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Feuer an der Düsseldorfer Messe
Nach Brand Aufnahmestopp für Flüchtlinge

Brand an der Messe Düsseldorf: Flüchtlingsunterkunft brennt komplett aus
Düsseldorf. Düsseldorf erhält vorerst keine neuen Zuweisungen. Denn der Brand des Flüchtlingsheims an der Messe verschärft den Engpass bei der Unterbringung. Flüchtlinge aus der Messehalle waren geschockt von dem Feuer - und froh, dass sie überlebt haben. Von Thorsten Breitkopf, Arne Lieb und Torsten Thissen

Die Zerstörung der Messehalle verschärft den Mangel an Plätzen für Flüchtlinge in Düsseldorf. "Wir stehen ohnehin unter Druck", sagt die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch. "Jetzt wird die Lage schwieriger." Möglicherweise wird die Stadt neue Notunterkünfte errichten. Ab Juli sollen zudem Leichtbauhallen auf dem Gelände der Bergischen Kaserne entstehen, außerdem sind weitere Wohnmodulanlagen in Bau. "Wir haben auch eine Turnhalle für Notfälle vorbereitet", sagt Koch.

Die Bezirksregierung Arnsberg sagte der Stadt zudem gestern als Reaktion auf den Brand zu, vorerst keine weiteren Flüchtlinge zuzuweisen. Die Landeshauptstadt gehört zu den wenigen Kommunen, die gegen den Bundestrend derzeit überhaupt noch neue Flüchtlinge zugewiesen bekommen, da sie die erforderliche Quote unterschreitet; diese richtet sich vor allem nach der Einwohnerzahl. Rund 170 Menschen kamen zuletzt pro Woche an.

Einen Tag nach dem Brand in der Flüchtlingsunterkunft sind die Bagger angerückt. FOTO: dpa, mg fdt

Die Stadtverwaltung erfuhr von dem Brand, während ohnehin der städtische Krisenstab tagte. Dieser war wegen der Bombenentschärfung am Abend in Rath zusammengekommen. Man verständigte sich, die 282 Flüchtlinge aus der Messehalle auf die Unterkünfte an der Roßstraße und im Mannesmann-Haus zu verteilen.

Im Flüchtlingsheim an der Roßstraße kamen die ersten Busse aus Stockum am späten Nachmittag an. Zunächst mussten sich die Johanniter, die das Heim betreuen, auf die neue Situation einstellen, Helfer brauchten Zeit, um aktiviert zu werden, Platz wurde dann aber schnell geschaffen. Einige der Flüchtlinge, die vorher an der Messe untergebracht waren, hatten sich allerdings bereits alleine auf den Weg gemacht, sie standen vor dem früheren Finanzamt, immer noch geschockt, zum Teil sehr verzweifelt.

Fotos: Flüchtlingsheim in Düsseldorf steht in Flammen FOTO: Patrick Schüller

Faris zum Beispiel, ein junger Mann aus Syrien, hatte geschlafen, als es plötzlich an seine Tür donnerte. "Aufstehen! Alle Raus", hörte er die Sicherheitsleute nur rufen. Faris sprang in seine Gummischuhe und lief los, da sah er schon den Rauch, spürte die Hitze, er musste husten. "Ich bin froh, dass ich am Leben bin", sagt der Syrer.

Aus halbwegs sicherer Entfernung konnte er erst das Ausmaß des Brandes einschätzen. Mit den anderen, die vor dem Feuer geflohen waren, beobachtete er die Löschmaßnahmen und sah seine Sachen regelrecht sich in Luft auflösen. "Es ist alles verbrannt", sagt er. Eine kurze Hose, ein T-Shirt, Flipflops - das ist alles, was ihm bleibt.

Faris vor seiner neuen Unterkunft an der Roßstraße: Er hat bei dem Brand alles verloren, was er besaß. FOTO: Torsten thissen

Auch Haytham hat das Wenige, das er besaß, verloren. Er will morgen oder in den nächsten Tagen sehen, ob er irgendetwas wiederfindet in den Trümmern. Vielleicht Papiere, vielleicht Erinnerungsstücke, sein Handy allerdings hat er immerhin retten können, sich dabei die Hände verbrannt, die notdürftig verbunden sind. Er zeigt ein Video, das er vom Feuer gemacht hat, immer wieder wollen auch andere Flüchtlinge den Film sehen. Ungläubig schauen sie auf den kleinen Bildschirm. Für Saikon war es eine Rettung in letzter Minute. Immer noch muss der Mann aus Guinea husten, seine Augen tränen. Wie es nun weitergehen soll, weiß er nicht. Auch er trägt Hose, T-Shirt, Latschen - seinen kompletten Besitz - am Leib.

Düsseldorfer, die in den vergangenen Tagen die Halle besuchten, berichten von mehreren Bränden und davon, dass dort auch ungenutzte Matratzen gelagert wurden.

Verunsichert vom Brand waren gestern auch Tausende Gäste der Messe Drupa. Die Rauchsäule habe den Himmel verdunkelt, sagte Messe-Geschäftsführer Joachim Schäfer. Messegast Chen Jin und seine Geschäftskollegen berichteten von einem beißenden Rauchgeruch.

So wurde das Feuer in der Flüchtlingsunterkunft in Düsseldorf gelöscht

Quelle: RP
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