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Düsseldorf
Musikschule: Ampel-Bündnis will über Stellenstreichungen reden

Düsseldorf: Musikschule: Ampel-Bündnis will über Stellenstreichungen reden
Das Streichorchester der städtischen Clara-Schumann-Musikschule bei der Probe gestern Nachmittag im Udo-van-Meeteren-Saal an der Prinz-Georg-Straße. Anfang April standen 2749 Kinder und Jugendliche auf Wartelisten. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. 17 von 110 Lehrerstellen sollen an der Clara-Schumann-Musikschule wegfallen. Aktuell stehen mehr als 2700 Kinder auf Wartelisten. SPD, FDP und Grüne fordern die rasche Vorlage eines Gesamt-Konzepts. Von Jörg Janssen

Die Mitteilung von Kulturdezernent Hans-Georg Lohe, bis 2021 an der städtischen Clara-Schumann-Musikschule zusätzlich zu zehn bereits vakanten weitere 6,7 Stellen zu streichen, sorgt bei den Parteien der Ampel-Kooperation im Rathaus für Gesprächsbedarf. Die wichtigsten Fakten und Argumente im Überblick.

Ausgangslage Vor allem bei Fächern wie der musikalischen Früherziehung, Klavier, Gitarre, Violine, Blockflöte und Trompete brauchen Eltern und Kinder viel Geduld. Anfang April standen mehr als 2700 Jungen und Mädchen auf Wartelisten. Die Zahl schwankt über das Jahr gesehen. Wer Pech hat, muss bis zu zwei Jahren warten. Die CDU spricht von einem "Skandal", Lohe verweist auf das Konzept "Verwaltung 2020" und die Vorgabe, 20 Prozent der Stellen einzusparen. Der Förderverein fordert die Politik auf, genau das zu verhindern. Er möchte zudem einen Erweiterungsbau am Hauptgebäude und würde ein Drittel der Kosten übernehmen.

Sozialdemokraten Oliver Schreiber, SPD-Ratsherr und einer der schulpolitischen Experten seiner Fraktion, begegnet dem Wunsch nach einem Anbau an der Prinz-Georg-Straße "mit Skepsis". "Bevor eine räumliche Erweiterung auf die Agenda kommt, benötigen wir dringend ein Konzept, das Auskunft gibt über die stärkere Einbindung der Musikschule in den schulischen Ganztag, über die Chancen neuer digitaler Anmeldeverfahren und das die Frage beantwortet, in welchen Bereichen private Angebote für Entlastung sorgen können", sagt er. Die Lesart von Dezernent Lohe, "Verwaltung 2020" ziehe quasi automatisch den Abbau von rund 20 Prozent der Stellen nach sich, und das sei dann eben auch bei der Musikschule so, ärgere ihn. "Das ist schon provokativ." Soll also ein Teil der 17 Stellen erhalten bleiben? "Das möchte ich nicht pauschal bejahen oder verneinen", sagt der SPD-Politiker. "Einen Freibrief nach dem Motto ,die 17 Stellen dürfen nicht wegfallen' kann es aber nicht geben. Wer ernsthaft sparen will, muss schon den Druck im Kessel lassen."

Freie Demokraten Mit Blick auf sieben weitere Stellenstreichungen meldet FDP-Schulexperte Mirko Rohloff "dringenden Gesprächsbedarf" an. Klar sei, dass es bei der Musikschule immer Wartelisten gegeben habe und weiterhin geben werde. "Die Liste auf ,null' zu setzen, hieße mehr als 30 Lehrer neu einzustellen. Das wäre schlicht unbezahlbar", sagt er. Genauso fraglich sei aber, ob ein so weitreichender Abbau von Lehrkräften zwingend geboten sei. "Der Bildungsbereich muss auch bei einem Konzept wie 2020 besonders betrachtet werden." Im Übrigen schlägt der Liberale vor, zu prüfen, ob nicht ein Teil des Musikunterrichts in den Ganztag integriert und dann auch aus OGS-Mitteln finanziert werden könne. "Denkbar wäre auch, dass die Musikschule qualitativ geeignete private Angebote zertifiziert und Schüler dorthin vermittelt.

Grüne "Verärgert" ist die grüne Schul- und Kulturexpertin Clara Gerlach über ausbleibende Antworten aus dem Kulturdezernat. "Wir haben vor langer Zeit einen Auftrag erteilt, uns ein Gesamtkonzept vorzulegen und es passiert einfach nichts", sagt sie. Bevor sie nicht wisse, wie sich die stärkere Verzahnung von Musikschule und Ganztag gestalten lässt, welche Folgen ein transparenteres Anmeldeverfahren habe und wie die Arbeitstage von Musiklehrern neu strukturiert werden müssten, "kann ich auch nicht sagen, ob 17 Stellen weniger vertretbar sind oder nicht."

Quelle: RP
 
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