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Düsseldorf
Neue Notunterkünfte für Flüchtlinge

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen
Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen
Düsseldorf. Die Stadt will kurzfristig 900 weitere Plätze einrichten. Die Flüchtlinge sind in der Stadt sehr ungleich verteilt, was vor allem im Bezirk 6 zu Kritik führt. Die Flüchtlingsbeauftragte verweist auf den guten Standard in der Unterbringung. Von Arne Lieb und Stefanie Thrun

Bei der Unterbringung von Flüchtlingen steht die Stadt weiter unter großem Handlungsdruck. Sie rechnet aktuell mit 900 Menschen pro Monat, die vom Land zugewiesen werden. Nicht alle Flüchtlinge bleiben längerfristig, aber klar ist, dass insgesamt mehr Unterkünfte benötigt werden. Zugleich gibt es immer wieder Kritik daran, dass die Flüchtlinge nicht gleichmäßig über die Stadt verteilt werden. Vor einiger Zeit kamen Klagen aus dem Stadtbezirk 7, derzeit vor allem aus dem Bezirk 6. Dort hat man Sorgen, dass sozial ohnehin nicht leichte Gegenden durch viele Unterkünfte belastet werden. Das sind die neuesten Entwicklungen und Fakten:

Grafik

Notunterkünfte Die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch kündigt an, dass die Stadt kurzfristig "Notunterkünfte" mit insgesamt 900 Plätzen einrichten will. Sie sollen die Zeit überbrücken, bis mehr Modulanlagen betriebsbereit sind. Angedacht ist eine Nutzungsdauer von einem Jahr. Die Unterkünfte sollen in den Bezirken 2, 3 und 9 entstehen. Um welche Wohnform es sich handelt, will die Stadt erst kommunizieren, nachdem die Bezirkspolitiker informiert wurden. Der Begriff "Notunterkünfte" deutet aber auf Provisorien wie Zelte hin. Klar ist: Es sollen keine Turnhallen belegt werden.

Verteilung Die Stadt verfolgt das Konzept, die Flüchtlinge über die ganze Stadt zu verteilen. Allerdings werden einige Bezirke deutlich stärker beansprucht. In der Grafik sind alle bestehenden Plätze für Flüchtlinge in der Stadt aufgeführt. Außerdem sind die Plätze angegeben, die in den kommenden Monaten sicher dazukommen werden. Die nun neu verkündeten Notunterkünfte sind noch nicht berücksichtigt. Insgesamt sind rund 9300 Plätze verzeichnet. Allerdings werden viele Unterkünfte wegfallen, während andere entstehen - die Zahlen ändern sich derzeit ständig. Rund 3500 der heute bestehenden Plätze werden als "vorübergehend" geführt, sollen also bald aufgegeben werden. Dazu gehören die Traglufthallen.

Da sich die Einwohnerzahl erheblich unterscheidet (rund 25.000 im Bezirk 10, rund 114.000 im Bezirk 3), hat unsere Redaktion für die Grafik auch das Verhältnis von Einwohnerzahl und Flüchtlingen errechnet - das ist auch das maßgebliche Kriterium für die Verteilung zwischen den Kommunen. Dabei zeigt sich das Ungleichgewicht. Die Extreme: Im Bezirk 6 sind statistisch fast drei von 100 Bewohnern Flüchtlinge, im Bezirk 2 kommt weniger als ein Flüchtling auf 100 Bewohner.

Fotos: Traglufthalle für Flüchtlinge in Düsseldorf aufgebaut FOTO: dpa, fg jai

Gründe Die Stadtverwaltung kennt die Zahlen. Allerdings müssen die Ämter unter erheblichem Zeitdruck Unterkünfte finden - auch, weil Düsseldorf das Thema trotz klarer Prognosen verschlafen hat. "Wir müssen schauen, was wir bekommen", sagt Koch. Zunächst wurden vor allem Hotelzimmer angemietet, um den Anstieg aufzufangen (wodurch zunächst die meisten Flüchtlinge in den Bezirken 1 und 3 lebten). Derzeit richtet man mehr Unterkünfte ein, wo es freie städtische Grundstücke gibt oder wo Eigentümer ihre Immobilien anbieten. Aus dem Bezirk 6 kämen jede Woche neue Angebote, heißt es. Man wolle den Bezirk aber nicht überbeanspruchen, sagt Koch: Das ehemalige Schulgebäude an der Borbecker Straße und die Traglufthallen sollen im Sommer aufgegeben werden.

Folgen Für eine gute Flüchtlingspolitik sind diese Zahlen nicht das einzige Kriterium, betont die Flüchtlingsbeauftragte. Sie verweist darauf, dass sich Düsseldorf hohe Standards für längerfristig geplante Unterkünfte wie die Modulanlagen gesetzt hat. "Wir leisten eine gute Form der Unterbringung und in Zusammenarbeit mit allen Wohlfahrtsverbänden eine gute Betreuung", sagt sie. Man werde am Konzept der dezentralen Unterbringung festhalten. Eine Überbeanspruchung von Bezirken sieht die Flüchtlingsbeauftragte nicht. "Das ist immer noch vertretbar."

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai
Quelle: RP
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