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Düsseldorf
Mütter wollen längere Betreuungszeiten

Düsseldorf: Mütter wollen längere Betreuungszeiten
Leonora Fricker (Sohn Ruben versteckt sich unterm Tisch) fordert eine größere Flexibilität bei den Betreuungszeiten in Kitas. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Die meisten Kindertagesstätten schließen vor oder um 17 Uhr. "Zu früh", finden beruflich engagierte Eltern. Von Jörg Janssen

Leonora Fricker wundert sich über die Öffnungszeiten der Kitas in Düsseldorf. "Eine moderne Metropole, die beim Thema Kinderbetreuung handelt, als gingen alle Mütter einer Teilzeitbeschäftigung nach", sagt die Geschäftsführerin.

Auf dem Boden im Büro von "health pro", einem Unternehmen für Beratung und Kommunikation, krabbelt Ruben. "Nächstes Jahr wird's kompliziert", meint Fricker. Denn dann wird Ruben drei und muss ab August in eine Kita wechseln, die auch Kinder ab drei Jahren (Ü3) betreut. "Die meisten, die ich gefragt habe, schließen um 16.15 oder spätestens um 16.30 Uhr. Für mich ein echtes Problem", sagt Fricker.

Mütter wünschen sich flexiblere Zeiten

Genauso sieht es Juliane Becker (Namen auf Wunsch der Mutter geändert), die in verantwortlicher Position für einen Technologie-Konzern arbeitet. "Es geht mir nicht darum, mein Kind länger als neun Stunden fremdbetreuen zu lassen, wohl aber um eine Flexibilisierung der Abgabe- und Abholzeiten. Es muss doch möglich sein, mein Kind um zehn Uhr zu bringen und um 18.30 Uhr abzuholen."

Glücklich war sie, als sie im städtischen Anmeldesystem Kita-Navigator das Angebot der inzwischen öffentlich geförderten Kita Pri & Pri (Prinzen und Prinzessinnen) entdeckte. Dort stand "zusätzlich buchbar: Morgenbetreuung ab 7 Uhr und Abendbetreuung bis 19 Uhr". Doch daraus wurde nichts. Als das Kita-Jahr begann, erfuhr sie, dass doch nur bis 17 Uhr betreut wird. Für Becker eine Enttäuschung.

Landschaftsverband und Jugendamt verhindern längere Kita-Zeiten

Sasa Fistrek, Assistent der Pri & Pri Geschäftsführung, versteht den Ärger. Aber, so sagt er, die Ansage von Landschaftsverband und Jugendamt sei unmissverständlich gewesen. Wolle Pri & Pri eine Betriebserlaubnis als öffentlich geförderte Kita, müsse sie - bei einer Öffnung ab 8 Uhr morgens - auch um 17 Uhr schließen. Möglich sei allenfalls, das Konzept komplett neu zu justieren und beispielsweise Zeiten von 9 bis 18 Uhr anzubieten. "Aber 9 Uhr ist einfach zu spät", sagt Fistrek. Die Vorgaben in Düsseldorf kann er nicht verstehen. "In Köln haben wir bis 19 Uhr betreut. Dort war es kein Problem", sagt er.

Stadt und Jugendamt weisen die Kritik zurück

Jugenddezernent Burkhard Hintzsche hat nichts gegen eine Öffnung über 17 Uhr hinaus, "wenn der Bedarf dafür da ist." In der Pflicht sieht er allerdings auch die Arbeitgeber. Die Kritik der Mütter will die Stadt aber so nicht stehen lassen. Klaus Kaselofsky, Vize-Leiter des Jugendamtes, rechnet vor: "Von 340 öffentlich geförderten Kitas im Stadtgebiet sind 56 um sieben oder früher als sieben Uhr geöffnet und an 36 Standorten werden Mädchen und Jungen auch länger als 17 Uhr betreut."

Das Gros dieser Kitas sei bis 18 Uhr offen. In einem Fall ende die Betreuung erst um 19.30 Uhr. Zudem gebe es die organisierte Anschlussbetreuung bei Tagesmüttern (107 Kinder), die freilich kostenpflichtig sei.

Ist Düsseldorf rückständig?

Zufrieden macht das Tanja Körbe (Namen auf Wunsch der Mutter geändert) nicht. Die Unternehmensberaterin improvisiert derzeit. Eine Kinderfrau holt ihren Sohn um 17 Uhr aus der Kita ab. "Ich habe um 17.30 Uhr noch Telefonkonferenzen oder Meetings, so ist nunmal die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert."

Düsseldorf und West-Deutschland findet die studierte Kauffrau, die aus Osteuropa stammt, in Sachen Betreuung "rückständig". Es schade keinem Kind, wenn es in einer vertrauten Umgebung auch einmal zehn Stunden verbringe. "Diese Möglichkeit sollte es auch in Düsseldorf geben."

Quelle: RP
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