicht ist das [der Wagen] Ausdruck des Geschmacks unserer deutschen Freunde". Die Meinungs- und Kunstfreiheit wolle er selbstverständlich nicht verletzten, heißt es weiter in den Artikeln der US-Medien.

(hdf/may)
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