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Düsseldorf
Neuberger erzählt vom Leben seiner jüdischen Eltern

Düsseldorf. Wenn Benyamin Neuberger im Walter-Eucken-Berufskolleg (WEBK) von der Reichs-Pogromnacht erzählt, dann spricht er von Leid, Angst und Hilflosigkeit und beschreibt damit, wie seine Eltern die Nacht vom 9. November 1938 erlebten. SS-Leute klopften an die Tür der Wohnung in der Brehmstraße und zerrten den Vater, den späteren Justizminister Josef Neuberger, durch das Fenster. Als seine Frau für den Schwerverletzten einen Arzt suchte, erhielt sie immer wieder die Antwort "Ich behandle keine Juden mehr". Von Christiane Kreder

Den Nationalsozialismus hat der emeritierte Professor der Universität Haifa nicht miterlebt. Er wurde 1943 in Haifa geboren und kehrte erst als Elfjähriger wieder mit der Familie nach Düsseldorf zurück. Von der Flucht seiner Eltern und ihrem Leben im Dritten Reich weiß er nur aus Erzählungen. Sein Wissen um das jüdische Leben in den 1930er und 1940er Jahren ist heute aber umso bedeutender, insbesondere für den Schulunterricht, weiß Jochen Wingerath. "Leider leben viele Zeitzeugen heutzutage nicht mehr", sagt der pensionierte Lehrer des Kollegs.

Er kennt Benyamin Neuberger noch aus seiner Schulzeit am Lessing-Gymnasium. Heute lebt Neuberger in Naraniya im Norden Israels. Für die Vorträge über seine Familiengeschichte in der Mahn- und Gedänkstätte oder vier weiteren Schulen ist er allerdings seit Anfang November in Düsseldorf unterwegs. Auf Einladung des Schulfreundes schaut er daher auch im WEBK vorbei. Neben den Lehrern freut das auch die Schüler. "Es ist spannend zu hören, wie es damals war. Und man kann so auch viel mehr lernen", findet die 17-Jährige Fitore.

Denn in Neubergers Erzählungen ist Platz für die Dinge, die im Geschichtsunterricht oft zu kurz kommen. "Ich sage immer, in jeder Finsternis gibt es auch Lichter", so Neuberger. Das gilt auch für das Schicksal seiner Eltern, denen ausgerechnet ein Gestapo-Beamter und ein SS-Mann bei der Flucht in die Niederlande halfen. Zwar kehrte die Familie 1955 wieder nach Düsseldorf zurück, Benyamin Neubergers Leben ist allerdings bis heute vom Holocaust geprägt.

"Ich habe mich immer sehr mit unterdrückten Völkern identifiziert", sagt er. "Dass ich Afrikanistik studiert habe, hat auch etwas mit dem Holocaust zu tun, denke ich."

Quelle: RP
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