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Düsseldorf
Neubauviertel sollen Schulen erhalten

Düsseldorf: Neubauviertel sollen Schulen erhalten
Im Glasmacherviertel in Gerresheim entstehen rund 1400 neue Wohnungen. Ein neuer Schulstandort ist dort bislang nicht vorgesehen, kritisiert der Vorsitzende des Schulausschusses. FOTO: Patrizia
Düsseldorf. Die Stadtverwaltung hat sich auf die Entwicklung der Schülerzahlen bislang nicht eingestellt, sagt der Vorsitzende des Schulausschusses. Der geplante Aufnahmestopp für auswärtige Schüler ist bei den Politikern umstritten. Von Jörg Janßen und Uwe-Jens Ruhnau

Der Vorsitzende des Schulausschusses, Wolfgang Scheffler, geht mit der bisherigen Schulpolitik der Stadt hart ins Gericht. "Es ist versäumt worden, sich konsequent auf die steigenden Schülerzahlen einzustellen", sagt der Grünen-Politiker. Der Rat habe dazu im Frühjahr nur "einen lauwarmen Beschluss" gefasst. "Für neue Viertel wie Grafental hinter der Metro oder das Glasmacherviertel in Gerresheim wurden keine neuen Schulstandorte vorgesehen." Man könne jedoch nicht davon ausgehen, dass die Menschen allesamt ohne Kinder in diese Gebiete mit zusammen mehr als 3000 Wohneinheiten ziehen. "Wir müssen dort noch schleunigst Schulen planen."

FOTO: Stadt DüsseldorfMarketing und Tourismus GmbH//dpa-Infografik

Der Bericht der RP, nach dem bis zum Schuljahr 2019/20 mehr als 6000 Schüler zusätzlich (plus 11,2 Prozent) an den Düsseldorfer Schulen untergebracht werden müssen, wurde gestern in der Sitzung des Schulausschusses diskutiert. Scheffler wies vorab darauf hin, dass es in den letzten Jahren ein Fehler gewesen sei, Schulen aufzugeben, sie umzunutzen oder zu verkaufen. Heute seien deswegen die Handlungsspielräume eng und der Zeitdruck groß. Auch die neue schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Claudia Bednarski bemängelte in der Sitzung "Versäumnisse der Vergangenheit". "Sie greifen hier etwas auf, was vorher nicht passiert ist", sagte sie in Richtung Christdemokraten. Deren ebenfalls neue schulpolitische Frontfrau Constanze Mucha mahnte dagegen, "fraktionelle und persönliche Befindlichkeiten beiseitezulassen. Wir müssen die Herausforderungen zum Wohle unserer Kinder meistern".

NRW von A bis Z FOTO: dpa, Martin Gerten

Kontroverse Ansichten gab es rund um die Sitzung zum Thema "auswärtige Schüler in Düsseldorf". Scheffler begrüßt das Vorhaben von Schuldezernent Burkhard Hintzsche, einen Beschluss zu formulieren, auswärtige Schüler nicht mehr in Düsseldorf aufzunehmen, so sie auch in ihrer Heimatstadt beschult werden können. "Das fordern wir schon seit längerer Zeit und haben die Landesregierung dazu gedrängt, dies durch eine Änderung des Schulgesetzes zu ermöglichen." Diese Änderung sei nun erfolgt, Städte mit wachsenden Schülerzahlen wie Düsseldorf und in kleinerem Umfang auch Münster oder Bonn müssten dieses Instrument nutzen können. Meerbuscher Eltern hatten zuletzt vor Gericht erstritten, dass ihre Kinder am Cecilien-Gymnasium aufgenommen werden. Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage zeigt aber jetzt Verständnis für Düsseldorf. Sie kündigte gestern im Gespräch mit der RP an, selbst eventuell für die Meerbuscher Gesamtschule, die stark nachgefragt ist, eine ähnliche Regelung vorzunehmen.

Diese Entwicklung findet FDP-Schulexperte Mirko Rohloff bedenklich. "Ein umfassender Stopp ist mit Blick auf die immer wichtigere regionale Zusammenarbeit das falsche Signal." Bednarski will erst einmal gründlich diskutieren. "Im Norden der Stadt haben auch Düsseldorfer davon profitiert, dass sie in Duisburg eine Gesamtschule besuchen konnten." Auch Mucha mahnt Ausnahmen an. "So muss es unter anderem für Geschwisterkinder möglich bleiben, auf eine Düsseldorfer Schule zu gehen."

Quelle: RP
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