| 16.09 Uhr

Falsche Anschuldigungen
Mutmaßliche "Beerdigungs-Einbrecher" freigesprochen

Falsche Anschuldigungen: Mutmaßliche "Beerdigungs-Einbrecher" freigesprochen
Die Angeklagten Josua J. und Pierre H. (re.) kommen vor dem Prozessbeginn in den Saal im Landgericht Düsseldorf. FOTO: dpa, mjh pzi
Düsseldorf. Eigenständig hat ein 27-Jähriger seine aktuelle Haftstrafe am Montag wohl nochmal verlängert. Er hatte fälschlicherweise angeben, dass zwei Bekannte Wohnungen ausgeraubt hätten, während deren Bewohner auf einer Beerdigung waren. 

Der Mann sitzt derzeit wegen Seriendiebstählen in Klinken und Hospiz-Einrichtungen, wo er teils auch sterbende Patienten ausgeplündert hatte, eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren ab.

Am Montag brachte er zwei Bekannte (23/24) mit besonders üblen Vorwürfen zwar ebenfalls auf die Anklagebank beim Amtsgericht. Das Duo, so hatte er behauptet, habe zwei Häuser von Trauernden ausgeräumt, während deren Bewohner gerade auf Beerdigungen waren. Doch am Montag gab er zu, dass diese Vorwürfe frei erfunden sind. Beide Verdächtige wurden freigesprochen. Dem angeblichen Kronzeugen droht wegen falscher Anschuldigungen jetzt eine erhebliche Verlängerung der Haftzeit.

Für eine 72-jährige Witwe machte es keinen Unterschied, ob ihr Haus Ende 2013 von diesen Beschuldigten oder von anderen Tätern ausgeräumt wurde. Sie beklagte, dass die Täter über ein aufgehebeltes Fenster damals nicht nur Schmuck, Uhren und Bargeld für insgesamt 2000 Euro weggeschleppt hatten, sondern auch alle Kondolenzschreiben zum Tod ihres Mannes, den sie zur Tatzeit gerade zu Grabe trug. So bleiben der Witwe hinterher nicht mal die Adressen, um sich bei den Mittrauernden für deren Beileidsbriefe zu bedanken. "Das war für mich der schlechteste Tag, den sich die Täter aussuchen konnten!"

Ähnlich schilderte ein Ingenieur (52) die Dreistigkeit der Einbrecher. Er fand es schon "besonders niederträchtig", gerade die schmerzhafte Situation von trauernden Menschen zum Einbruch zu nutzen. Denn just während der Beisetzung seines Vaters waren damals am gleichen Tag Werte für insgesamt 25.000 Euro aus seinem Haus verschwunden. Obendrein hatten die Täter aber noch seinen Autoschlüssel samt Auto erbeutet und den Wagen im Wert von rund 8000 Euro nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei mit einem Totalschaden zurückgelassen.

Die dafür jetzt als Täter angeklagten Männer machten dazu am Montag keine Aussage. Nur der bereits inhaftierte 27-Jährige hatte das Duo als Beerdigungs-Einbrecher bezichtigt. Doch nun nahm dieser "Kronzeuge" alles zurück. Er habe die Bekannten bloß unter Drogeneinfluss als Täter bezeichnet. Das Duo kam daraufhin straffrei davon. Doch der 27-Jährige muss sich jetzt auf eine erheblich längere Haftzeit gefasst machen.

(wuk)