| 20.20 Uhr

Nacht der Museen in Düsseldorf
Schlangestehen für die Kultur

Die Nacht der Museen 2016 in Düsseldorf
Die Nacht der Museen 2016 in Düsseldorf FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Mehr als 23.000 Besucher kamen zur Nacht der Museen. Katharina Schneider-Bodien war für die Rheinische Post dabei.

Wer bei der Nacht der Museen ins NRW-Forum wollte, musste zunächst einmal eines mitbringen: viel Geduld. Schon zu Beginn des Abends reichten die Schlangen bis in den Hofgarten. Eine Lichtinstallation im Park und auf der Fassade sowie mehrere Essensstände sorgten für Unterhaltung. Dass sich das Anstehen lohnte, bewiesen die zahlreichen Aktionen des Hauses. Denn neben den drei regulären Ausstellungen mit den Oberthemen Mode, Körper und der Körperdarstellung in Zeiten des Internets beherbergte das Obergeschoss thematisch abgestimmt den ersten Nerd-Flohmarkt der Stadt.

Dort präsentierten Künstler Dinge des Internets im realen Raum, die die Besucher auch käuflich erwerben konnten. Dazu zählten etwa Schriftrollen, auf denen Tweets von Politikern mit Stempeltechnik analog haltbar gemacht wurden, Shirts und Mützen mit entfremdeten Fotos aktueller Staatsoberhäupter oder das Richkids-Beer, das auf eine nicht ganz ernst gemeinte Jugendbewegung der Fotoplattform Instagram zurückgeht. Die meist jungen Künstler nutzten diesen Markt vor allem zur Kommunikation untereinander. Das jugendliche Publikum fand sich in den vor allem schrillen Angeboten wieder.

Die Wagenbauhalle von Jacques Tilly öffnete zum ersten Mal für die Besucher der Nacht der Museen ihre Tore. Dort konnten Interessierte nicht nur die Wagen der vergangenen Session bestaunen, auch Fotos oder Figuren älterer Tilly-Arbeiten waren zu sehen. Dazu zählten überdimensionale Blüten von Frühlingsfesten ebenso wie der berühmte Papp-Campino der Düsseldorfer EG, der in finanzieller Not zur Rettung des Eishockeyvereins beigetragen hatte und medienwirksam unter den Anhängern versteigert worden war.

Der Künstler selbst führte mit mehreren Vorträgen durch den Abend. Dabei gab er Einblicke in die Historie und das Handwerk des Wagenbaus in Düsseldorf. Viele Gäste nutzten die seltene Chance, sich mit den jeweiligen Wagen abzulichten oder sogar mal selbst auf einem Gefährt zu stehen und von dort herunterzuwinken.

Besonders junges Publikum schlenderte durch die großen Hallen und traf sich im Innenhof zu einer Bratwurst oder auf ein Bier. Für Ina Seybel hielt der Abend ein besonderes Highlight bereit: Die 24-Jährige erwarb eine signierte Skizze für das Wohnzimmer in ihrer WG. "Jacques Tilly ist halt typisch Düsseldorf, und wir haben jetzt einen echten in der Wohnung hängen", freute sich die junge Frau.

Ein weiterer Erstteilnehmer fand sich direkt neben dem Tilly-Atelier. Zwar fahren die Shuttle-Busse der Rheinbahn schon seit Jahren auch die entlegensten Veranstaltungspunkte der Nacht der Museen an. Zu den Ausstellern selbst gehörte das Verkehrsunternehmen mit seinem Betriebshof Am Steinberg aber zum ersten Mal. Bei Live-Musik konnten sich die Interessierten in der Stahlbetonkonstruktion des alten Depots Bahnmodelle der vergangenen 100 Jahre anschauen, Experten des Vereins "Linie D" gewährten den Besuchern Einblicke in die Historie der Rheinbahn. Später sorgte ein DJ für ungewohnte Klänge.

Für Peter Wotschek war die Rheinbahn der Hauptgrund, in diesem Jahr einmal die Nacht der Museen zu besuchen. "Kunst interessiert mich eigentlich nicht. Aber die Rheinbahn ist ein wichtiges Stück Düsseldorf." Viele der Bahnmodelle hat der Rentner selbst noch auf der Straße gesehen. "Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit so einen schönen Betriebshof zu besichtigen?", war Roswitha Nagel begeistert. Die 64-Jährige wohnt seit einigen Jahren in der direkten Nachbarschaft, war aber immer nur außen dran vorbeigelaufen. "Schön, dass man an so einem Abend mal hinter die Kulissen schauen kann. Von außen wirkt die Halle ganz anders."

Quelle: RP
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