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Peter Schwabe Und Ulrich Wolter
Neue Quartiere brauchen Sportplätze

Peter Schwabe Und Ulrich Wolter: Neue Quartiere brauchen Sportplätze
Sportbund-Präsident Peter Schwabe (l.) und Geschäftsführer Ulrich Wolter begrüßen grundsätzlich den Start der Tour de France in Düsseldorf. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Der Präsident und der Geschäftsführer des Stadtsportbunds über fehlende Flächen für den Sport und die Bedeutung der Tour für Düsseldorf.

Der Stadtsportbund ist der Dachverband für 459 Vereine mit mehr als 151.000 Mitgliedern sowie 44.000 Kindern und Jugendlichen. Präsident Peter Schwabe und Geschäftsführer Ulrich Wolter kennen die Probleme der Sportler - und deren Wünsche für die Zukunft.

Wir haben so viele sportlich Aktive wie noch nie, aber auch mehr und mehr Klagen von Vereinen, die ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben. Wie lässt sich diese Krux auflösen?

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Schwabe Wir haben in der Tat Vereine, die einen Aufnahmestopp haben, die ihre Plätze schon für zwei Mannschaften teilen, damit alle trainieren können. Das ist das Schlimmste, was es in einer Sportstadt geben kann. Die Ursachen liegen in der Planung.

Wie meinen Sie das?

Fotos: Pressekonferenz zum Tour Start 2017 in Düsseldorf FOTO: dpa, mjh fdt

Schwabe Als Einbrungen gebaut wurde, habe ich gefragt "Wo ist der Sportplatz?" und wurde auf die umliegenden Stadtteile verwiesen. Wenn ich mir jetzt die Pläne fürs Glasmacher-Viertel anschaue, vermisse ich schon wieder einen Sportplatz. Wenn wir neue Quartiere schaffen, muss es auch die passende Infrastruktur geben: Kitas, Schulen, Sportplätze.

Wie lässt sich das Problem beheben?

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Schwabe Nehmen Sie Schwarz-Weiß 06. Als die Fläche zu klein wurde, hat der Verein gefragt, ob er nicht ein Stück im Volksgarten bekommen kann. Da hat er heute eine gute Anlage und keine Probleme. Wir müssen schauen, wo sich Bewegungsflächen schaffen lassen. Ich rede nicht von Sportplätzen, aber Bewegungsflächen können auf Teilen von Spielplätzen, auf Schulhöfen oder eben in Grünanlagen entstehen. Da haben dann alle was von.

Die Stadt sucht im Moment auch Flächen für Freizeitsportler, geht aber davon aus, erst bis 2020 in jedem Stadtbezirk eine identifiziert zu haben. Warum dauert das so lange?

Schwabe Ich denke nicht, dass das so lange dauern muss. Es müssen doch nicht immer bis auf den letzten Zentimeter genormte Anlagen sein. Wenn man ein bisschen flexibel ist, findet man ganz schnell viele Flächen. Schauen Sie sich an, wie viele Menschen im Rheinpark kicken. Das finde ich toll. So etwas kann ich mir an vielen Orten vorstellen.

Gerade sitzt das Geld bei der Stadt nicht mehr so locker, zum Beispiel für die Sanierung von Kunstrasenplätzen. Drohen dem Sport Probleme?

Wolter Natürlich müssen die Plätze nach und nach saniert werden. Aber uns ist keine Anlage bekannt, wo der Zustand derzeit zu schlecht ist. Es gibt immer wieder schwierige Jahre, dann muss man Prioritäten setzen. Aber darin liegt auch eine Chance.

Worin besteht die?

Wolter Die Stadt erstellt gerade eine Studie zur Wirksamkeit der Sportförderung. Das kann dabei helfen, neue Wege zu beschreiten. Zum Beispiel, indem Vereine stärker kooperieren - das empfehlen wir sowieso in vielen Fällen. Das ist gerade beim neuen Wassersportzentrum vorbildlich gelungen, übrigens auch durch Unterstützung des Stadtsportbunds. Sechs Vereine arbeiten nun auf einer Anlage zusammen, mit klaren Absprachen.

Die Stadt versucht gerade, das Ehrenamt zu stärken. Wie wichtig ist das?

Schwabe Das Ehrenamt ist eine unserer großen Sorgen. Gerade junge Leute sind schwer zu erreichen, auch, weil Arbeitgeber ihre Mitarbeiter nicht mehr so einfach freistellen. Den Vereinen fehlt so der Nachwuchs. Ein Ehrenamtstag allein reicht da nicht. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir das Ehrenamt stärken können. Ein Weg sind hochkarätige Angebote zur Qualifizierung etwa für Trainer, die wir in regionaler Zusammenarbeit anbieten.

Für den Start der Tour de France gibt die Stadt zwölf Millionen Euro aus. Was könnten die Düsseldorfer Sportvereine mit dem Geld alles machen?

Schwabe Zunächst einmal glaube ich natürlich unserem Oberbürgermeister, wenn er sagt, dass die Tour Düsseldorf am Ende deutlich weniger als zwölf Millionen Euro kostet. Und ganz grundsätzlich begrüßen wir als Stadtsportbund die Tour.

Was heißt grundsätzlich?

Wolter Unter der Bedingung, dass das nicht zulasten des Sport-Etats geht.

Schwabe Wir haben nächstes Jahr hier die Triathlon-EM, die Tischtennis-WM der Herren und dann die Tour. Das kann keine andere Stadt in Europa 2017 bieten.

Das ist gut für Tourismus und Wirtschaft, aber was hat der Sport davon?

Wolter Kurz nachdem bekanntgegeben wurde, dass die Tour hier stattfindet, haben bei uns viele Leute angerufen, die sich als Streckenposten oder für andere Aufgaben melden wollten. Die Begeisterung für die Tour ist jetzt schon da.

Aber was bleibt davon?

Schwabe Wir hoffen, dass das unserem Radsport einen neuen Schub gibt. Dass die Menschen wieder zum Rennen auf der Kö gehen, dass die Vereine zusammenfinden und an den passenden Stellen kooperieren, um für die Zukunft richtig aufgestellt zu sein.

Die Radsportzentren in Köln und Kaarst sind in die Jahre gekommen, Düsseldorf wird als ein Kandidat für ein mögliches neues Zentrum gehandelt. Wie sehen Sie die Chancen?

Wolter Auch hier gilt, dass wir kooperieren sollten, damit ein sinnvolles Ergebnis dabei rauskommt. Die Verbände haben heute knallharte Leistungsanforderungen an ein solches Zentrum, Besitzstandswahrung spielt da keine Rolle mehr. Also, es macht keinen Sinn, ein Zentrum gegen Köln und Kaarst zu bauen, sondern man muss mit ihnen nach Lösungen suchen.

In jüngster Zeit haben die Schwimmer große Probleme gehabt, weil Bäder schließen mussten oder umgebaut wurden. Wie sieht aus Ihrer Sicht die Perspektive aus?

Schwabe Wir eröffnen im zweiten Quartal das Rheinbad 50, das bringt eine große Entlastung. Dann kommt Oberkassel, das wird ein weiteres Highlight. Bei Flingern sind wir irritiert, dass da noch keine richtigen Beschlüsse gefasst sind, Benrath steht noch in den Sternen. Angesichts der hohen Kosten, die ein Schwimmbad mit sich bringt, werden wir damit auskommen müssen.

Wolter Wichtig ist dann, dass die besten Schwimmer der Stadt eine Start-Gemeinschaft bilden und so ihre Erfolgschancen verbessern.

Erscheint es realistisch, dass bald eine Deutsche Meisterschaft im Rheinbad ausgetragen wird?

Schwabe Ich finde jede deutsche Meisterschaft gut, die in Düsseldorf ausgetragen wird. Man muss aber sehen, welche Anforderungen mit Blick auf die Betreuer- und Zuschauerzahlen so etwas mit sich bringt. Da erscheint eine Kurzbahn-Meisterschaft realistischer als eine Meisterschaft auf der langen Bahn. Ansonsten gilt auch hier: Für besondere Ereignisse muss man flexible Lösungen denken.

Zur Unterbringung von Flüchtlingen wurden mehrfach Turnhallen gesperrt, nun sucht die Stadt nach ungenutzten Sportplätzen. Welche Auswirkungen hat das für den Sport?

Wolter Das läuft in Düsseldorf erheblich besser als in anderen Städten, weil wir als Stadtsportbund sofort dazugeholt wurden. Für uns hat Priorität, dass nie Hallen mit Ligabetrieb gesperrt wurden. Wir haben auch Ersatzpläne für betroffene Vereine vorbereitet. Die Stadt weiß zum Glück auch, dass die Unterbringung in Turnhallen für alle Beteiligten die schlechteste Lösung ist.

Schwabe Wir haben in dieser Woche die Vereine noch einmal aufgerufen, sich bei der Stadt zu melden, falls sie geeignete Freiflächen für Flüchtlingsheime anbieten können. Aus Hellerhof gibt es ein Angebot. Ich bin sicher, dass auch andere Vorstände sich das noch überlegen.

CHRISTIAN HERRENDORF UND ARNE LIEB FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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