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US-Künstler zieht Düsseldorfer aus
Nackte, so weit das Auge reicht

Nackt im Dienst der Kunst
Nackt im Dienst der Kunst FOTO: AP
New York, London, Barcelona: Tausende haben sich schon bei Wind und Wetter für ihn entblättert und ließen sich dann hüllenlos von ihm ablichten. Seit 1992 fotografiert der amerikanische Künstler Spencer Tunick Nackte im öffentlichen Raum, platziert seine "Models" auf Marktplätzen, in Parks oder auf kühlem Straßenpflaster. Nun hat der 38-Jährige erstmals Deutschland im Visier. Am 6. August will er mit Hunderten von splitterfasernackten Düsseldorfern im museum kunst palast eine meterhohe Körperskulptur erschaffen. Wer sich für die Kunst ausziehen will, kann sich im Internet zum Nackt-Happening anmelden. Von Maike Schulte

Seine Werke bezeichnet Tunick als "lebende Skulpturen" oder "Körperlandschaften". "Mich reizt der Kontrast zwischen der Verletzlichkeit des nackten Körpers und der kalten Anonymität öffentlicher Plätze", erläutert der Künstler. Mindestens 500 Nackte braucht Tunick für die geplante Körperskulptur in Düsseldorf. Seine Düsseldorfer Performance findet im Rahmen der Quadriennale06 statt. Das erste Kunstjahr, das die Stadt in vierjährigem Turnus ausgerufen hat, dreht sich rund ums Thema "Körper". Dass er Probleme hat, ausreichend Freiwillige zu finden, glaubt Tunick nicht. "Ich habe den Eindruck, die Düsseldorfer fühlen sich wohl in ihren Körpern", erklärt er, "in der Masse entsteht außerdem ein schützendes Gefühl."

Ausreden gelten am 6. August nicht: Die Performance findet bei jedem Wetter statt, betonen die Veranstalter vom museum kunst palast. Geld gibt es fürs Ausziehen nicht, dafür erhalten die Nackedeis zur Erinnerung ein Foto von der Kunstaktion. Über mangelndes Interesse konnte sich der in Middletown (New York) geborene Künstler bislang nicht beklagen. Er rief, und die Nackten kamen in Scharen. 50.000 Menschen meldeten sich bislang weltweit von Ecuador bis Ägypten für seine Installationen an. Über 65 Installationen hat Tunick seit 1994 realisiert und mit Fotos dokumentiert. Nicht immer zur Freude der Behörden. Fünf Mal wurde er in Manhattan festgenommen, zweimal landete er wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses hinter Gitter. "Für den ehemaligen New Yorker Bürgermeister Giuliani bedeutete der Körper Verbrechen und Gewalt", empört sich der Künstler.

Deutschland kennt Tunick von Reisen nach Berlin, Hamburg und München. Düsseldorf hat er erstmals vor drei Jahren besucht, damals schon nach möglichen Plätzen für eine Körperinstallation am Rheinufer und in der Stadt Ausschau gehalten. Seitdem versuchte auch Mattijs Visser, Kurator des museum kunst palast, ihn für eine Aktion in der Rheinmetrople zu gewinnen. Tunick zeigt sich dankbar für die Hartnäckigkeit. "Für mich wird in Düsseldorf ein Traum wahr", erklärte er am Dienstag vor der Presse.

Neben den Installationen unter freiem Himmel zeigt das museum kunst palast vom 30. September bis 12. November Fotografien der aktuellen und von vergangenen Aktionen von Spencer Tunick.

 
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