| 00.00 Uhr

Überfall auf Seniorin in Düsseldorf
Mutmaßlicher Vergewaltiger muss zum Psychiater

Düsseldorf. Der 19-Jährige, der im Verdacht steht, Anfang des Monats in der Düsseldorfer Altstadt eine ältere Frau nach dem sonntäglichen Kirchgang vergewaltigt zu haben, soll von einem Sachverständigen begutachtet werden. Die Staatsanwaltschaft sucht aktuell nach einem Psychiater, der feststellen soll, ob der Heranwachsende schuldfähig ist, also sich bei der Tat darüber bewusst war, dass er ein Verbrechen beging.

Als er am Samstag dem Haftrichter vorgeführt wurde, hatte der junge Mann beteuert, sich an nichts erinnern zu können. Seit er Ende August wegen Raubes verurteilt worden war, will er Betäubungsmittel aller Art und Menge konsumiert und zudem Alkohol getrunken haben. Ob exzessiver Drogenmissbrauch derartige Gedächtnislücken verursachen kann, gehört ebenfalls zu den Fragen an den Gutachter.

Unterdessen bedarf vor allem das Opfer psychologischer Betreuung. Die 90-Jährige war am Vormittag des 2. Oktober auf dem Heimweg aus St. Lambertus, wo sie eine Kerze angezündet hatte. Dort war sie überfallen, in der Nähe des Lieferplätzchens in einen Hinterhof gezerrt und vergewaltigt worden. Sie sei traumatisiert, bekomme fachkundige Unterstützung heißt es bei der Polizei, die zum Schutz des Opfers sehr zurückhaltend mit Angaben zu dessen Verfassung ist.

Als Täter war der 19-Jährige durch DNA-Spuren ermittelt worden, die er bei der Vergewaltigung und bei einem Raub hinterlassen haben soll, den er im Mai begangen hatte. Wegen dieses Raubes war er im Mai festgenommen worden, die zweimonatige Untersuchungshaft bis zum Urteil wurde ihm Ende August auf die verhängte Arreststrafe angerechnet, so dass er sofort entlassen wurde. Der in Marokko geborene Spanier (seine Eltern wanderten mit ihm und seinen Schwestern aus Marokko aus, als er fünf Jahre alt war) kam danach in einem Obdachlosenheim unter, bis er dort nach einem Ausraster Hausverbot bekam. Einem unbestätigten Bericht der Bild-Zeitung zufolge soll er sich geweigert haben, seine Papiere vorzulegen.

Ein Bericht des Blattes über einen Schriftzug, der in Tatortnähe aufgetaucht war, sorgte gestern für Irritationen. Unbekannte deuteten darin eine Vertuschung von Hintergründen des Vergewaltigungsfalles durch die Kirche an. Ermittlungen hätten darauf aber keinerlei Hinweise ergeben, erklärte die Staatsanwaltschaft am Nachmittag. Die ungewöhnliche Beschriftung ist inzwischen übermalt.

(sg)