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Düsseldorf
Nachts im Museum

Düsseldorf: Nachts im Museum
Alicja (v.l.), Lili, Katharina, Leo, Jakob und Fee haben den Verlaufsplan des Rheins auf dem Boden des Schifffahrtmuseums in Beschlag genommen. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Zu später Stunde und ohne Publikumsverkehr können kleine Besucher in den Sommerferien das neugestaltete Schifffahrtmuseum im Schlossturm entdecken. Von Julia Chladek

Es ist kurz vor 21 Uhr, auf den Rheintreppen direkt am Schlossturm genießen Menschen ihren Feierabend, bald wird es anfangen zu dämmern. Eigentlich ist das große Holzportal am Eingang des Schifffahrtmuseums schon längst geschlossen.

Eigentlich - denn heute macht Museumsleiterin Annette Fimpeler eine Ausnahme. Einigen jungen Besuchern, die meisten von ihnen im Alter zwischen fünf und zehn Jahren, wird heute eine ganz besondere Ehre zuteil: Ganz ohne all die anderen Besucher, die das Museum in einem von Düsseldorfs bekanntesten Wahrzeichen tagsüber bevölkern, dürfen sie zu später Stunde die neugestaltete Ausstellung entdecken. Zu Beginn der Tour geht es erst einmal hinunter. Immer weiter und weiter, bis ins tiefste Gewölbe des historischen Gebäudes. Dass es draußen eigentlich noch hell ist, spürt man gar nicht. Wer ganz leise ist und sich genau in die Mitte des kreisrunden Raumes stellt, kann hier, umgeben von alten Schiffsmodellen, die Schritte auf dem darüberliegenden Burgplatz hören.

Aber bloß alte Modelle anzuschauen steht nicht auf dem Plan der ungewöhnlichen Führung. Anfassen und Mitmachen lautet hier die Devise - und eines der Highlights wartet gleich eine Etage höher auf die kleinen Besucher. Auf dem Weg dorthin wird noch ein kurzer Zwischenstopp beim Fischernetz-Knüpfen gemacht - nach original französischer Anleitung versteht sich. Dann geht es aber schnell weiter zur nächsten Station der Tour: Einmal quer über den ganzen Fußboden erstreckt sich hier der Verlaufsplan des Rheins, zeigt wichtige Städte, Warenumschlagsplätze und alte Zollstationen. Museumsführerin Gabi Luigs weiß spannende Anekdoten darüber zu berichten, wie das Leben an und mit dem Wasser früher aussah. Das Motto der Führung, "Im Dunkeln sind alle Schiffe grau ...", ist nämlich nicht umsonst gewählt: Als man auf dem Rhein an den verschiedenen Zollstationen noch kräftig zahlen musste, versuchten findige Schiffer, sich im Dunkeln an den Zöllnern vorbeizuschmuggeln. Einige Städte hatten aber noch ganz andere Probleme als unehrliche Seefahrer: Wenn der Rhein seinen Verlauf änderte und sich verlagerte, was über die Jahrhunderte oft passierte, lagen ihre Zollstationen manchmal plötzlich einfach nicht mehr am Fluss.

Praktisches aus dem Alltag, zum Beispiel, was bei Hochwasser passiert und wann man das letzte Mal auf dem zugefrorenen Rhein Schlittschuh laufen konnte, lernt man im Museum also genauso wie Wissenswertes über Schifffahrt und Schiffsbau - alles natürlich verknüpft mit der Stadtgeschichte Düsseldorfs. Aber nicht einmal das Technische bleibt theoretisch. Ein paar Stufen geht es nach oben, vorbei an spektakulären Aussichten auf Rhein und Altstadt, und schon wartet das nächste Highlight: Am Computersimulator, aber mit echtem Steuerrad in der Hand, können sie ausprobieren, wie man ein altes Holzschiff steuert - und gleich daneben, wie das Ganze bei einem modernen Containerschiff funktioniert. Der erste Unterschied wird sofort klar: Das neue Schiff ist wesentlich schneller und der ein oder andere Unfall daher programmiert, bevor es den Kindern gelingt, das Schiff sicher in den Düsseldorfer Hafen zu steuern.

Nach anderthalb Stunden schließen sich die Türen des Schifffahrtmuseums dann endgültig für heute. Zweimal, am 16. Juli und am 6. August, gibt es noch die Möglichkeit, an der ungewöhnlichen Führung teilzunehmen. Die Teilnahmegebühr beträgt vier Euro, erwachsene Begleiter sind willkommen. Verbindliche Anmeldung unter schifffahrtmuseum@duesseldorf.de oder unter 0211 899 4195.

Quelle: RP
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