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Nachruf auf Stephan Markstein aus Düsseldorf
Von einem, der seinen Optimismus nicht verlor

Stephan Markstein (1974-2018)
Stephan Markstein (1974-2018) FOTO: Susanne Markstein
Düsseldorf. Hunderte nahmen Anteil, als wir über Stephan Markstein berichteten, dem im Krankenhaus das Handy gestohlen worden war. Nun ist er seinem Krebsleiden erlegen. Nachruf auf einen Mann, der niemals aufgab. Von Helene Pawlitzki

Stephan Markstein hatte Pläne. Trotz allem.

Etwas Sinnvolles tun wollte er. Eine Ausbildung zum Ehrenamtlichen im Krankenhaus zum Beispiel - und dann vielleicht im Kinderhospiz aushelfen. An dem war er oft vorbeigekommen, als er im Sommer im Evangelischen Krankenhaus behandelt wurde und von seinem Zimmer aus Spaziergänge machte. "Wird nicht leicht", wusste er, aber er war trotzdem fest entschlossen.

Seinen neuen Schwerbehindertenausweis wollte er nutzen, um zu reisen und trotz der Krankheit noch etwas von der Welt zu sehen. Schreiben wollte er auch gerne - spätestens nachdem er erlebt hatte, mit welcher Anteilnahme die Düsseldorfer auf seine Geschichte reagiert hatten. Die beiden Artikel, die in der Rheinischen Post über ihn erschienen, pinnte er in jedem seiner Krankenzimmer übers Bett. In einem Blog hätte er gern über seine Genesung geschrieben - an die glaubte er fest, bis zuletzt.

Ein RP-Leser spendete ein neues Handy - Markstein war tief bewegt

Stephan Markstein war ein fast unerschütterlicher Optimist. Nur als ihm im Oktober sein Handy gestohlen wurde, während er im Krankenhaus lag - da verließ ihn der Mut. Nicht wegen des teuren Geräts, sondern weil es für ihn ein wichtiges Kommunikationsmittel gewesen war: Stephan Markstein war ein Tumor am Hals entfernt worden, er konnte nicht mehr sprechen. Mit seiner Schwester, seinen Ärzten und Apothekern, mit vielen Bekannten schrieb er E-Mails und Whatsapp-Nachrichten.

Als dann nach einem Facebook-Aufruf seiner Schwester und einem Artikel in der Rheinischen Post und auf RP Online viele Menschen mitfühlende Kommentare schrieben und einige sogar Geldspenden anboten, damit Stephan Markstein sich ein neues Handy kaufen konnte, bewegte ihn das sehr. "Ich kann kaum fassen, dass es Menschen gibt, die einem helfen, obwohl man sich gar nicht kennt", schrieb er an die Redaktion, als ihm ein Düsseldorfer Geschäftsmann sogar ein nagelneues Handy schenkte - das gleiche Modell, das er vorher hatte, damit er sich nicht umgewöhnen musste.

Nachdem er viel Anteilnahme und ein Handy geschenkt bekam, schrieb Stephan M. einen Dankesbrief an die RP-Leser. FOTO: M. Stephan

In seiner Jugend verlor er den Weg - vor fünf Jahren fand er ihn wieder

Stephan Marksteins Optimismus - selbst im Angesicht einer schweren Erkrankung - hatte nichts Weltfremdes. Denn er wusste, wie es ist, ganz unten zu sein. Vor fünf Jahren riss er nach Schilderung seiner Schwester das Ruder herum und brachte sein Leben in Ordnung. Es war ihm aus den Fugen geraten, als der Vater starb.

Der Vater war Elektrikermeister gewesen und hatte in der Rosenstraße in Ratingen ein eigenes Geschäft gehabt. Stephan sei ein Papa-Kind gewesen, erzählt seine vier Jahre ältere Schwester Susanne. Den Vater begleitete Stephan schon früh zu seinen Aufträgen, kletterte mit ihm auf Dächern herum, interessierte sich für alles um ihn herum. "Es war eine eigentlich sehr schöne Kindheit", sagt Susanne. Mit ihr, seiner Schwester, war er sehr eng. Sie kümmerte sich von seiner Geburt an um ihn, selten gab es Streit.

Bis 1986, als der Krebs das erste Mal in Stephan Marksteins Leben trat. Er war zwölf Jahre alt, als der Vater an Lungenkrebs starb. Für ihn brach die Welt zusammen. Als einige Jahre später dann noch die Schwester von zu Hause wegzog, um eine Ausbildung zu machen, verlor Stephan Markstein die Balance. Es gab Ärger in der Schule und bei der Bundeswehr, er schaffte es nicht, eine Berufsausbildung abzuschließen. Eine immer größere Rolle spielte auch der Alkohol. Der Kontakt zu seiner Schwester zerbrach.

Vor fünf Jahren gelang ihm die Wende. Seine Mutter hatte ihn auf dem Sterbebett beschworen, sein Leben in Ordnung zu bringen und sich mit seiner Schwester zu versöhnen. Stephan Markstein hielt sein Versprechen. Er suchte sich eine Wohnung, renovierte sie, kaufte sich ordentliche Möbel, verzichtete auf Alkohol, hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. "Jetzt fängt das Leben an", sagte er zu seiner Schwester, mit der er zuletzt wieder ein sehr gutes Verhältnis hatte.

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Sie war es auch, die sich um ihn kümmerte, als bei ihm Krebs diagnostiziert wurde. Das war im Sommer. Bald darauf erhielt er eine weitere Hiobsbotschaft: Auch im Kopf saß ein Tumor, der schließlich auch die Lunge befiel. Bis zuletzt hatte er sich gewünscht, noch einmal zurück nach Hause zu dürfen. Doch die Ärzte mussten diese Hoffnung zerschlagen. Am Montag wollte Susanne Markstein ihm Fotos zeigen, die sie besorgt hatte: Von seinem Sohn, mittlerweile 20 Jahre alt, zu dem er zuletzt keinen Kontakt mehr gehabt hatte. Doch da war Stephan Markstein schon eingeschlafen.

 
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