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Interview mit Stephen A. Hubler
Nächste Station Bagdad

Interview mit Stephen A. Hubler: Nächste Station Bagdad
Stephen A. Hubler (54) verbringt die letzten Tage in seinem Büro im Düsseldorfer US-Generalkonsulat. Bald wechselt er nach Bagdad. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Nach drei Jahren verlässt der US-Generalkonsul Düsseldorf. In dieser Zeit stand wegen der NSA-Skandale auch diplomatische Image-Pflege im Zentrum. Von Denisa Richters

Von seinem Büro in der zehnten Etage eines Gebäudes hinter dem Hauptbahnhof hat Stephen A. Hubler einen Ausblick bis zum Grafenberger Wald. Die privaten Fotos hat er bereits abgehängt. In einigen Wochen wechselt der US-Generalkonsul, der seit 2012 in Düsseldorf stationiert war, für ein Jahr in eines der gefährlichsten Gebiete der Welt: in die irakische Hauptstadt Bagdad. Seine Familie bleibt solange in Düsseldorf - bis es 2016 nach Wien geht. Sein Nachfolger steht auch schon fest: Er heißt Michael Keller und ist derzeit als Diplomat in Paris.

Herr Hubler, es sind Ihre letzten Tage in Düsseldorf. Wann geht es los?

Hubler Am 7. Mai fliegen wir.

Ab wann sind Sie in Bagdad?

Hubler Ab 30. Juni, bis dahin habe ich Heimaturlaub und werde noch dafür ausgebildet.

Inwiefern?

Hubler Die ersten zwei Wochen haben ausschließlich mit Sicherheit zu tun, es ist ein Training auf Sprengfallen. Ich bin kein Experte auf dem Gebiet. Ich werde dort Senior Refugee Coordinator, also für die Unterbringung und Versorgung von etwa 100 000 Vertriebenen zuständig sein.

Wie wird man darauf vorbereitet?

Hubler In diesem Bereich habe ich bereits Erfahrungen. Ich war von 2001 bis 2003 Flüchtlingskoordinator am Horn von Afrika.

Was für einen Eindruck haben Sie von der aktuellen Flüchtlings-Debatte?

Hubler Die Kommunen haben schon große Mühe, die Flüchtlinge unterzubringen, sie brauchen mehr Unterstützung von der Bundes- und Landesregierung. Insofern finde ich es gut, dass jetzt darüber debattiert wird.

Wie lässt sich erreichen, dass es in dieser Frage mehr Solidarität in Europa gibt?

Hubler Europa braucht ein ähnliches Verteilungsinstrument wie den Königsteiner Schlüssel in Deutschland. Ich glaube schon, dass Deutschland viel leistet, weil es sehr viele Flüchtlinge in Europa aufnimmt.

Was hat eigentlich Ihre Frau dazu gesagt, dass es jetzt nach Bagdad geht?

Hubler Begeistert war sie natürlich nicht. Aber sie meinte, wenn ich das will, soll ich das machen. Ich werde ja das erste Mal ohne Familie die Station wechseln. Meine Frau und unsere Tochter bleiben in Düsseldorf.

Außerdem ist Deutschland näher am Irak ...

Hubler Das stimmt, denn ich habe die Möglichkeit, in dem einen Jahr dreimal für jeweils maximal zehn Tage nach Hause zu fliegen. Dafür ist Düsseldorf besser gelegen.

Wenn Sie auf Ihre drei Jahre in Düsseldorf zurückblicken - wie ist Ihre Bilanz?

Hubler Positiv finde ich, wie grün es ist, wie viele Bäume es hier gibt, auch wenn es nach dem Pfingstorkan Ela weniger sind. Ich mag die Freundlichkeit und Lebensfreude entlang des Rheins sehr. Nicht so gut waren die Staus, wenn ich in NRW unterwegs war.

Die seit langem angestrebte Städtepartnerschaft mit den USA ist aber immer noch nicht vollendet ...

Hubler Noch nicht, wir sind aber auf einem guten Weg mit Boston. Oberbürgermeister Geisel ist sehr interessiert und aktiv in der Sache. Auch Dallas hat Interesse. Aber Herr Geisel hat unheimlich gute Verbindungen nach Boston, hat dort studiert, es gibt in Düsseldorf viele Unterstützer dieser Partnerschaft.

Sie haben zwei Oberbürgermeister erlebt - gab es aus Ihrer Sicht Unterschiede?

Hubler Ich habe mit beiden sehr gut zusammengearbeitet. Thomas Geisel hat durch seine Biografie natürlich eine ganz andere Verbindung zu den USA.

In Ihre Zeit in Düsseldorf fiel der NSA-Skandal, der die deutsch-amerikanische Beziehung belastet. Als Diplomat gehört zu Ihren Aufgaben, am Image Ihres Landes zu arbeiten. War das schwer?

Hubler Die Diskussionen, die ich führen musste, waren nicht immer lustig, aber lehrreich. Ich habe immer versucht, Lehren aus solchen Gesprächen zu ziehen. Für mich war das sehr hilfreich für die bilateralen Beziehungen. Ich musste vor allem das Freihandelsabkommen TTIP verteidigen, die NSA erklären, warum wir was machen - und wo es Fehler gegeben hat. Wichtig ist, offen miteinander zu diskutieren und bereit zu sein, die Positionen des anderen zu respektieren, auch wenn man nicht einer Meinung ist.

Das Image der USA war in Deutschland vor allem nach den Enthüllungen von Edward Snowden beschädigt. Haben Sie das im Umgang zu spüren bekommen?

Hubler Es war vor allem Enttäuschung. Viele haben mich gefragt, warum das gemacht wird und wie es sein kann, dass für einen Externen wie Snowden der Zugriff auf die Daten so leicht war.

Welche Rolle spielt in Ihrer Arbeit der Ukraine-Konflikt?

Hubler Neben TTIP, NSA und Islamischer Staat war auch die Ukraine-Politik in meinen Reden immer Thema. Ich habe immer deutlich gemacht, dass Freiheit nicht umsonst zu haben ist.

Was ist denn der Preis?

Hubler Dass wir stetig wachsam bleiben müssen, wenn wir sicher leben wollen. Und dass es manchmal auch notwendig ist, diesen Preis mit Blut zu bezahlen. Zwei meiner Onkel sind in Deutschland dafür gestorben.

Im Zweiten Weltkrieg?

Hubler Ja, einer war Fallschirmspringer bei der "Operation Market Garden", ist 1945 in Wesel gefallen. Sein Grab ist auf dem US-Friedhof in Margraten, eine holländische Familie hat die Patenschaft für die Pflege übernommen.

In Düsseldorf war gerade der 70. Jahrestag der Befreiung durch die Alliierten. Am Ende riskierten einige Männer ihr Leben, um die eigentlich schon beschlossene Zerstörung der Stadt durch die Amerikaner zu verhindern ...

Hubler Dass solche Männer bereit waren, ihr Leben für die Freiheit zu opfern, hat mich tief beeindruckt. Solche Beispiele sind der Kern einer Freundschaft zwischen unseren Ländern, die sich seit 1945 entwickelt hat.

Ihre Aufgabe ist auch, den USA ein Bild von der Stimmung in dem jeweiligen Land zu zeichnen. Welches Bild haben Sie von Düsseldorf nach Washington übermittelt?

Hubler Das einer vitalen Stadt mit Zukunft. Hier ist der richtige Rahmen für Start-ups und Kultur.

Und was können die USA von Düsseldorf lernen?

Hubler Altbier zu genießen, Himmel & Ähd zuzubereiten. Die meisten Amerikaner können sie von Blutwurst wohl nicht überzeugen, ich finde es lecker. Ich werde auch eine Flasche Killepitsch mitnehmen.

Für die Warlords im Irak?

Hubler (lacht) Nein, nach Wien, meine nächste Station 2016.

Wird Ihnen der Karneval fehlen?

Hubler Am Anfang war ich etwas skeptisch, doch es war jedes Mal ein tolles Erlebnis. Vergangenes Jahr sind meine Frau und ich als Elefant, dem Symbol der Republikaner, und Esel, dem der Demokraten, gegangen. Dieses Jahr waren wir als Biene und Imker weniger politisch. Aber es ist schön, mal das Formale abzulegen, um mehr Freiheit und Abenteuer zuzulassen.

MATTHIAS BEERMANN UND DENISA RICHTERS FÜHRTEN DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
 
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